Gemeinde Wachtberg

Bonner Erfolgsautor liest im Köllenhof

Lesung Kaes Wachtberg-Ließem - Auf Einladung des Büchereiverbundes Wachtberg kommt am Montag, 08. Dezember 2014 um 19.30 Uhr der im Jahre 2013 mit dem Henri-Nannen-Preis ausgezeichnete Bonner Journalist und Buchautor Wolfgang Kaes in das „Kulturzentrum Köllenhof“ in Ließem und liest aus seinem druckfrischen Kriminalroman „SPUR 24“, den er in Anlehnung an den Fall Trudel Ulmen geschrieben hat.

„Wir sind sehr stolz, dass wir schon zehn Tage nach dem Erscheinen des Romans den Autor Wolfgang Kaes mit seinem neuen Krimi präsentieren können“, meint Dieter Dresen, Büchereiverbundleiter der Gemeinde Wachtberg, und fügt hinzu: „Ein Glücksfall, nicht nur für uns vom Büchereiverbund, sondern vor allem für die interessierte Wachtberger Leserschaft.“

Der Autor hat seinen neuen Thriller "Spur 24" zwar vor dem Hintergrund seiner Recherchen und der Veröffentlichungen im Bonner General-Anzeiger zu dem über die Grenzen Bonns hinaus bekannt gewordenen Fall „Trudel Ulmen“ geschrieben, er besteht aber darauf, dass der Roman ein fiktiver, eigenständiger Roman ist, auch wenn Begebenheiten und verschlüsselte Personen und Orte wohl für Eingeweihte zu identifizieren sind. Interessanterweise hat Kaes den Roman auf Anregung des Bruders der von ihrem Ehemann getöteten Trudel Ulmen geschrieben, nicht zuletzt auch, um die psychischen Belastungen bei der Aufdeckung des Mordes durch das Schreiben zu verarbeiten. Der Leser weiß eigentlich von Anfang an, wohin die „Spur 24“ führt, die Spannung liegt also nicht auf dem „Wer oder Was“, sondern auf dem „Wie und Warum“. Und auch auf der Frage: Warum der Täter erst 16 Jahre nach der Tat verurteilt wurde?

Nach der Lesung besteht die Möglichkeit zu Fragen. Der Autor signiert. Eintritt: 5 Euro.

Montag, 08. Dezember 2014 um 19.30 Uhr
Köllenhof, Marienforster Weg 14, 53343 Wachtberg-Ließem

Wolfgang Kaes (Foto: Privat)Wolfgang Kaes, 1958 in Mayen/Eifel geboren, studierte Politikwissenschaft, Kulturanthropologie und Pädagogik in Bonn. Er arbeitete u.a. für das US-Nachrichtenmagazin Time, den Stern und die Mainzer Rhein-Zeitung. Auch als Krimi-Autor ist er mit Werken wie „Todfreunde“ (2004), „Das Feuermal“ (2008) oder „Gesetz der Gier“ (2012) bekannt geworden. Kaes ist Leitender Redakteur und Chefreporter beim Bonner General-Anzeiger und Henri-Nannen-Preisträger 2013.
(Büchereiverbund Wachtberg) 

Interview

Anlässlich der Lesung seines Romans „Spur 24“ am 8. Dezember 2014 im Köllenhof führte Dieter Dresen, Leiter des Wachtberger Büchereiverbundes, mit Wolfgang Kaes ein Interview:

Dieter Dresen: Herr Kaes, stimmen Sie der Abwandlung eines bekannten Wortes von Heinrich Heine zu: Hinter jeder „amtlichen Bekanntmachung“ liegt eine Weltgeschichte?

Wolfgang Kaes: Hinter vielen dieser amtlichen Bekanntmachungen verbirgt sich ein Drama, mitunter eine Tragödie. Das muss gar nicht das Aufgebot im Sinne des Verschollenheitsgesetzes sein. Da genügt schon die Zwangsversteigerung eines Reihenhauses.

