Gemeinde Wachtberg

Lesen im Ländchen - Die Wachtberger Büchereien im Porträt

KöB Fritzdorf: Der Eingang zur Fritzdorfer Bücherei – unter dem Schutz des Hl. Georg. (Foto: privat) Wachtberg-Berkum – Wachtberg ist eine lesende Gemeinde. Allein in den acht Büchereien der Kommune werden jährlich rund 30.000 Bücher ausgeliehen. Im Rahmen der kleinen Serie „Lesen im Ländchen“ stellten die Büchereiteams in den letzten Wochen in lockerer Folge jeweils ihre Bücherei vor ... zum Abschluss der kleinen Vorstellungsrunde nun die Katholische Öffentliche Bücherei (KÖB) Sankt Georg in Fritzdorf.

Zum 1. Januar 1980 schlossen sich die damals bestehenden Büchereien auf Initiative der Gemeindeverwaltung zu einem Verbund zusammen. Von nun an wurde gemeinsam für das bestehende Angebot geworben, sich inhaltlich und organisatorisch ausgetauscht. Erste Leiterin des Wachtberger Büchereiverbundes war Monika Gräfin Praschma, ihr folgte für mehr als zwei Jahrzehnte Kurt Zimmermann.

Büchereiverbund Wachtberg (Logo, neu)Seit Herbst 2012 hat Dieter Dresen diese Aufgabe übernommen. Er führt den Büchereiverbund, der seit kurzem ein neues Logo hat, wie seine Vorgänger ehrenamtlich. Ehrenamtlich ist auch das Engagement der vielen WachtbergerInnen, die die Büchereien betreuen: die Katholische öffentliche Bücherei (KÖB) Villip, die KÖB Berkum, die Schulbücherei Berkum, die KÖB Adendorf, die KÖB Fritzdorf, die Gemeindebücherei Ließem, die KÖB Niederbachem und die Evangelische Bücherei Pech. (GW)

Die Katholische Öffentliche Bücherei (KÖB) Fritzdorf Sankt Georg

„Bücher können entführen, sie können verzaubern, Bücher lassen uns still werden und sie lassen uns lachen!“ (Unbekannt).

Wachtberg-Fritzdorf - Auf eine beachtliche Tradition kann die KÖB Fritzdorf zurückblicken. Laut Kirchenarchiv 1907 erstmals erwähnt, wäre sie im hundertsten Jahr ihres Bestehens allerdings fast selber Geschichte geworden. Zum Glück gelang eine Neubelebung. Heute ist die KÖB Fritzdorf ein attraktiver Anlaufpunkt und vitaler Faktor im Ort.

Die Anfänge waren bescheiden. So ist in den Annalen etwa verzeichnet, dass in den ersten Jahren der Bestand durch Schenkung alter Bücher aus Meckenheim aufgebessert wurde – auf dann gerade einmal rund 100 Titel. Seither hat sich viel verändert. Zum Beispiel wurde mehrmals die Örtlichkeit gewechselt. Der wohl tiefste Einschnitt war der Wegfall des Pfarrhauses, das lange als Standort gedient hatte und seit 2007 vermietet ist. Zu diesem Zeitpunkt stand die KÖB vor dem Aus: Veraltete Medien, wenig Resonanz und zuletzt nicht einmal mehr ein Raum. Das Schicksal schien besiegelt. Glücklicherweise gab es zwei Idealisten: Zum einen Nicole Jünger. Sie alleine organisierte unermüdlich Sonntag für Sonntag die Ausleihe sowie im Rahmen ihrer Möglichkeiten Besuche der Kindergartenkinder und der neuen Aktion „Ich bin Bib(liotheks)fit – der Bibliotheksführerschein für Kindergartenkinder“ (Bibfit). Zum andern Dieter Karrenbauer, der sich schon damals leidenschaftlich für die Kirchengemeinde Sankt Georg einsetzte. Gemeinsam entschieden sie, die Fritzdorfer Bücherei nicht sterben zu lassen und initiierten den Umzug in die bis dahin anderweitig genutzte Georgstube. Dieser Raum war ursprünglich der Pfarrstall, was ihm heute nicht mehr anzumerken ist. Auf Grundlage der neuen Räumlichkeiten konnte ein Neubeginn gewagt werden. Dass er gelang, hatte vor allem zwei Gründe: Es konnten weitere Ehrenamtlerinnen gewonnen werden, die in der Bibliothek tatkräftig anpackten. Und die KÖB vernetzte sich stärker: Eine Kooperation mit der GGS Adendorf wurde reaktiviert, die Zusammenarbeit mit dem Kindergarten erweitert. Stetig und von viel positiver Resonanz begleitet, ging der Aufbau voran: Gelder wurden gesammelt, der Buchbestand erneuert und ein breites Angebot von Aktionen aufgebaut.

