Gemeinde Wachtberg

Udo Weinbörner kommt, liest und signiert am 15. September

Lions/Büchereiverbund: Lesung mit Udo Weinbörner (Foto: Autorfoto) Wachtberg - Im letzten Herbst war es der Bonner Journalist Wolfgang Kaes, der mit der Vorstellung seines neuen Romans „Das Lemming-Projekt“ die mittlerweile schon traditionelle Vorlesereihe des Büchereiverbundes Wachtberg im Ließemer Kulturzentrum Köllenhof wieder aufnahm.

Lokale Autoren haben hierbei Gelegenheit, vor ihrem „heimischen Publikum“ ihre neuesten Publikationen vorzustellen. Doch Corona schlug dann mit seinen hohen Inzidenzwerten wieder erbarmungslos zu, so dass leider wieder eine Pause in dieser Reihe eingelegt werden musste.

Auf ein Neues!
Mit dem Meckenheimer Autor Udo Weinbörner wird nun die Reihe erneut wieder gestartet. Unter dem griffigen Motto „KURZ UND KRIMINELL! – Krimi-Abend und Gothic Mysterys“ liest der weit über die Grenzen der Region bekannte Schriftsteller mit seiner Frau Anne Labus aus seinem brandneuen Erzählband „Bei Sonnenaufgang sind wir zurück“ am Donnerstag, den 15. September um 19 Uhr. Diese Anthologie gibt einen Überblick über vier Jahrzehnte schriftstellerischen Schaffens und verspricht „Spannung, Grusel und Unterhaltung, wie man sie nicht jeden Tag geboten bekommt!“

Erlös geht ausschließlich an Käpt’n Book!
Die Lesung organisiert der Lions Club Meckenheim-Wachtberg in Kooperation mit dem Büchereiverbund Wachtberg. Der Erlös geht ausschließlich an das Vorlesefestival Käpt’n Book in Wachtberg. Die Lesung findet im Rahmen des Sonderprogramms „Aufgeschlagen“ des Ministeriums Kultur und Wissenschaft des Landes NRW statt. Der Eintritt ist frei, aber um Spenden wird an diesem Abend sehr, sehr herzlich gebeten. Die Schirmherrschaft hat freundlicherweise der Bürgermeister der Gemeinde, Jörg Schmidt, übernommen. Der Autor signiert nach Ende der Lesung am Büchertisch vor seinem hoffentlich mehr als zahlreich erschienenen Publikum, das die dann aktuell geltenden Corona-Regeln sicher einhalten wird. Ein Teilerlös aus dem Bücherverkauf geht ebenfalls an Käpt'n Book in Wachtberg.

Der Büchereiverbund Wachtberg bedankt sich schon jetzt im Namen von vielen Kindern und Jugendlichen in Wachtberg bei allen Beteiligten, die durch diese Veranstaltung in den Genuss einer Lesung mit aktuellen Jugendbuchautoren im Rahmen von Käpt’n Book kommen.

Und mit der Ließemer Autorin Nadja Kobler-Ringler alias Georgie Severin steht übrigens im November gleich die nächste Lesung im Köllenhof an, weitere Autorinnen und Autoren scharren zudem schon mit ihren Buchseiten. Und wer nun auch Lust bekommen hat und sich mit seinen selbst verfassten Romanen, Gedichten, Texten jeglicher Art in die Liste der Vorleser*innen einreihen möchte: Bitte melden! Bei DieterDresen@web.de! (Dieter Dresen)

 

„KURZ UND KRIMINELL!“ - Krimi-Abend und Gothic Mysterys - Interview mit dem Meckenheimer Autor Udo Weinbörner anlässlich der Lesung von Kurz-Krimis und Erzählungen aus seinem Buch „Bei Sonnenaufgang sind wir wieder zurück“ im Köllenhof zu Ließem am Donnerstag, den 15. September 2022, um 19.00 Uhr

Dieter Dresen: Eine Frage vorweg, Herr Weinbörner: Auf dem Cover Ihres gerade neu erschienenen Sammelbandes „Bei Sonnenaufgang sind wir zurück“ steht in der Unterzeile der Hinweis: „In Kooperation mit dem Lions Club Meckenheim-Wachtberg“, der mit dem Erlös der Lesung ja Käpt’n Book in Wachtberg unterstützt. Wie ist es zu dieser Kooperation gekommen?

Udo Weinbörner: In einem Gespräch mit der Activity-Beauftragten des hiesigen Lions Clubs Dr. Angelika Wurm wurde die Idee geboren. Für mich bestand zwischen meinem schriftstellerischen Schaffen und meinem sozialen Engagement schon immer ein enger Zusammenhang. Man wird bei mir nur selten auf Texte treffen, die die Kunst um der schönen Kunst willen bedienen. Vor allem mag ich es, wenn Engagement unmittelbar vor Ort sichtbar und erfahrbar wird. Ich habe dann noch den Verleger Michael Haitel mit einem Anteil vom Erlös ins Boot geholt. Jetzt kann jeder meine Literatur kaufen und lesen und leistet dabei gleichzeitig noch einen kleinen sozialen Beitrag in seiner Heimatregion Meckenheim, Wachtberg. Ich bin sehr glücklich über diese Kooperation.

D.D.: Dieser Erzählband gibt einen Überblick über insgesamt vier Jahrzehnte Ihres literarischen Schaffens. Was ist das für ein Gefühl, einen solch kostbaren „Schatz“ nach einer so langer Zeit des Schreibens, des Aus- und Nachdenkens, nach so vielen sicher auch harten Stunden am Schreibtisch endlich in den Händen zu halten?

