Gemeinde Wachtberg

Mit Max Frisch ist man nie zu Ende

Lesung: Mitteilungen über Max Frisch machten Ruth Keller (li.) und Ilse Fuß (re.) auf Einladung von Büchereiverbundvorsitzendem Kurt Zimmermann im Köllenhof. (Foto: GW) Wachtberg-Ließem – Wer erinnert sich nicht an alte Schulzeiten, wenn er „Homo Faber“ oder „Stiller“ von Max Frisch hört?

 

5. Wachtberger Kulturwochen vom 1. bis 17. Juli 2011 (Logo)

 


Im Rahmen der 5. Wachtberger Kulturwochen widmeten Ruth Keller und Ilse Fuß am 9. Juli anlässlich des 100. Geburtstages und des 20. Todesjahres von Max Frisch in diesem Jahr dem Autor eine Lesung im Köllenhof in Ließem.

„Mitteilungen über Max – Bekenntnisse und Erkenntnisse“ hatten sie ihren Literaturabend betitelt, zu dem der Büchereiverbund der Gemeinde Wachtberg eingeladen hatte. Im ersten Teil des Leseabends wurde den Zuhörerinnen und Zuhörern die Vita des Schriftstellers vorgestellt, im zweiten ging es um die Darstellung seiner Welt- und Lebensanschauung in der ihm eigenen Sprache.

Das Leben des Schriftstellers Max Frisch (1911 bis 1991) stellten Keller und Fuß anhand von Zeugnissen seiner Wegbegleiter dar. Zu diesen gehörten Wolfgang Hildesheimer, Christa Wolf, Volker Schlöndorff, Rolf Rothmann und Marcel Reich-Ranicki sowie Volker Weidemann, der erst vor kurzem die Biographie „Max Frisch – Sein Leben, seine Bücher“ veröffentlicht hat. Max Frisch schrieb Romane, Bühnen- und Prosastücke, selbst während der Zeit, in der er als Architekt arbeitete, von 1941 bis 1955. Auch die Frauen, die im Leben von Max Frisch eine wesentliche Rolle spielten, kamen in Interviews zu Wort: seine zweite Ehefrau Marianne Frisch-Oellers, Alice Locke-Carey und Karin Pilliod. Volker Weidemann fasst in seinem Buch die Entwicklung von Frisch so zusammen: „Wie aus einem unsicheren jungen Mann ohne Geld, Erfolg und Richtung im Leben der extrem moderne, kühne Ich-Weltschriftsteller wurde.“

Was teilt der Autor in seinen Schriften mit? Das war die Frage im zweiten Teil des Leseabends. Dazu wurden Stellen aus Frischs Tagebüchern, seiner Erzählung „Montauk“ und seinem Spätwerk vorgestellt. Unter anderem beschäftigt sich der Autor mit der Ehrlichkeit: „Ehrlich sein heißt einsam sein.“ Der Umgang mit der Sprache ist für ihn eine ernste Sache. So hat er einmal gesagt: „Ich schüttele Sätze, wie man eine kaputte Uhr schüttelt, und nehme sie auseinander, darüber vergeht die Zeit, die sie nicht anzeigt.“ Homo Faber stellte Keller als Gegenbuch zu „Stiller“ dar. Bei Stiller habe sich die Welt ein Bild von einem Mann gemacht, aus dem sie ihn nicht mehr entließ, bei „Homo Faber“ mache der Mann sich ein Bild von der Welt, an dem er starrsinnig so lange festhalte, bis ihn diese Welt verschlingt. „Mit Max Frisch ist man nie zu Ende. Das ist der Zauber seines Werkes,“ schloss sich Keller der Interpretation von Volker Weidermann an, „Er hat sich immer wieder neu erfunden, hat die Beweglichkeit seines Denkens, die Wut gegen den Zustand der Welt und die Zweifel an sich selbst in seine besten Bücher immer mit hineingeschrieben“ …
… und in diese Welt von Max Frisch gelang es Ruth Keller und Ilse Fuß an diesem Abend die Zuhörerinnen und Zuhörer hineinzuführen. (K.Z. / GW)

Ehre, wem Ehre gebührt

Bürgermeister Hüffel (re.) gratulierte Ruth Keller zum 80. Geburtstag und bat sie um einen Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde Wachtberg. (Foto: Gemeinde Wachtberg)
In der Pause des Leseabends „Mitteilungen über Max“, den sie im Rahmen der 5. Wachtberger Kulturwochen gemeinsam mit Ilse Fuß im Köllenhof hielt, überraschte Bürgermeister Theo Hüffel die Autorin Ruth Keller mit einer besonderen Ehrung – einem Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde Wachtberg. ...mehr