D.D.: Es gibt keine Zufälle, wie Sie im Nachwort schreiben. Was genau veranlasste damals ihr „Bauchgefühl“, sich vier Monate lang auf eine auf den ersten Blick unergiebige, sicher auch mühselige Recherche zu begeben?

W.K.: Das ist das Problem beim Bauchgefühl: Es lässt sich nicht in Worte fassen. Hinzu kam dieses bizarre Juristendeutsch: Die Verschollene möge sich in Zimmer 207, 1. Stock, des Amtsgerichts einfinden, weil sie anderenfalls für tot erklärt werde.

D.D.: Trauen Sie sich noch, mit Ihrem Alfa ins schöne, idyllische Städtchen Lärchtal zu fahren und einen Cappuccino im Café am Marktplatz zu trinken?

W.K.: Erstens fahre ich keinen Alfa (mehr), zweitens gibt es diese Kleinstadt namens Lärchtal in der Westeifel gar nicht.

D.D.: Ich weiß. Weil der Erzähler im Roman bzw. die Protagonistin doch in vielen Passagen als Nestbeschmutzer(in) der sogenannten feinen Lärchtaler Gesellschaft in Erscheinung treten.

W.K.: Wie ich schon sagte: Lärchtal ist frei erfunden.

D.D.: Ihr Roman ist nicht nur und vor allem eine Abrechnung mit der feinen Gesellschaft im fiktiven Lärchtal, sondern auch mit der Polizeiarbeit in der Provinz und konkret sogar mit der Bonner Staatsanwaltschaft. Sind da persönliche Erfahrungen vor dem Hintergrund Ihres langjährigen journalistischen Berufslebens mit eingeflossen?

W.K.: Ich bin im Hauptberuf Reporter. Seit 34 Jahren. Mein Job ist es nicht, zu bewerten, sondern zu beobachten und zu beschreiben. Ich will auch als Schriftsteller nicht abrechnen, sondern beschreiben, um meine Leser in die Lage zu versetzen, sich eine Meinung zu bilden. Ich habe übrigens im Lauf dieser 34 Jahre sehr engagierte und kompetente Kriminalisten kennengelernt.

D.D.: Aber auch „d e r Journalismus“, Presse und Fernsehen, bekommt sein Fett weg, und das nicht zu knapp. Ist das „freie Schreiben“, der Freiraum der Literatur, der bessere Weg?

W.K.: Nein; nur ein anderer Weg. Ich fühle mich auch als Chefreporter des General-Anzeigers absolut frei. Mir hat mein Verleger noch nie Vorschriften gemacht, was ich zu schreiben habe. Außerdem weiß ich gar nicht, ob der Journalismus in „Spur 24“ so schlecht wegkommt. Immerhin klärt doch diese Journalistin durch ihre hartnäckigen Recherchen ein schweres Verbrechen auf.

D.D.: Dennoch: Beim Lesen von „Spur 24“ habe ich mich immer wieder dabei ertappt, ertappen müssen, mich zu fragen: Ist das wirklich - noch - so passiert oder ist das - schon - ausgedacht? Sie spielen da doch bewusst mit der Erwartungshaltung des Lesers - oder?

W.K.: Ich will nicht mit den Lesern spielen. In Wahrheit ist es so: Das wahre Leben bietet überraschende Wendungen nicht in der raschen Taktfolge, wie es ein Roman und erst recht ein Roman im Genre Spannungsliteratur erfordert. Würde ich eine viermonatige, mühselige Recherchen eins zu eins in einem Buch spiegeln, würde das die Leser furchtbar langweilen.

D.D.: Durch den Kunstgriff, Realität und Fiktion so elegant, so verwirrend, so geschickt zu vermischen, gewinnt der Roman ungemein an Spannung. Wann haben Sie sich zum ersten Male gesagt, dass ein Roman zu dem in Bonner Kreisen mehr als bekannten Fall „Trudel Ulmen“ unbedingt ein fiktiver Roman und keine 1:1-Adaption sein darf?

