Gemeinde Wachtberg

Machen Sie es schön für ihn

Lesetheater bei Monika Clever. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm) Wachtberg-Niederbachem (mm) – Die Ratschläge, die ein Pastor in seinem 1881 verfassten Ratgeber für ein glückliches Zuhause seinerzeit jungen Ehefrauen mit auf den Weg gab, muten heute mehr als befremdlich an.

 

 

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Da wird die Persönlichkeit der Frau den allgemeinen Tugenden untergeordnet. Fleißig und reinlich, sparsam, sittsam und dem Manne untergeordnet hatten die Ehefrauen damals zu sein.

Lesetheater ... Gastgeberin Monika Clever. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)
Ein derartiges Frauenbild gibt es schon lange nicht mehr. Oder doch? Im Rahmen der diesjährigen Wachtberger Kulturwochen hatte Monika Clever erneut zu einem Lesetheater in ihren Bildergarten eingeladen. Rund ein Dutzend Gäste fand sich bei der Niederbachemer Künstlerin ein, ausschließlich weibliche Lesebegeisterte. Das mag auch am Thema gelegen haben, hatte Clever doch den Abend mit „Vom häuslichen Glück und anderen Märchen“ angekündigt. So gar nicht märchenhaft, aber heute irgendwie doch auch wieder wie ein Märchen, klangen dann auch die Tipps aus dem Ratgeber des ausgehenden 19. Jahrhunderts, mit denen Clever die Lesung begann. Abwechselnd lasen sie und die Gäste die von der Gastgeberin vorgegebenen Texte vor.


Die gute Ehefrau, Hausfrau und Mutter

Siebzig Jahre später, in der Mitte des 20. Jahrhunderts, so denkt man, gestaltete sich das Zusammenleben von Mann und Frau schon wesentlich glücklicher, befreit von derart antiquierten Ansichten wie denen des Ratgeber schreibenden Kirchenvertreters. Die Texte, die Clever anschließend in der Leserunde verteilte, hatte sie einer 1955 erschienenen Ausgabe des Magazins „Housekeeping monthly“ entnommen.
Lesetheater bei Monika Clever. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)In diesem Handbuch für die gute Ehefrau fanden sich Tipps und hilfreiche Ratschläge für vielerlei Lebens- und Alltagssituationen. „Bereiten Sie ihrem Ehemann ein schönes Heim. Halten Sie alles ordentlich, aufgeräumt, kochen Sie sein Leibgericht und ziehen Sie sich selbst und die Kinder hübsch an, bevor Ihr Ehemann nach Hause kommt“, derlei Empfehlungen galt es sich als gute Hausfrau zu Herzen zu nehmen. Sowohl in Dingen der Haushaltsführung gab es ‚nützliche‘ Belehrungen wie auch zur Familienbetreuung und zu Fragen des Berufs. Letzteres übte nur der Mann aus, er war der Herr im Haus, ihm galt es nach einem anstrengenden Arbeitstag zuhause die wohlverdiente Ruhe zu bereiten. Alltagssorgen um Haus und Kinder sollten von ihm ferngehalten werden, die Rechtschaffenheit des Ehemannes anzuzweifeln war ein ebensolches Tabu, wie den spät oder nachts gar nicht heimkommenden Gatten nach dem Grund dafür zu fragen.

1881 … 1955, waren die Texte des Pastors noch Garant für heiteres Kopfschütteln bei den Lesetheater-Gästen, so wechselten die amüsierten Mienen der Zuhörer beim Lesen der 50er-Jahre-Lektüre gleich mehrfach von Überrascht-sein bis hin zu Fassungslosigkeit. Wer hätte das gedacht, schmunzelte Clever angesichts der erstaunten Gesichter.

Das Lesetheater endete mit Gedichten über die Liebe von Kurt Tucholsky, Wilhelm Busch und Erich Kästner … und mit zwei Stücken von Loriot, dem Meister der Beobachtung ehelichen Zusammenlebens.