Gemeinde Wachtberg

Impfaktion

Bürgermeister Jörg Schmidt Liebe Wachtbergerinnen, liebe Wachtberger, in den lokalen Medien und den Sozialen Medien häufen sich aktuell Meldungen zur kürzlich erfolgten Impfaktion im CMS Altenstift Limbach in Berkum. Mich haben hierzu zahlreiche Mails erreicht. Im Folgenden möchte ich Sie deshalb ausführlich über die Vorgehensweise dieser Impfaktion unterrichten.

Zunächst ist anzumerken, dass das gesamte Impfgeschehen in Wachtberg nicht unter Beteiligung der Gemeindeverwaltung oder gar meiner Person erfolgt. Einzig zuständig ist das Gesundheitsministerium, das sich über die Kassenärztliche Vereinigung mobiler Impfteams bedient, die in erster Linie Seniorenpflegeheime, Krankenhäuser und das dort tätige Personal impfen. Auch Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte haben eine hohe Impfpriorität. Die Impfteams, die jeweils von einem Arzt geführt werden, haben die alleinige Entscheidung, wer zu impfen ist. Diese Entscheidung kann ich als Bürgermeister nicht beeinflussen, und das ist auch gut so.

So wird der Impfprozess vor Ort, in Wachtberg im Seniorenpflegeheim, durchgeführt: Die Pflegeeinrichtung bestellt bei der Kassenärztlichen Vereinigung den erforderlichen Impfstoff für die Bewohner*innen und Beschäftigten. Das Impfteam taut den bei minus 70 Grad gefrorenen Impfstoff auf und verdünnt ihn mit Kochsalzlösung, um die Impfdosen impfbar zu machen. Das ist ein kritischer Moment, weil der Impfstoff von Biontec/Pfizer sehr empfindlich ist, keinen Erschütterungen ausgesetzt werden darf und die fertige Mischung innerhalb von sechs Stunden verbraucht werden muss. Danach darf er nicht mehr verimpft und muss zwingend vernichtet werden. Ist der Impfstoff hingegen nur aufgetaut, aber noch nicht impffertig und mit Kochsalzlösung vermischt, kann er bis zu fünf Tage gekühlt aufbewahrt werden. Ein Transport ist aber auch hier ziemlich schwierig, weil das Material nicht geschüttelt werden darf. So steht es unmissverständlich in der Anmischanleitung für Ärzte für den Impfstoff von Biontec/Pfizer.

Da in aller Regel nur der Impfstoff angerührt wird, der auch bestellt wurde, sollte es grundsätzlich keine Überkapazitäten geben. Aus diesem Grund waren die Gemeinde Wachtberg und auch ich im Vorfeld weder über den Impftermin noch über ggfls. mögliche Überkapazitäten informiert worden. Eine vorhergehende Planung einer Situation mit Überkapazitäten konnte daher nicht vorbereitet werden. Umso überraschender erreichte mich an dem Impftag im Auto der Anruf, dass es Überkapazitäten von fertig angemischten Impfdosen gäbe, die nun sehr schnell zu verimpfen oder eben zu vernichten seien.

Es ist davon auszugehen, dass zu diesem Zeitpunkt sowohl das Impfteam als auch die Pflegeeinrichtung im Vorfeld bereits alles versucht haben, um Impfberechtigte der ersten Priorisierung zu erreichen. Da dies offenbar nicht gelungen war, hat man mich angerufen. Ich hatte ein Zeitfenster von einer halben Stunde, um zu entscheiden, wer noch für eine Impfung herangezogen werden könnte. Unter Abwägung aller Möglichkeiten habe ich entschieden, den Krisenstab der Gemeinde mit Feuerwehr und Ordnungsamt heranzuziehen, soweit diese telefonisch erreichbar waren. Als ich mich etwas später persönlich vor Ort informiert habe, konnte auch ich noch geimpft werden, weil es immer noch einige überzählige Impfdosen gab, die sonst vernichtet worden wären. So war ich keineswegs der erste, der mit dem übrig gebliebenen Impfstoff versorgt worden ist.

Das Gesundheitsministerium sieht in dieser Vorgehensweise auch nichts Verwerfliches. Genauso ist es auch in zahlreichen anderen Kommunen in ganz Deutschland praktiziert worden.

Ich möchte Sie bitten zu bedenken: In der sehr kurzen Zeit, die für eine Heranziehung weiterer Personen zur Verfügung stand, hätte jede Entscheidung gegen eine Impfung von Verwaltungsmitarbeitern des Krisenstabes und von mir zu einer Vernichtung von Impfstoff geführt, weil die Haltbarkeit überschritten worden wäre. Das Impfteam hatte meines Wissens alle Möglichkeiten ausgeschöpft, andere Berechtigte zu finden, sonst wäre ich nicht involviert worden. Nur ein Beispiel: In den Sozialen Medien war gefordert worden, dass statt des Krisenstabes doch wenigstens die Erzieherinnen aus dem im Limbachstift untergebrachten Kindergarten hätten geimpft werden sollen. Der Impftag war ein Samstag, es befand  sich also niemand in der Kita. Fakt ist auch, dass im Ergebnis niemandem eine Impfdosis vorenthalten wurde, und als einzige Alternative die Vernichtung drohte.

Mit besten Grüßen

Ihr Bürgermeister
Jörg Schmidt

 

... siehe auch weitere Stellungnahme des Bürgermeisters vom 10.02.2021