Gemeinde Wachtberg

Sich weg träumen - Bilder und Fotos von Flüchtlingskindern

FZ Villip: Mädchenträume auf Papier. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm) Wachtberg-Villip (mm) – Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, diesen Spruch kennt man. Wie wahr er aber ist, zeigte sich gleich doppelt im Rahmen der 11. Wachtberger Kulturwochen in der Ausstellung „Geschichten und Träume in Bildern und Fotos“ im Villiper Familienzentrum.

 

Wachtberger Kulturwochen 2017 (Banner)

Diese zeigte nicht nur von in Wachtberg lebenden Flüchtlingskindern gemalte Bilder, sondern auch Fotos von eben diesen Mädchen und Jungen.

Seit eineinhalb Jahren bietet die Wachtberger Fotografin Ellen R. Dornhaus in Zusammenarbeit mit Anneli Schmid für Flüchtlingskinder im Schulalter in der Pecher Wiesenau einen Mal- und Bastelkurs an. Spielerisch und ohne Leistungsdruck soll es den Kindern ermöglicht werden, sich auch jenseits der Sprache mitzuteilen. „Die Themen“, so Dornhaus, „richten sich zumeist nach den Jahreszeiten oder den großen Festen, wie Karneval, Ostern und Weihnachten.“ Es werden Märchen erzählt, zuweilen auch gemeinsam eigene Geschichten erfunden, und diese dann in Bildern umgesetzt.

Kinderwünsche

Ins Bild gesetzt … das war hier nicht nur mal-, sondern auch fototechnisch zu verstehen. Und so zeigte die kleine Ausstellung neben den bunten Bildern der aus Albanien, Syrien und Tadschikistan kommenden Kinder parallel dazu auch von Dornhaus gemachte Fotos, auf denen sie festgehalten hat, wie die Kinder in der Gruppe gearbeitet haben.

FZ Villip: Bilder gemalt, Masken gebastelt … auf Fotos festgehalten. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)


Da finden sich viele Fotos, auf denen die Kinder mit lustigen Masken zu sehen sind. Masken, die sie in der Karnevalszeit gebastelt haben. Der Spaß, den sie dabei hatten, ist an deren Augen selbst durch die kleinen Augenschlitze noch abzulesen. Sich verkleiden, in eine andere Rolle schlüpfen … ein Moment, in dem man das Hier und Jetzt vergessen kann. Aber auch in den Zeichnungen der Kinder spiegelten sich deren Träume wider. Auf den Bildern der Mädchen waren nicht selten Prinzessinnen, Elfen und Tänzerinnen zu erkennen.

Bei den Jungen ging es mehr um Stärke, sie hatten u. a. Löwen und Tiger gemalt. Daneben, bei näherem Hinsehen, offenbarten sich in den Bildern die einzelnen Schicksale der Mädchen und Jungen. Nur ansatzweise ließ sich erahnen, welch sicherlich tragische Erlebnisse die Kinder jeweils angedeutet haben. Neben kindlichen Vater-Mutter-Kind-Zeichnungen mit Haus und Garten waren u. a. auch Raketen (Bomben?), Schiffe (Fluchtboote?), Tickets (Fährbillets?), Handys und Feuer dargestellt.
FZ Villip: Nour Alwani stellte seine Bilder vor. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)

Erwachsenensehnsüchte

Auch Bilder zwei Erwachsener, Monzer Al Ghazali und Nour Alwani, bereicherten die Ausstellung. Sich-weg-träumen war bei ihnen ebenso ein Thema wie bei den jungen Mitausstellern.

Nour Alwani, ein junger IT-Spezialist aus Syrien, überraschte mit eindeutig hiesigen Landschafts- und Stadtansichten. Aber wenn ihm sein kleines Zimmer zu eng werde, so Alwani, dann träume er sich in seinen Malereien an andere Orte. So wie bei dem Bild, auf dem er ein tanzendes Paar unterm Sternenhimmel gemalt hat.

FZ Villip: „Segelboot vor Sonnenuntergang“ von Monzer Al Ghazali. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)

Monzer Al Ghazali, Bauingenieur aus Syrien, beeindruckte u.a. mit der Abbildung eines Segelbootes vor rot-orange leuchtendem Sonnenuntergang und dem dazu geschriebenen berührenden Text: „Immer erstaunt es mich, den Sonnenuntergang, weil nach dem Sonnenuntergang der Sonnenaufgang kommt. Als auch nach der Trauer kommt die Freude… Leben ist wie die Erde: Nichts bleibt immer!“​

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FZ Villip: Anna Maria Neumann begeisterte mit ihrem Spiel auf der Klarinette. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)

Finanzieller Förderer der Ausstellung und der Gruppenarbeit war und ist der ökumenische Arbeitskreis zur Betreuung von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Dessen Vorsitzender Kurt Zimmermann hatte es sich ebenso wenig nehmen lassen persönlich zu kommen wie Gabriela Freifrau von Loe, Vorsitzende des DRK Wachtberg, die diese besondere Werkschau eröffnete.

FZ Villip: Die jungen Künstler mit (hinten v.l.n.r.) N. Alwani, M. Al Ghazali, FZ-Leiterin St. Weißenfels, G. Freifrau v. Loe, E. Dornhaus, K. Zimmermann u. A. M. Neumann. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)

 

 

 

 


Die 14jährige Anna Maria Neumann begleitete die Vernissage musikalisch auf der Klarinette.

 

 

 

Die Ausstellung „Geschichten und Träume in Bildern und Fotos“ im Familienzentrum „Drachenfelser Ländchen“, Zwischen den Hüllen 1-9 in Wachtberg-Villip ist noch bis 31.08.2017, montags bis freitags jeweils von 08.00 bis 17.00 Uhr, zu sehen.