Gemeinde Wachtberg

Kulturtreibende leiden unter „Kostenlos-Mentalität“ - Kukiwa-Podiumsdiskussion

KuKiWa-Podiumsdiskussion mit (v.l.n.r.) Alt-Bürgermeister Hans-Jürgen Döring, Erwin Ruckes, Bürgermeisterin Renate Offergeld, Rainer Land und Moderatorin Dr. Barbara Hausmanns sowie (vorne rechts) KuKiWa-Vorsitzendem Alfred Schneider. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm) Wachtberg-Ließem – Mit provokanten Gegenfragen und Feststellungen, mit klaren Festlegungen – zum Beispiel zur Kulturförderung über den Gemeindehaushalt – und mit viel Optimismus reagierten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion „Ist das Kunst, oder kann das weg? Warum fördern wir?“, zu der der Wachtberger Kulturförderverein (KukiWa) im Rahmen der Kulturwochen in den Ließemer Köllenhof eingeladen hatte.

2014 Wachtberger Kulturwochen (Banner)

 

 

Dabei kam es zu einem lebhaften Meinungsaustausch mit vielen Anmerkungen und Anregungen aus dem Zuhörerkreis, zu dem sich neben Kunst-„Konsumenten“ auch zahlreiche Kulturschaffende gesellt hatten.

Dabei gehörte die Eingangsrunde Wachtbergs Bürgermeisterin Renate Offergeld, dem Leiter des Kultur- und Sportamtes des Rhein-Sieg Kreises, Rainer Land, dem Jazzmusiker und „Bonnjour“-Chefredakteur Erwin Ruckes sowie Altbürgermeister und KukiWa-Gründer Hans-Jürgen Döring, aus deren Statements sich unter Moderation von Dr. Barbara Hausmanns eine intensive Diskussion über das kulturelle Leben im Drachenfelser Ländchen entwickelte.
KuKiWa-Podiumsdiskussion: Erwin Ruckes und Bürgermeisterin Renate Offergeld. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)

So stellte Renate Offergeld fest, dass sich die Frage, ob angesichts angespannter öffentlicher Kassen an der Kultur gespart werden solle, „derzeit in der Gemeinde Wachtberg gar nicht stellt. Im Haushalt 2015 werden wir nach derzeitiger Sachlage keine Kürzungen vornehmen, die die Kultur betreffen.“

Dagegen setzte Erwin Ruckes die provozierende Frage, „von welchem Niveau aus wird nicht gekürzt“, von Null könne man nicht mehr viel wegschneiden. Was Wachtberg als Gemeinde für die Kultur ausgebe, reiche in Bonn nicht mal für die Garderobenfrauen.


Das wollte Altbürgermeister Hans Jürgen Döring nicht so stehen lassen, der um die 112.000 Euro aufrief, die an Personal- und Sachkosten seitens der Gemeinde beispielsweise im Haushalt 2012 eingestellt worden seien. Er beschwor dabei die segensreiche Wirkung für die Kulturtreibenden und ihre Vereine in Wachtberg, die hier für ihr Wirken die kommunalen Räume unentgeltlich zur Verfügung gestellt bekämen. Allgemeine Zustimmung erntete Ruckes für seinen Hinweis, dass ihm die weitverbreitete „Kostenlos-Anspruchshaltung“ vieler Kulturkonsumenten auf den Geist gehe, denen allenfalls Kupfergeld aus dem Portemonnaie in den Sammelhut für die Musiker fielen. KuKiWa-Podiumsdiskussion: Bürgermeisterin Renate Offergeld und Rainer Land, Leiter des Kultur- und Sportamtes des Rhein-Sieg Kreises. (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)


Wachtberger Modell funktioniert

Übereinstimmung herrschte zwischen allen Rednern, dass das „Wachtberger Modell“ gut funktioniere, bei dem die Gemeinde die Infrastruktur stelle, sich Fördervereine wie KuKiWa einbrächten und sich die Bürger freiwillig und ehrenamtlich engagierten.
Der „Humus, auf dem die Wachtberger Kultur blüht“, sei die Initiative und die Freude am Mitmachen der Kulturinteressierten, die auf keinen Fall zerredet werden dürfe, so Döring. Er riet seinem Verein KuKiWa wie auch allen anderen Kulturförderern und Kulturschaffenden, unbedingt die jungen Menschen stärker anzusprechen.


Kultur als Integrationsfaktor

KuKiWa-Podiumsdiskussion ... musikalisch begleitet von dem Duo "2recover". (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm)
Rainer Land bestätigte seinerseits, was in Wachtberg kulturell geboten werde, sei für eine Gemeinde dieser Größenordnung schon etwas Besonderes. Er verwies dabei insbesondere auch auf die Kulturwochen, die weit über das Drachenfelser Ländchen hinaus Interesse fänden. Beeindruckendes sei hier gewachsen. Dabei brauche das ehrenamtliche Engagement aber auch einen kompetenten Sparringspartner in Verwaltung und Politik. Das werde zunehmend schwieriger, da die Kommunen personell und damit auch kreativ weiter ausbluteten.

Gegen Ende der Diskussion wurde dann intensiv auch die Rolle von Kultur als Integrationsfaktor behandelt - für den KukiWa-Vorsitzender Alfred Schneider ein Hinweis, sich auch mit diesem Aspekt seitens des Fördervereins stärker zu befassen. (KuKiWa, Ulf Hausmanns)