Gemeinde Wachtberg

Möglichkeiten der Kulturarbeit im ländlichen Raum diskutiert

Kukiwa-Dämmerschoppen: (v.l.n.r.) Dr. Th. Kreis, M. Schmidt-Ospach, C. Loosen-Sarr, H.-J. Döring, Ch. Müller, J. Dietz, K. Zimmermann, I. Hirschner, M. Franke und Th. Hüffel. (Foto: GW) Wachtberg-Gimmersdorf – Der Frage „Wie ist Kulturförderung im ländlichen Raum möglich?“ widmete sich ein Dämmerschoppen, zu dem der Verein Kunst und Kultur in Wachtberg (KuKiWa) im Rahmen der 5. Wachtberger Kulturwochen mit interessanten Gästen und Musikern in das Atelier von Michael Franke nach Gimmersdorf eingeladen hatte.

 

5. Wachtberger Kulturwochen vom 1. bis 17. Juli 2011 (Logo)

 

Nach einem jazzigen Auftakt mit den Musikern Dr. Thomas Kreis an der Gitarre und Jürgen Dietz am Tenorsaxofon, begrüßte KuKiWa-Vorsitzender Hans-Jürgen Döring die sehr zahlreich erschienenen Gäste und kündigte für den Abend ein buntes Mosaik der Wachtberger Kulturszene mit Kurzvorträgen über Kultur an.

Kukiwa: Tristan Müller begeisterte das Publikum mit seinem Spiel auf der Trompete. (Foto: GW)

Den Auftakt der Veranstaltung bildete ein Auftritt des jungen Trompeters Tristan Müller, der – am Klavier begleitet von seinem Vater Christoph Müller – einige barocke Stücke vortrug.

Im ersten Wortbeitrag des Abends stellte Bürgermeister Theo Hüffel die Frage: „Können sich nur Kommunen mit guter Haushaltslage Kulturarbeit leisten?“
 

Unabhängig von der aktuellen Diskussion, ob Kulturarbeit als freiwillige oder als Pflicht-Aufgabe anzusehen sei, habe Kulturarbeit immer eine Identität stiftende Bedeutung, erläuterte Hüffel. Dies sei für Kommunen auch im Bemühen um Neubürger sehr wichtig. Hier gelte es individuelle Lösungen zu finden und Kooperationen mit den lokalen Kulturtreibenden, Vereinen, Verbänden etc. einzugehen.
Die Wachtberger Kulturwochen, so Hüffel, basierten auf einer solchen Kommunikation. Mit der unentgeltlichen Bereitstellung von Räumlichkeiten, von Personal und vielen anderen Hilfestellungen unterstütze die Gemeindeverwaltung seitdem die ortsansässigen Kulturtreibenden. Der hierfür zur Verfügung stehende Haushaltsposten, ergänzte Hüffel, sei von den Lokalpolitikern in den letzten Jahren nie in Frage gestellt worden. „Unser Ziel ist es, dass sich die Wachtberger mit der Kulturarbeit in Wachtberg identifizieren“, schloss der Bürgermeister.

Kukiwa: Cordelia Loosen-Sarr, Dr. Thomas Kreis und Jürgen Dietz überraschten am Ende der Veranstaltung die Gäste noch mit einer spontanen Session. (Foto: GW)

Ein musikalisches Intermezzo bot die Flötistin Cordelia Loosen-Sarr mit Auszügen aus ihrem Konzertprogramm „Reise durch die Welt der Flöten“. Auf verschiedenen Flöten, von der einfachen Bambusflöte bis zur Querflöte, demonstrierte sie, mal meditativ, mal improvisiert, aber auch orientalisch und Funk mäßig angehaucht, das ganze Spektrum dieser Instrumente.

