Wachtberg – aus dreizehn Dörfern wird eine Gemeinde: Beitrag von Ingeborg Brinkmann

Wachtberg – aus dreizehn Dörfern wird eine Gemeinde, von Dr. Barbara Hausmanns (Titelseite) Wachtberg – Vier Jahrzehnte kommunaler Entwicklung seit 1969 hat das Buch „Wachtberg – aus dreizehn Dörfern wird eine Gemeinde“ von Dr. Barbara Hausmanns, Archiv der Gemeinde Wachtberg, unter vielfältigsten Perspektiven zum Inhalt. Einige Beiträge konnten platzbedingt im Buch leider nicht berücksichtigt werden ... sollen den Wachtbergerinnen und Wachtbergern aber nicht vorenthalten werden.

Beitrag von Ingeborg Brinkmann "Erinnerung an Herrn von Randow’s Schafherde"

Ostpreußische Skudden in Wachtberg-Pech im Jahre 2001:

1.

Im Garten war ich und blickte hinüber.
„Da sind wie im Vorjahr die Schafe ja wieder!“
Am Zaun stand ein Bock mit ’ner Marke im Ohr.
Er kam sich sicher sehr wichtig vor,
denn er rammte den Holzpfahl;
der krachte ganz schön.
Und noch mal das Ganze, wie: “Hast Du gesehn?“
Er schritt zum nächsten Pfahl, mich fest im Blick,
doch der war aus Eisen, der rührt sich kein Stück,
aber er dröhnte kolossal.
Da ging ich zu ihm: “Mach das nicht noch mal!“
Der Bock stand still, hob nur sein Gesicht.
Ich stupst ihm die Nase, er rührte sich nicht.
Ich wagte, die Lippen ihm zu berühren.
Er schien meine Hand wohlwollend zu spüren
und bleckte die Zähne: ein gelbes Gebiss.
Ein bisschen, ein bisschen nur kriegt’ ich jetzt Schiss
und zog meine Hand von dem Drahtzaun zurück.
„Naaa?“ sagt ich zu ihm mit blinzelndem Blick.
Das war’s, dacht’ er sich wohl und ging
gemessenen Schrittes zur Herde hin.
Abgewandt, zum Pulk formiert
hatte sie keinen Blick riskiert.
Nun drehten sich alle zu ihm herum;
kein Laut war zu hören, alles blieb stumm.
Dann grasten sie weiter das spärliche Grün.
Sie werden sicher bald weiterzieh'n.

2.

Der nächste Morgen:
Aufgestanden, den Vorhang zurück,
gilt unserem Garten der erste Blick.
„Was ist denn das? Sieh Dir das an!“
Ruft mich mit lachender Stimme mein Mann.
Auf unserem Rasen, im ovalen Rund,
zupfend die Herde der Schafe stund!
Flugs war ich draußen, schon kam er, der Bock,
blieb zwei Meter vor mir stehn, wie am Pflock.
Im Abstand dahinter geschlossen die Seinen
mit – schätz ich mal – achtzig Hammelbeinen.
Und alle, alle schauten mich an.
„Wie hast du das bloß geschafft?“ sagt ich dann.
Mit beiden Händen winkt’ ich: „Zurück!“
Und hatte den Bock dabei fest im Blick.
Er drängte sich durch die wendende Herde,
benutzt für den Rückzug den Steinweg, nicht Erde.
Keine Rabatten wurden zerstört
wie sich’s für Leithammel wohl so gehört.
Am Ende des Wegs ging’s dann krachend durch Fichten.
Dahinter war später ein Zaunloch zu sichten.
Der Bock hatte, gut orientiert,
die Seinen zum besseren Frühstück geführt.
Herrn von Randow, dem Züchter, zuletzt schon dabei
führte ich vor, welch Freund er mir sei,
der Bock, mit der Marke im rechten Ohr.
Nun hielt er die Nase hin, wie tags zuvor.
Ob er wohl denkt: Die mag mich die Frau?
Mag sein. Und ich weiß: Auch Schafe sind schlau!
Dieses war gestern. Heut’ früh sagt mein Mann:
Die Schafe sind nicht mehr nebenan.
Eigentlich schade…..

(Ingeborg Brinkmann, Wachtberg-Pech)