Gemeinde Wachtberg

Der europäischen Seele auf der Spur

Michael Franke zeigte eine Werkschau seiner noch in Vorbereitung stehenden Arbeiten zu der 2014 in Siena geplanten Ausstellung. (Foto: GW) Wachtberg-Gimmersdorf – Alte Gedanken wieder neu zu beleben, erläuterte Michael Franke anlässlich einer Werkschau der noch in Vorbereitung stehenden Arbeiten zu seiner 2014 in Siena geplanten nächsten großen Ausstellung, sei der Gedanke seines neuesten Projektes „Antron, Genesi pittorica dell’Europa“.

 

Kulturwochen 2013 (Banner)
 


Michael Franke erläuterte voller Begeisterung sein Projekt „Antron, Genesi pittorica dell’Europa“. (Foto: GW)
„Uns Europäer verbindet die Kultur“, führte der international agierende, seit einigen Jahren in Gimmersdorf lebende Künstler weiter aus. Fasziniert von dem Gedanken einer europäischen Identität, setze er sich in seinem aktuellen künstlerischen Schaffen mit der Kultur der Etrusker auseinander. In ihr sehe er das Bindeglied zwischen der griechischen und der römischen Kultur, sie habe die europäische Kultur wesentlich mit geprägt, sagte der Künstler bei der Einführung in die Werkschau, die im Rahmen der 7. Wachtberger Kulturwochen stattfand.

Die Seele Europas und die Liebe zur Natur

Im Gegensatz zur griechischen Kultur, bei der alles in die Höhe, gen Himmel strebte, ist die etruskische geprägt durch die besondere Bedeutung des Inneren der Erde. Nur noch wenige Stätten der Etrukser sind erhalten geblieben, zumeist Gräber. Haben die Griechen das Leben gefeiert, was unzählige Abbildungen von ausschweifenden Gelagen dokumentieren, so konzentrierten sich die Etrusker in ihrer Religion auf die „unterirdische“ Einswerdung mit der Natur, bildhaft abzulesen an der besonderen Ausgestaltung ihrer Totenstätte. Dort finden sich Abbildungen von Mann und Frau, gleichwertig gegenüber stehend, in ruhiger Pose, vereint im Tode. So hat sich Franke eine Weile im italienischen Etrurien und in der etruskischen Gräberstadt Cerveteri aufgehalten. Inspiriert durch die dortigen, aufwändig ausgestalteten Nekropolen, hat er Skizzen gefertigt, die als Grundlage für einen 50 Gemälde umfassenden Zyklus dienen, der als raumbezogene Arbeit für die so genannte Magazzini del Sale konzipiert und im kommenden Jahr im Palazzo Pubblico in Siena gezeigt werden soll. Danach werden die Bilder eine Reise durch Europa antreten und in mehreren Ländern ebenfalls zur Ausstellung gelangen.

Michael Franke: Cerveteri-Skizze. (Foto: Michael Franke)Michael Franke: Cerveteri-Skizze. (Foto: Michael Franke)
 

In der jetzigen Bilderschau stellte Franke eben diese noch unvollendete Großausstellung in ihrer Vorbereitungsphase den Atelierbesuchern vor. Besonders die Liebe der Etrusker zur Erde, zur Natur als Ort des Anfangs und des Vergehens, versteht er als ein die Menschen auch heute verbindendes Element.

Das bewusste Sehen, Erkennen und Erleben der Natur und die daraus resultierende Identitätsfindung, so Franke, führe – früher wie heute – zu großem Glück für den Menschen. Das macht für Franke auch die alle vereinende Seele aus: Europa werde von Menschen gemacht, in deren Verantwortung es liege, Europa zu beseelen.

Michael Franke (li.) freute sich sehr über den Besuch von Bundesaußenminister a. D. Hans-Dietrich Genscher (Mitte). (Foto: GW)
Der „Europäer“ Hans-Dierich Genscher zu Gast

Kein Gast auf der Vernissage zu Michael Frankes Werkschau hätte dies besser bestätigen können als der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher. Gemeinsam mit seiner Frau Barbara war er, einer der Urväter des europäischen Gedankens und Mitbegründer der Europäischen Union, gerne der Einladung in Frankes Atelier gefolgt. „Ich bin ein Europäer“, ist so auch ein ganz bezeichnender Ausspruch des in Pech lebenden, das europäische Bild wesentlich mitgeprägten Politikers.

 

Konzerte der Extra-Klasse

Zur Eröffnung der Werkschau lud Michael Franke mit dem Salón Latino zudem zu einer „musikalischen Reise voller Sehnsucht nach dem Süden“ ein. Michael Franke: Der Salon Latino brachte südländisches Flair in die Ausstellungsräume. (Foto: GW)

Die Sopranistin Barbara Marín, Elisa und Robert Wittbrodt an der Violine bzw. der Gitarre sowie Cruz Marín Rosas auf der venezolanischen Gitarre nahmen die zahlreich erschienenen Gäste mit auf eine musikalische Suche nach Spanien und Italien bis hin nach Argentinien und Venezuela. Das Ensemble bezauberte, schon zum wiederholten Mal in Frankes Sakralscheune, die Zuhörer erneut mit ihrer Musik. Stücke wie „Mein lieber Schatz, bist du aus Spanien?“, „Unter den Pinien von Argentinien“, „Schöne Isabella von Kastilien“ sowie eine Vielzahl an Flamencos, Tangos und Liebesliedern in der Originalsprache standen auf dem Programm. Virtuos im Zusammenspiel ebenso wie im Solopart überzeugten die drei Musiker gleichermaßen. Hinreißend war auch wieder die Erscheinung von Barbara Marín, die jeden mit ihrer Mimik und gesanglichen Ausdrucksstärke faszinierte und auch vor kleinen schauspielerischen Einlagen nicht halt machte, wie ihr herzergreifender Aufschrei angesichts einer „Spinne“, mit dem sie Rossinis Lied „La Danza“, eine Tarantella, einleitete. Bravo-Rufe und lang anhaltender Applaus belohnten das Quartett am Ende für dieses exzellente Konzert.

Nur zu zweit, aber ebenso virtuos, begeisterten in Frankes Ausstellungsräumen in einem weiteren Konzert gegen Ende der einwöchigen Werkschau Susann und Christoph Scheibling das Publikum. Bereits im letzten Jahr hatte das Paar mit ihrem Eröffnungskonzert der damaligen Kulturwochen sein musikalisch perfektes Zusammenspiel unter Beweis gestellt. Auch dieses Mal erwartete die Besucher erneut ein Konzertprogramm der Extra-Klasse, von den beiden zu Recht betitelt mit „Fantastic Moments“. Susann Scheibling, wieder ein Erlebnis auf der Oboe, und ihr Mann Christoph, gewohnt routiniert am Klavier, hatten mit der „Sonate für Oboe und Klavier in g-moll“ von Johann Sebastian Bach, einem „Prelude“ von Fréderic Chopin und den „Sechs Metamorphosen nach Ovid“ von Benjamin Britten passende Musikstücke zu Michael Frankes Ausstellung gewählt. Auch die weiteren Vorträge mit Werken von Francis Poulenc, Claude Debussy und Johann Kalliwoda griffen die bildlichen Aussagen des Gastgebers musikalisch beherzt auf. Großer Applaus erfüllte zum Schluss die Frank’schen Atelierhallen.

Weitere Infos zu Michael Franke und seinem Projekt „Antron, Genesi pittorica dell’Europa“ auch auf www.michaelfranke.eu . (GW)