W.K.: Von dem Moment an, als ich mich zum ersten Mal mit dem Gedanken beschäftigte, „Spur 24“ zu schreiben. Ich habe noch nie ein Sachbuch geschrieben und werde vermutlich auch nie eins schreiben. Die nackte Realität zu spiegeln, die in der Regel viel erschreckender ist als meine Bücher, dazu habe ich bei meiner Zeitung genügend Gelegenheit.

D.D.: Können Sie aber auch Kritiker verstehen, die Ihnen vielleicht vorwerfen, die Aktualität des Falls „Trudel Ulmen“ für eine literarische Bewältigung „missbraucht“ zu haben?

W.K.: Ich habe mir abgewöhnt, Kritiker verstehen zu wollen. Das war ein schmerzhafter, aber wichtiger Prozess. Ich bin kein Therapeut, sondern Reporter und Schriftsteller. Die Idee, „Spur 24“ zu schreiben, stammt nicht von mir, sondern von der Opferfamilie, zu der ich bis heute in engem Kontakt stehe. Die Familie Lenerz hat das Buch schon lesen können, lange bevor es in die Buchhandlungen ausgeliefert wurde. Und sie sind sehr froh darüber, dass ihre Leidensgeschichte durch das Buch nicht in Vergessenheit gerät.

D.D.: Haben Sie bei der Recherche-Phase zum Fall Trudel Ulmen sich eigentlich permanent Notizen gemacht, gar „Tagebuch“ geführt?

W.K.: Meine viermonatigen Recherchen als Reporter zum Fall füllen mehrere Aktenordner. Natürlich machen Sie sich ständig Notizen. Ein Tagebuch habe ich allerdings nicht geführt.

D.D.: Mir haben vor allem die Dialoge in Ihrem Roman gefallen, weil sie so viel über die einzelnen Figuren „aussagen“, weil sie so lebenswirklich sind, so authentisch wirken. Macht es Spaß, so häufig und gar intim in fremde Figuren zu springen, oder bereitet das Schwierigkeiten?

W.K.: Der große Karl Valentin hatte mal gesagt: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Es macht Spaß und es ist anstrengend. Ich arbeite im Schnitt zwei Jahre an meinen Büchern. Da steckt ein Großteil meiner Freizeit drin.

D.D.: Letzte Frage: In Ihrem Roman lassen Sie die Protagonistin Ellen Rausch sagen: „Und ich schreibe immer wieder darüber, weil es nicht sein darf, dass ein Mensch einfach so verschwindet und das niemanden zu interessieren scheint.“ Ist das auch Ihre Motivation, immer wieder zu schreiben wie kürzlich als Chefreporter des General-Anzeigers über den noch immer ungeklärten Tod des 19jährigen Studenten Jens Henrik Bleck?

W.K.: Ja. Ich bin da familiär vorbelastet. Seit Kindesbeinen beschäftigt mich die Frage: Wie kommt das Böse in die Welt? Mein Onkel war Kripochef in der Kleinstadt, aus der ich stamme, mein Cousin war beim Landeskriminalamt, und bis kurz vor dem Abitur wusste ich nicht, ob ich zur Kripo gehen oder Journalist werden soll. Mein Großvater väterlicherseits wurde ermordet, die Täter wurden nie ermittelt. Das hat die Familie geprägt.

D.D.: Allerletzte Frage: Verraten Sie mir bitte, mit welcher Frage der Kriminalhauptkommissar Martini den Täter letztendlich zum Geständnis gebracht hat?

W.K.: Warum soll ich es Ihnen verraten, was ich im Buch nicht verrate? Ich nehme den Informantenschutz sehr ernst – als Reporter wie als Schriftsteller.

D.D.: Hmh, auch das habe ich mir gedacht, Herr Kaes. Ich bin gespannt auf Ihre Lesung im Köllenhof. Vielen Dank für dieses Gespräch.