Michael Schmidt-Ospach, langjähriger Geschäftsführer der Filmstiftung NRW, wusste aus der Zeit, in der er für den WDR als Kulturjournalist tätig war, dass Kulturarbeit oftmals, wie er sagte, ein Seiltanz sei. Die Aufgabe der Kommunen sieht er, selbst in Arzdorf wohnend, in infrastrukturellen Maßnahmen, um jungen Künstlern erste Schritte zu ermöglichen. Kultur auf dem Lande könne zeigen, so Schmidt-Ospach, was in der Region und in der Welt stecke. Im ländlichen Raum sei es machbar, das Private öffentlich zu machen. „Manch eine Mittelstadt wäre froh über so ein Kulturleben“, sagte er mit Blick auf die Wachtberger Kulturwochen. Er schloss sich der Meinung des Bürgermeisters an und betonte gleichermaßen die Identität bildende Funktion von Kultur und ergänzte, dass nicht allein Folkore darunter zu verstehen sei, sondern im Besonderen auch die Widersprüche.

Hochkarätig Unterhaltendes stand anschließend mit der Mezzosopranistin Ilse Hirschner auf dem Programm. Begleitet von Christoph Müller am Klavier trug sie aus dem Musical „Cabaret“ die Lieder „Willkommen“ und „Life is a Cabaret“, Gershwins „The Man I Love“ und, auf Deutsch, den französischen Chanson „C’est ci bon“ vor und begeisterte mit ihrer klangvolle Stimme das Publikum.

„Wie empfindet ein Künstler mit internationaler Reputation das Leben in dieser ländlichen Gegend?“ Diese Frage stellte Hans-Jürgen Döring dem Hausherrn und Künstler Michael Franke. Kultur könne man nie, antwortete Franke, ohne das Lokale sehen. Kultur sei ein wichtiges Gut und nicht austauschbar, da sie gewachsen sei … mit jeweils verschiedenen Gesichtern. Durch seine zahlreichen Auslandsaufenthalte habe er in viele andere Kulturkreise blicken können und dabei, so Franke, trotz aller Unterschiede doch auch ein gemeinsames kulturelles Erbe Europas gesehen. Seine jetzige Ausstellung „Atufrafineha“, in der er sich mit dem Matronenkult auseinander setze, weise so auch starke lokale Bezüge auf. „Ich finde es gut, wenn man nicht in allen Galerien das Gleiche sieht, sondern etwas, was verbunden ist mit der Gegend“, fasste Michael Franke abschließend zusammen.

Kukiwa-Dämmerschoppen: Kurt Zimmermann und Vertreter der beteiligten Gewerbebetriebe enthüllten feierlich den ersten Wachtberger Bücherschrank. (Foto: GW)

 

 

 

Jazzige Töne leiteten dann über zum Thema „Leseförderung“, über das Kurt Zimmermann, der Leiter des Wachtberger Büchereiverbundes kurz berichtete.
In der Lesekompetenz sieht dieser eine notwendige Voraussetzung für’s Lernen und für eine Teilhabe am öffentlichen Leben.

Dies sei eine Aufgabe für Alle, so Zimmermann, „Sie sind alle Beispiele mit Ihrer Leserei. Sie alle sind gefragt als Vorleser.“ Drei Ziele gelte es dabei zu verfolgen, erläuterte er, Lesekompetenz vermitteln, Lesemöglichkeiten anbieten und die Lesemotivation erhalten. Einen weiteren Beitrag zur Leseförderung stellte Zimmermann anschließend vor – einen von insgesamt vier Wachtberger Bücherschränken, die dank der Unterstützung mehrerer Wachtberger Gewerbetreibender realisiert werden konnten. Beigeordneter Jörg Ostermann dankte an dieser Stelle den beteiligten Betrieben. Der erste Schrank steht bereits – im Rathaus in Berkum. Die anderen sollen am CAP-Markt in Niederbachem, im Einkaufszentrum in Berkum und im Drehwerk in Adendorf aufgestellt werden.

Abschließend berichtete Ilse Hirschner aus ihrer Arbeit als Musiklehrerin an der Wachtberger Sekundarschule. Im Musikmachen sieht Hirschner ein Mittel, um das Selbstbewusstsein und den Teamgeist von Kindern zu fördern … Kultur zur Persönlichkeitsbildung.
Dr. Thomas Kreis, mehrfach als Musiker bei Jazz im Köllenhof aufgetreten, lobte diese Musikreihe als Podium für Semi-Profis und ambitionierte Musiker, zu dem inzwischen Künstler aus ganz NRW anreisen.

Den Abend ließen zahlreiche Gäste noch mit einem Glas Wein beim anschließenden Dämmerschoppen ausklingen. (GW)