Gemeinde Wachtberg

Kraniche verraten die Täter

Deutsche Balladen und alte Tänze – ein literarischer Nachmittag im Limbachsaal. (Foto: GW) Wachtberg-Berkum – Wer hat sie nicht im Unterricht gelesen, Friedrich Schillers Ballade „Die Kraniche des Ibykus“? Erinnerungen an zurückliegende Schulzeiten wurden im Limbachsaal geweckt, als Gisela Knebel, Jeannine Gemein und Dietrich Krohn während der 7. Wachtberger Kulturwochen dorthin erneut zu einer Lesung deutscher Balladen mit Musik alter Tänze eingeladen hatten.

Kulturwochen 2013 (Banner)

 

 


Mit einem heiteren Schäfertanz begann die Veranstaltung, dargeboten von Jeannine Gemein, die im Laufe des Nachmittags neben der Sopran- auch die Alt- und Blockflöte spielen sollte. Begleitet wurde sie von Gisela Knebel auf der Gitarre, bei einigen Stücken übernahm diese dazu noch den Gesangspart.

Von Kranichen, mutigen Bauersleuten, treuen Bettlern und verschluckten Propheten

Deutsche Balladen, vorgetragen von Dietrich Krohn. (Foto: GW)Danach erfüllten sie auch schon den Saal … die Kraniche. In drei Teilen, von kleinen musikalischen Pausen unterbrochen, in denen die beiden Musikerinnen u. a. eine „Sarabande“ von Esajas Reusner, John Playfords „Teufelspferd“ und eine „Allemande“ von Tielman Susato spielten, wusste Dietrich Krohn mit bewegender Stimme vortrefflich die Ballade „Die Kraniche des Ibykus“ um die Ermordung des griechischen Dichters vorzutragen. Erst als die einzigen Zeugen dieses Frevels, eine Schar Kraniche, am Himmel auftauchen, können die Täter entlarvt werden. Deutsche Balladen  – von Gisela Knebel musikalisch begleitet auf der Gitarre.  (Foto: GW)

Das Lied von „Schneiders Höllenfahrt“ bildete den Übergang zu Gottfried August Bürgers „Lied vom braven Mann“. Dramatisch geht es darin zu, gilt es doch das Leben eines Zöllners und dessen Familie zu retten, die drohen, Opfer einer herannahenden Flutwelle zu werden. Erst ein einfacher Bauersmann wagt es, die junge Familie aus den Fluten zu befreien. Den großzügigen Lohn des Grafen schlägt er aus, gibt ihn dem Zöllner, denn dieser habe doch alles Hab und Gut verloren, so der brave Mann.

Mit dem Lied von den „Zwei Königskindern“ gaben Knebel (Gitarre und Gesang) und Gemein (Bassblockflöte) danach wieder ein kleines musikalisches Intermezzo.

Deutsche Balladen – von Jeannine Gemein musikalisch begleitet auf verschiedenen Blockflöten. (Foto: GW)
Krohn hatte noch die „Bettlerballade“ von Conrad Ferdinand Meyer im Programm, eine weniger bekannte Geschichte vom Prinzen Bertarit, der dank seiner Zuwendungen an die Bettler von diesen vor der Ermordung bewahrt wird, später, nachdem er in der Fremde zu Reichtum gelangt ist, zurückkehrt, Rache nimmt und die Armen für ihre Treue belohnt.

Die „Geschichte von Jona und der schönen Stadt Ninive“ über den Propheten, der, von Gott ausgesandt um die Stadt Ninive zu retten, auf dem Weg dorthin im Meer von einem großen Fisch verschluckt und so vorm Ertrinken gerettet wird, bildete den Abschluss der Lesung. Menuette, Reigen und andere zeitgenössische Tanzstücke u. a. von Jean Hotteterre und Jakob van Eyck untermalten diese wieder in drei Passagen aufgeteilte Ballade von Klaus Peter Hertzsch.


Zuallerletzt durfte Theodor Fontanes „Herr von Ribbeck auf Ribbeck“ natürlich nicht fehlen. Und die Zuhörer sprachen die eine oder andere Zeile leise mit … gelernt ist gelernt, gute alte Schulzeit! (GW)