Gemeinde Wachtberg

Den Hollywood-Star im Nacken

Susanne Fuß begeisterte mit ihrem Debütroman „Driving Phil Clune“. (Foto: Ian Umlauff) Wachtberg-Ließem (mm) – „Einmal einen echten Hollywood-Star fahren“, davon träumt der Berliner Taxifahrer Herbert. Tagtäglich schaut er auf die übergroßen Filmplakate des Kinocenters, an dem sich sein Taxistand befindet. Ob und wie dieser Traum Realität annimmt, war Inhalt der Lesung von Susanne Fuß im Rahmen der 10. Wachtberger Kulturwochen im Ließemer Köllenhof.

 

10. Wachtberger Kulturwochen (Banner)

 

Die Wachtberger Autorin stellte ihren Debütroman „Driving Phil Clune“ vor. Mit den ausgewählten Passagen, die sie aus dem Buch vorlas, zog sie schon nach wenigen Minuten die Zuhörer hinein ins Berliner Taxifahrer-Milieu und lenkte deren Neugierde bald auf die Frage, ob sich Herberts Wunsch nun erfüllt oder nicht.

 

Herbert hat einen Traum

Ob tatsächlich noch ein großer Filmstar Platz in dessen Taxi nimmt, ließ die Jungautorin allerdings offen, reichte doch die Zeit der Lesung nur für einige Text-Kostproben der vorderen Kapitel. Bis dahin hatte die Geschichte aber auch ohne Hollywood-Größen wie den im Titel genannten Phil Clune als Fahrgast schon mächtig an Fahrt aufgenommen. Neben den einzelnen Charakteren sowohl des eher schüchternen Film-Fans Herbert als auch der verschiedenen Taxifahrer-Kollegen verstand Fuß es exzellent, die Irrungen und Wirrungen, denen sich Herbert plötzlich gegenüber sieht, in Worte zu fassen. Da ist zum einen die forsche Kollegin, mit der ihn die Kollegen verkuppeln wollen, und zum anderen sein so ganz anders gearteter Bruder, der so genial in andere Rollen zu schlüpfen versteht. Fabelhaft macht der das! Oder doch eher krankhaft? Was sich schließlich aus einer Notlüge, einer kleinen Flunkerei, entwickelt, wächst Herbert schon bald über den Kopf. Eitelkeiten, dubiose Geschäfte, Speed-Rennen in der Stadt … Susanne Fußs Roman hat alles, was ein spannendes Buch ausmacht.

 

Harry spricht only a little Deutsch

Meisterlich gelang ihr auch stimmlich die Charakterisierung der einzelnen Personen. Der stille Herbert, die forschen Macho-Kollegen mitsamt der kecken Rita … bis hin zu Herberts Bruder Harry. Wie sie diesen in seinem radebrechenden Gemisch aus Deutsch und Amerikanisch lebendig werden ließ, war alleine schon ein Highlight des Abends. Bravo!

Und, erfüllt sich Herberts Traum? Das wird hier nicht verraten. Der letzte Satz der Lesung kam von Herberts Bruder, der - nach einer rasanten Taxifahrt und vor Angst schweißgebadet - vom Fahrer gefragt wird, wohin er eigentlich möchte, antwortet: „Egal, ich geh zu Fuß!“
 

Susanne Fuß "Driving Phil Clune" (Titelseite)


… und Susanne hatte die Idee

Sie habe im Fernsehen mal ein Interview mit einem amerikanischen Filmstar gesehen, erzählte Susanne Fuß im Anschluss an ihre Lesung. Darin erinnerte dieser sich an eine schnelle Autofahrt auf einer Autobahn in Deutschland. Das wäre sehr aufregend für ihn gewesen, habe er derart temporeiches Fahren in den USA noch nie erlebt. Das, so dachte sich Fuß damals, wäre doch eine Idee für einen Roman.

Susanne Fuß "Driving Phil Clune", Verlag: tredition, ISBN-10: 3732334589, ISBN-13: 978-3732334582