Gemeinde Wachtberg

Von Häusern, Macht und Eingemachtem

haus-ge-macht – eingemacht: Kartenhäuser im Glas von Monika Clever. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm) Wachtberg-Niederbachem (mm) – „haus-ge-macht“ hat Monika Clever ihre diesjährige Bildergarten-Ausstellung im Rahmen der Wachtberger Kulturwochen betitelt. Und wer dabei an Selbstgehäkeltes oder Eingemachtes denkt, kennt die Niederbachemer Künstlerin noch nicht. Obwohl - ans Eingemachte geht es bei Clever immer ...


10. Wachtberger Kulturwochen (Banner)

 



... beleuchtet sie doch in ihren Installationen mit Vorliebe die verschiedensten Aspekte allzu menschlicher und zwischenmenschlicher Nöte - kritisch, ernst, nicht selten aber mit einem Augenzwinkern.

​Als Gruppe art.ista hat sie sich gemeinschaftlich mit den Künstlerinnen Gitta Briegleb, Maria Kontz und Lisa Holz dem Thema genähert. Herausgekommen ist eine Fülle an Reflexionen in unterschiedlichen Darstellungen, die, wie gewohnt, dem Besucher mehr als einen Blick abverlangen, um die Komplexität der ausgestellten Werke in all ihren Aussagen zu erfassen. Die übliche „Gartenkarte“ hilft dabei.

haus-ge-macht: Monika Clever (vorne) mit Gitta Briegleb (sitzend), Lisa Holz (li.), Maria Kontz sowie Dr. Dieter Braun. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)

Schon die Schreibweise, eine Hausskizze, dazu ein kleines „ge“ mit großem M und einer 8 verdeutlicht, dass es um mehr geht als um „Kartenhäuser und andere Paläste“, wie es im Untertitel heißt, sondern um Macht.

Wer oder was übt im Alltag Macht aus? Wer hat die Macht im Haus? Was macht uns krank? Welche Macht-Umstände sind gar ‚selbstgemacht’?

Dr. Dieter Braun, der schon mehrfach Clever’sche Ausstellungen eröffnet hat, fand auch dieses Mal wieder spannende und Neugier weckende Worte. Witzig und feinsinnig verstand er es, die Vernissage-Gäste in die Gedankenwelt der Ausstellung hineinzuziehen und diese zu ermuntern, sich darin selbst auf Entdeckungstour zu begeben.


Hier geht’s ans Eingemachte

Und es gibt viel zu entdecken in Monika Clevers kleinem Garten. Da stehen Gläser mit Schraubverschluss, in denen Kartenhäuser konserviert scheinen - Mini-Häuschen, gefaltet aus Seiten alter Atlanten oder Straßenplänen. In Weckgläsern ist alles eingemacht, was Stress macht – geknülltes Packpapier, beschriftet mit u. a. Neurosen, Beziehungsstress, Übergewicht, Albträume, Zeitnot und Magersucht.


Weiter stehen kleine Häuser mit Karten-Dächern. Dann reihen sich Vogelhäuser mit Flaggen verschiedener Nationen nebeneinander – als Zeichen fürs Multikulti-Wohnen. haus-ge-macht: „manchmal müsste man …“ – Installation von Monika Clever. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)
Selbst in ihren Bronzearbeiten hat Clever sich mit dem Thema Haus und Macht beschäftigt – auch ein Haus und die darauf lastende Hypothek kann übermächtig werden, wie an einem umgekippten Haus zu erkennen ist, unter dem die Beine des erschlagenen Hausbesitzers hervorschauen. ​
Verschiedene Machtworte sind einem Schränkchen zu entnehmen: „Solange Du Deine Füße unter meinen Tisch stellst, …!“ Wer kennt sie nicht, diese Sprüche? An einem kleinen Baum werden die Besucher aufgefordert, Begriffe mit „Haus“ auf bunten Schildern aufzuschreiben und daran anzubringen.
haus-ge-macht: Wem in Ihrer Familie sind welche Insignien der Macht zuzuordnen? Versuchen Sie’s. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)

