Gemeinde Wachtberg

Kyrie, Sanctus und Agnus Dei - Gregorianischer Gesang in Theorie und Praxis

Gregorianischer Gesang -  die Wachtberg-Oberbachem – Zu einer Einführung in den gregorianischen Gesang und offenen Probe mit der Schola Gregoriana Sankt Marien Wachtberg hatte Kirchenmusikerin und Chorleiterin Claudia B. Mainau am ersten Wochenende der 7. Wachtberger Kulturwochen ins Oberbachemer Pfarrheim eingeladen.

2013 Kulturwochen (Banner)

 

 

Zu den Chormitgliedern gesellte sich so auch ein kleiner Kreis an dieser Musikform Interessierter, der gespannt den Ausführungen zur Historie des gregorianischen Gesanges, mit denen Mainau die Veranstaltung begann, lauschte.

Interessante Historie – Verlorengegangen und wiederentdeckt
Als gregorianischen Gesang bezeichnet man den lateinischen einstimmigen Gesang der römisch-katholischen Liturgie. Obwohl nach ihm benannt, war nicht Papst Gregor der Große (6. Jhdt.) der Autor dieser Gesänge. Mit Sicherheit lassen sich deren genaue Ursprünge heute nicht mehr klären, auch nicht, wann und wo sie ins „Gregorianische“ umgeformt wurden. Im 9. Jahrhundert verbreitete sich die jüngere Version als römischer bzw. gregorianischer Gesang über ganz Westeuropa.

Gregorianischer Gesang – Probe auf der Empore in der Kirche der Heiligen Drei Könige in Oberbachem. (Foto: GW)Bis dato nur mündlich weitergegeben begann man, die tradierten Melodien niederzuschreiben, vieles war jedoch da bereits in ihrer Ursprünglichkeit verloren gegangen. Die Handschriften ab dem Jahr 1000 weisen so auch merkliche regionale Dialekte und Melodieveränderungen auf. Hand in Hand mit diesen melodischen Umgestaltungen ging auch eine Nivellierung der rhythmischen Nuancen. Auch die sich weiter entwickelnde Baukunst blieb nicht ohne Einfluss: mutete zur Entstehungszeit der gregorianischen Gesänge das Ambiente eines spätromanischen Kirchenraums noch beinahe intim an, so waren die 200 Jahre später ungleich geräumigeren ottonischen Basiliken von gänzlich anderer Dimension. Die Gesänge büßten ihre Grazilität ein und verloren schließlich im 15. und 16. Jahrhundert mehr und mehr ihre musikalische und künstlerische Reputation. Der gregorianische Choral war tot. Erst im 19. Jahrhundert sollte es zu einer Wiederentdeckung und Restauration kommen.

Gregorianischer Gesang – begeistert sangen auch die Besucher mit. (Foto: GW)1847 wurde in Montpellier eine mittelalterliche Handschrift entdeckt, ein in Doppelnotation geschriebener Codex. In mühseliger Kleinarbeit restaurierten Mönche der Benediktinerabtei im französischen Solesmes die alten Melodien, die 1903 von Papst Pius X. kirchenrechtlich anerkannt wurden. Mit dieser zu Recht als „Magna charta“ der Choralrestauration bezeichneten Sammlung konnte nun auch offiziell der Weg zu einer Neuausgabe gregorianischer Gesänge geebnet werden – dem „Graduale Romanum“ (1908) und dem „Antiphonale Romanum“ (1912). Das 1979 ebenfalls in Solesmes erschienene „Graduale Triplex“ ist heute das Standardwerk für gregorianische Chöre.

Stimmlicher Zauber - Kyrie, Sanctus und Agnus Dei
Nicht nur Theorie, sondern auch erste eigene Übungen standen auf dem Programm. Anhand einiger Choräle, gemeinsam gesungen mit den zehn Chormitgliedern, erhielten die Gäste ein Gefühl für diese Form der Kirchenmusik. Unterstützt von Claudia B. Mainau am Klavier fanden sich auch Ungeübte schnell in diese besondere Liedform ein. Wer Spaß daran gefunden hatte, konnte das so einstudierte Kyrie, Gloria, Halleluja, Sanctus und Agnus Dei in der anschließenden Messe in der benachbarten Oberbachemer Kirche der Heiligen Drei Könige gleich nochmals mitsingen.

Neue Chormitglieder herzlich willkommen
Die Schola Gregoriana Sankt Marien Wachtberg unter der Leitung von Claudia B. Mainau probt jeden Donnerstag von 17.30 bis 18.30 Uhr im katholischen Gemeindehaus in Berkum. Neue Mitsängerinnen und -sänger sind herzlich willkommen. Infos: Pfarrbüro Berkum, Telefon (0228) 342730. (GW)