Gemeinde Wachtberg

Aktuelles aus dem Naturnahen Schaugarten am Rathaus - Traditionelle Heckenpflege

 „Geknickte“ Hecke im Naturnahen Schaugarten in Berkum. (Foto: GW) Wachtberg-Berkum - Der Agenda-Arbeitskreis „Naturnahe Gärten in Wachtberg“ hat Anfang Februar 2009 im Naturnahen Schaugarten in Berkum einen Teil der hoch aufwachsenden Hecke durch Knicken verjüngt.

Was ist das? Und wie geht das? Es handelt sich um eine Art der traditionellen Heckenpflege, die im Folgenden erläutert wird.

Der Ursprung der Feldhecken
Unsere Landschaft ist wohlgeordnet: Wald wird von Förstern bewirtschaftet, Wiesen und Felder von Bauern. Vieh weidet auf eingezäunten Weiden. Das war nicht immer so. Bis zum Verbot der Waldweide ab dem 17. Jahrhundert mussten die Felder vor frei sich bewegendem Vieh geschützt werden. Viehherden weideten, von Hirten bewacht auf den Hutungen und in den Wäldern. Die Felder wurden meist durch Hecken geschützt. Dabei ist „Feldhecke“ etwas anderes als eine „Schnitthecke“. Feldhecken wachsen frei und werden nicht in jedem Jahr geschnitten.

Traditionelle Heckenpflege
Aber auch frei wachsende Hecken benötigen Pflege um dicht zu bleiben. Wie alle Lebewesen haben Heckensträucher eine begrenzte Lebensdauer. Alte Feldhecken werden im unteren Bereich licht, sie verwandeln sich in eine Baumreihe. Damit Hecken dicht bleiben, werden sie heruntergeschnitten – „auf den Stock gesetzt“. Dann beginnen die Sträucher ihren Lebenszyklus von vorne, sie sind verjüngt worden.
Für die traditionelle Funktion der Hecken ist das „Auf den Stock Setzen“ genauso ungünstig wie die Verlichtung durch Überalterung: Eine auf den Stock gesetzte Hecke ist ja in der ersten Jahreshälfte nach der Pflege nicht mehr vorhanden.
Die Lösung für dieses Problem ist das traditionelle „Heckenknicken“. Dabei werden die Stämmchen bzw. Äste der Sträucher nur angeschnitten und dann umgeknickt und verflochten. Es entsteht eine dichte Struktur, die sich im Frühjahr auf der ganzen Länge begrünt und die weiterhin ungebetenen Gästen den Zutritt verwehrt.

Sowohl ökologisch als auch ökonomisch hat diese traditionelle Heckenpflege Vorteile: Das Schnittgut muss nicht entsorgt werden. Tiere, die an den geknickten Ästen überwintern (viele Schmetterlinge überdauern den Winter als Ei an Heckenzweigen), behalten ihren Lebensraum. Auch der schattige Bodenbereich unter den Sträuchern bleibt erhalten. In der verflochtenen Astwalze finden viele Tiere weiterhin Rückzugs- und Fortpflanzungsräume.

Rückfragen beantwortet die Umweltbeauftragte der Gemeinde Wachtberg, Hannelore Vogel (0228/9544-153). (GW)