Das „Leben im Konjunktiv“ heißt eine weitere Installation, dort finden sich an der Wand angebrachte Kästchen mit lauter „manchmal müsste man“-Gedanken, die aber, sobald man das Türchen öffnet, wieder an Willenskraft einbüßen, wie zum Beispiel „abnehmen“ … „Och, Du doch nicht!“

​Und der obligatorische große Tisch darf natürlich auch nicht fehlen. Dieses Mal ist er gedeckt mit den verschiedensten Insignien der Macht, wie Geld, Zeit, Lärm, Medikamenten oder Alkohol, die mittels Handpuppen Vater, Mutter,  Tochter, Sohn und Großeltern zugeordnet werden sollen – je nach persönlicher Betrachtungsweise und eigenem Erleben. Da zeigen sich zuweilen recht unterschiedliche Konstellationen. Auch große Schattenbilder bereichern wieder die Ausstellung, über den Köpfen der Gäste hängen sie oben zwischen den Bäumen.


haus-ge-macht: Maria Kontz‘ „Musterhaussiedlung“. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)

​Hier kommt noch mehr HAUSgemachtes

Bilder und weitere Installationen steuert Maria Kontz zum Thema bei. Ihre „Musterhaussiedlung“ besticht  mit sechs kleinen Häusern. Eines, „Betongold“, ist ganz aus Beton, das „Haus im Grünen“ strahlt in Grün, daneben gibt’s das „Wolkenkuckucksheim“, ein „Haus im See“, ein „Kartenhaus“ und eines, „Auf Sand gebaut“, das sich wirklich als aus Sand erweist.

haus-ge-macht: Kunst von Gitta Briegleb. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)


Gitta Briegleb zeigt vier großformatige Acrylbilder. Eine schwangere Frau stellt das eine dar, auf dem Bild ihr gegenüber ist ein nackter Mann zu sehen und auf der Leinwand dazwischen tummeln sich Kinder, große und kleine, sowie Freunde, Nachbarn etc. Auch sie sind allesamt „hausgemacht“. Das vierte Exponat, auf dem ein Fischteich dargestellt ist, symbolisiert die verschiedenen Bedeutungen, ist dies in Japan doch ein Zeichen für Reichtum, aber auch für Fruchtbarkeit.
haus-ge-macht: Baumhaus mit Hängebrücke von Lisa Holz. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)


Und zu guter Letzt ist da noch das kleine Baumhaus, das Architektin Lisa Holz in einen Baum mitten in Monika Clevers Garten gesetzt hat. Mit seinen zwei Bereichen fürs Arbeiten und Private und der Hängebrücke davor steht es für die so wichtige „Balance of Life“.


… und zum Schluss gibt’s HAUSmusik

haus-ge-macht: Musik in Clevers Bildergarten - wARTEZIMMER mit Annette Briechle (Gesang), Uli Schmitt (Schlagzeug) und Rolf von Ameln (Klavier). (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)

 


Wie auch schon in den letzten Jahren standen neben der Kunst auch noch einige andere Programmpunkte an. In der ersten Woche führte die Gastgeberin persönlich, „nach ART des Hauses“, durch die Ausstellung.
​​Anschließend lud die Gruppe „wARTEZIMMER“ mit Jazz-Klassikern zum längeren Verweilen ein. In der zweiten Woche standen Gedichte zu „Aufenthaltsräumen“ von Ursula Contzen an sowie Clevers „Lesetheater“.


Die Ausstellung „haus-ge-macht“ im Bildergarten von Monika Clever ist am letzten Kulturwochen-Wochenende nochmals zu sehen:

  • Samstag, 10.09.2016 von 11.00 bis 18.00 Uhr
  • Sonntag, 11.09.2016 von 11.00 bis 16.00 Uhr
    mit musikalischer Matinee „Jazztime“ um 12.00 Uhr

Garten Monika Clever, Konrad-Adenauer-Str. 47, Wachtberg-Niederbachem

Internet: www.monika-clever.de

Übrigens:
Einen kleinen Film über die Ausstellung gibt es auf http://künstlerkanal.de/haus-ge-macht.html wie auch auf www.wachtberg-tv.de zu sehen.