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Wachtberg – aus dreizehn Dörfern wird eine Gemeinde: Beitrag v. Bundesminister a. D. H.-D. Genscher

Wachtberg – aus dreizehn Dörfern wird eine Gemeinde, von Dr. Barbara Hausmanns (Titelseite) Wachtberg – Vier Jahrzehnte kommunaler Entwicklung seit 1969 hat das Buch „Wachtberg – aus dreizehn Dörfern wird eine Gemeinde“ von Dr. Barbara Hausmanns, Archiv der Gemeinde Wachtberg, unter vielfältigsten Perspektiven zum Inhalt. Einige Beiträge konnten platzbedingt im Buch leider nicht berücksichtigt werden ... sollen den Wachtbergerinnen und Wachtbergern aber nicht vorenthalten werden.

Beitrag von Hans-Dietrich Genscher

Es war in den frühen 50er Jahren, als ich zum ersten Mal als Mitfahrer in einem Auto – ein eigenes hatte ich noch nicht – durch das Marienforster Tal nach Süden fuhr.

Es war mein erster Besuch im Rheinland. Nach meiner Flucht aus der DDR war ich in jener Zeit Gerichtsreferendar in Bremen. Als wir Godesberg verlassen hatten und sich das Tal weitete, bis wir dann durch die Hauptstraße in Pech fuhren und von dort weiter nach Süden, fielen mir zwei Dinge auf:

  1. Der Name „Pech“ für eine Ortschaft.
  2. Hinter Pech der Blick nach rechts oben, wo heute die Häuser am Rosengarten in Villiprott stehen.

Hier möchtest Du einmal wohnen, waren meine Gedanken. Das Rheinland hatte mich vom ersten Augenblick gefangen genommen und die Landschaft südlich von Bad Godesberg hatte mich in ihren Bann gezogen. Das war deshalb erstaunlich, weil ich mich in jenen Tagen auf das Große Juristische Staatsexamen vorbereitete und schon das Angebot auf den Eintritt in eine angesehene Bremer Anwaltskanzlei hatte. Das nahm ich auch an, mein Weg schien also jedenfalls geographisch ganz anders vorgezeichnet. Wie so oft im Leben kommt alles anders. Die Politik führte mich nach Bonn und mein Leben in die Gemeinde Wachtberg. Mit unserem ersten Haus auf dem Heiderhof waren wir dem Marienforster Tal, Pech und Villiprott schon näher gerückt. In Pech, in dem Ort, mit dem mich am Anfang der so verwundernde Name verband, bauten wir unser Haus und fanden unser Zuhause. Aus dem „hier möchte ich wohnen“ wurde Wirklichkeit. Villiprott wurde das Zuhause für meine Tochter und ihre Familie. Und nun ist das Marienforster Tal, sind Pech und Villiprott, ist Wachtberg unser Zuhause im Rheinland. Wie schön, wer hätte das gedacht, damals – um es genau zu sagen –, im Karneval 1953. Damals stand ich auf der anderen Rheinseite zum ersten Mal in meinem Leben am Ufer des Rheines.

Und dann erlebte ich das schöne Ländchen nachdem ich es, man könnte durchaus sagen, zufällig, auf der Fahrt nach Süden entdeckt hatte. Es war eine wunderbare Entdeckung. Später wurde aus einem ersten flüchtigen Eindruck ein Zuhause für die ganze Familie. Wer hätte ahnen können, dass hier einmal meine Enkelkinder getauft werden und dass sie hier zur Grundschule gehen würden. Das alles wird mir wieder bewusst, wenn ich einen Beitrag schreibe zur Geburtstagsfestschrift für unsere Gemeinde.

Ist es wirklich ein Beitrag?
Es ist eine Liebeserklärung geworden.

(Hans-Dietrich Genscher, Wachtberg-Pech)