U.W.: Einfach ein schönes Gefühl. Gerade Kurzgeschichten sind manches Mal kleine Juwelen in komprimierter Sprache, Handlung und Ideen, an denen ich lange gearbeitet und immer wieder gefeilt habe. Die meisten wurden ein- oder zweimal in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht, einige haben es sogar auf Treppchen von Literaturwettbewerben gebracht. Aber ohne einen Sammelband wie diesen wären meine Arbeiten und Entwicklungsschritte nur noch schwer nachvollziehbar, könnte man die Breite meines Schaffens – von klassischen amerikanischen Short Storys über Gothic Mysterys, Krimi-Erzählungen, Humoresken und Science Fiction bis hin zu kleineren Novellen – kaum erahnen. Von einem Verleger ein solches Angebot zu erhalten, ist ein großes Geschenk.

D.D.: Wie und wann und durch wen sind Sie überhaupt zum Schreiben gekommen? Der Klassiker: ein guter Deutschunterricht?

U.W.: Ja, der Klassiker – ein sehr guter Deutsch- und Literaturunterricht, engagierte Lehrer, die uns den Zugang zur Literatur und zu Autoren geöffnet haben. Kontakte und gemeinsame Lesungen, Briefe mit Autoren wie Josef Reding, der unvergesslichen Hilde Domin. Aber auch später dann Kontakte zu Jörg Weigand, Gisbert Haefs, Max von der Grün und Sten Nadolny, um nur ein paar zu nennen, waren immer wieder inspirierend und wegweisend. Meine ersten kleineren Veröffentlichungen hatte ich als Fünfzehnjähriger. Aus dieser Anfangszeit findet sich im Band u.a. eine nur geringfügig überarbeitet Geschichte mit dem Titel „Eine Frage an sie“.

D.D.: Wie finden Sie zu Ihren Themen und teilweise überraschenden Figuren und Handlungswendungen? Tauchen Ihre Protagonisten etwa spätabends in Ihrer Schreibstube auf und führen mit Ihnen Zwiegespräche, wie es die Kurzgeschichte „In freier Wildbahn“ vermuten lässt?

U.W.: Ja, in der Geschichte „In freier Wildbahn“ habe ich diesen Aspekt meiner Arbeit einmal recht humorvoll beleuchtet. Ein wenig ernst ist es mir mit dem Hinweis, dass ich es mir als Autor gut überlegen muss, mit welcher Hauptfigur ich mich mit meinem jeweiligen Romanprojekt einlasse. Denn diese zieht für eine gewisse Zeit bei uns ein, sitzt am Frühstücks- und Mittagstisch und kann einem auf Monate zusetzen und das Leben sauer machen. Mehr dazu werde ich augenzwinkernd in der Lesung am 15.9. verraten.

D.D.: Schreiben Sie vom Ende her oder entwickeln Sie den überraschenden finalen Plot erst?

U.W.: Regelmäßig ist es ganz hilfreich, wenn man bei Beginn eines Projekts schon eine ziemlich konkrete Vorstellung davon hat, wohin das ganze laufen soll. Manches Mal machen Protagonisten während der Schreibarbeit ganz eigenmächtige Handlungsvorschläge – und dann ist es auch schon mal vorgekommen, dass der Autor überrascht auf das neue Ende seiner Story oder seines Romans schaut.

D.D.: Haben Sie literarische Vorbilder? Auf dem hinteren Klappentext liest man den Verweis auf „Erzähltradition großer amerikanischer Autoren“.

U.W.:  Ein weites Feld für einen Literatur- und Buchliebhaber wie ich es bin. Wo soll ich anfangen, wo aufhören? Bei meinen Lieblingen Josef Reding, Ernest Hemingway, Raimond Carver, Erri de Lucca, Max Frisch, Siegfried Lenz, Erich Kästner, Truman Capote, Hilde Domin, Paula McLain …

D.D.: Wer korrigiert Sie und ist Ihr schärfster Kritiker? Sie selbst? Ihr Lektor beim Verlag?

U.W.: Meine Frau, die unter ihrem Geburtsnamen Anne Labus selbst erfolgreiche Autorin ist, der jeweilige Verleger und sein Lektorat, ein- zwei Probe-/Erstleser und letztendlich die Leser*innen und einige wenige aufrechte Freunde und Kollegen, Wegbereiter – ungefähr in dieser Reihenfolge.

D.D.: Schreiben am Schreibtisch ist das eine, Lesen vor Publikum das andere. Was bereitet Ihnen mehr Freude?

U.W.: Schreiben ohne Publikum ist nichts. Die Bühne, ohne noch am Schreibtisch große Pläne zu verfolgen, ebenso wenig.

D.D.: Eine vorletzte Frage: Welchen von den 30 Texten aus diesem Sammelband würden Sie auf eine einsame Insel gerne mitnehmen? Sagen Sie bitte nicht: alle!

U.W.: Die Titelgeschichte vielleicht …

D.D.: Bingo! Die hat mir auch am allerbesten gefallen. Und nun eine allerletzte Frage: Woran arbeitet Sie im Augenblick, wenn Sie nicht gerade im Köllenhof eine Lesung für den Lions-Club und den Büchereiverbund Wachtberg halten, um „Käpt’n Book in Wachtberg“ zu unterstützen?

U.W.: Gern würde ich einen Wirtschaftskrimi in der Zeit des Wirtschaftswunders der jungen deutschen Republik auf dem Land ansiedeln und von den Schwierigkeiten erzählen, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind.

D.D.: Lieber Herr Weinbörner, vielen Dank für dieses Interview. Wir sind gespannt auf Ihre Lesung.

Die Fragen stellte Dieter Dresen, Leiter des Büchereiverbundes Wachtberg.