Mitteilung aus dem Rathaus

Schon stand im Nebelkleid die Eiche … (Goethe) - Die treuen Wächter im Kottenforst

Was so eine jahrhundertalte Eiche im Kottenforst wohl zu erzählen hätte? Dem ist ein rüstiges Rödder Rentnerteam um Hans Werner Kühlwetter nun auf den Grund gegangen. Ziemlich erfolgreich, denn das Ergebnis kann sich sehen lassen: ein neues schmuckes Denkmal auf dem Dorfplatz in Villiprott, das den Eichen im Kottenforst und der Geschichte des Ortes gewidmet ist. Der Kern des Denkmals ist eine Baumscheibe einer 247 Jahre alten Eiche. Liebevoll in einer kleinen Behausung aus alten Fachwerkbalken platziert. Und diese Eiche hat viel zu erzählen.

Von ihren Kollegen, der Schnacken Eiche zum Beispiel, die 2005 wegen Pilzbefall gefällt werden musste, eine fast 30 Meter hohe, 400 Jahre alte Stieleiche. 2010 ist dann die fast 300 Jahre alte Dicke Eiche unter einer Schneelast umgefallen. Ihr Stamm hatte einen Durchmesser von 2 und die Krone von 25 Metern. Vor hundert Jahren schon wurde sonntags die Familie mit der Kutsche in den Wald gefahren, um den mächtigen Baum zu bewundern. Ein Teil davon wurde zu einem Altar verarbeitet, der heute in der Bonner Namen-Jesu-Kirche zu finden ist.

Zum Glück gibt es im Kottenforst aber auch noch lebende Exemplare. Die Kaisereiche in der Nähe des Jägerhäuschens zum Beispiel wurde am 19.7.1879 von seiner königlichen Hoheit Prinz Wilhelm eigenhändig gepflanzt, dem späteren Kaiser Wilhelm II. Daneben steht die Prinz-Oskar-Eiche, und am 19.07.1904 folgte noch die Prinz-Friedrich-Eiche.

Die Rödder Baumscheibe stammt natürlich auch von einer Eiche aus dem Kottenforst. „Als ich 1766 als Sämling meine ersten Wurzeln schlug, war dieser ein nahezu undurchdringliches bewaldetes Feuchtgebiet. Damals gab es hier noch Wölfe und Rothirsche. An meinen ovalen Jahresringen könnt ihr erkennen, dass nicht immer alles glattlief in meinem Leben, denn starke Winde und andere, schnell wachsende Baumarten haben mir zugesetzt. Die Jahresringe der guten Jahre sind breit, die der schlechteren schmal“, berichtet die Eiche. Die Jahresringe hat Hans Werner Kühlwetter mit Jahreszahlen versehen und die dazugehörigen Ereignisse unterhalb der Scheibe aufgeführt. Auf der einen Seite sind die lokalen Geschehnisse zu lesen, beginnend mit dem Jahr 1766 als Villiprott noch Teil der Herrschaft Gudenau war. Auf der anderen Seite nationale Besonderheiten wie die Geburt Ludwig van Beethovens im Jahr 1770. Da war die Eiche schon vier Jahre alt. Schlusspunkt ist das Jahr 2013, in dem die Eiche gefällt wurde.

Geboren wurde die Idee mit der Baumscheibe vor Jahren in einem Gespräch mit dem ehemaligen Förster Norbert Happ. Als die Scheibe gefunden war, musste sie noch bearbeitet werden und hat ein paar Jahre in der Garage verbracht. „Aber wenn wir dann mal loslegen, geht die Post ab“, sagt Hans Werner Kühlwetter, „ich geh voran, und die anderen kommen mit. Darauf kann ich mich 150 Prozent verlassen.“ Auf die Art ist auch der Dorfplatz entstanden und der Aussichtspunkt am Beckers Kreuz. Geschichtsunterricht auf die liebevolle Art, Heimatkunde zum Anfassen und ein bisschen wohlige Nostalgie für alte und neue Wachtberger.