Im Frühjahr 2009 fiel eine weitere wegweisende Entscheidung: Alle verfügbaren Mittel werden seither ausschließlich für Kinder- und Jugendliteratur ausgegeben. Damit endete ein dauernder Spagat zwischen den Interessen verschiedener Nutzergruppen. Nun kann die junge Klientel optimal bedient werden. Erfreulicherweise kommt auch die Erwachsenenliteratur nicht zu kurz. Obwohl die KÖB diesen Bereich ausschließlich aus Spenden bestückt, ist er immer recht aktuell – was sich nicht zuletzt an einer bemerkenswerten Leserschaft zeigt.

KöB Fritzd.: Einladende Leseatmosphäre. (Foto: privat)
Fortgesetzt wurden die Weichenstellungen 2010 durch die Renovierung der Georgstube. Das Erzbistum und die Kirchengemeinde finanzierten neue Regale. Die Neugestaltung des Raumes wurde hingegen in Eigenleistung gestemmt. Freiwillige übernahmen die Malerarbeiten, das Verlegen des Laminats sowie erforderliche Elektroarbeiten. Schöne Räumlichkeiten sind das eine. Wesentlich bedeutender auf dem Weg zum Leser sind jedoch die vielfältigen Aktionen des Fritzdorfer Büchereiteams.


Diese setzen bewusst ganz früh an. So sind regelmäßig unterschiedliche Gruppen von Kindergartenkindern zu (Vor-)Leseaktionen in der Georgstube zu Gast. Die jährliche „Bibfit“-Aktion gehört mittlerweile schon zum festen Programm. Hervorragend hat sich die intensive Zusammenarbeit mit der GGS Adendorf entwickelt: Im vierwöchigen Rhythmus kommen Schulklassen zu Besuch, die Klassen 2 und 3 erwerben dabei den Lesekompass. Im zweiten Halbjahr des 3. Schuljahres beginnen die Kinder mit eigenen und immer wieder erstaunlich kreativ gestalteten Rezensionen: Sie berichten über Bücher und teilen ihre Leseerfahrungen mit. Die Buchbesprechungen bereichern auch den Deutschunterricht. Nicht wenige Kinder sind durch diese Berührungspunkte auch über den schulischen Rahmen hinaus zu Lesern der KÖB Fritzdorf geworden.

Für Jugendliche wurde im März 2013 der Jugend-Lesetreff (JuLeTre) ins Leben gerufen. Hier tauschen sich junge Leute über Gelesenes aus und diskutieren über Literatur, die ihnen gefällt. Lesenächte für unterschiedlichste Alterskonstellationen, Autorenlesungen, Bilderbuchkino und saisonale Bastelnachmittage runden das Spektrum der Aktivitäten ab. Zu den Höhepunkten zählt die jährliche Teilnahme am Rheinischen Lesefest. Seit 2010 ist Wachtberg bei diesem „Käpt`n Book“-Ereignis dabei. Das gab jungen Leser Gelegenheit, in Fritzdorf Autorinnen wie Dr. Sabine Dahm, Sigrid Zeevart, Susanne Rebscher und Franziska Gehm hautnah zu erleben.

Auch für Erwachsene gibt es Angebote. Bereits seit vier Jahren besteht der Treffpunkt Lesefreu(n)de. Zunächst vierteljährlich, aufgrund des lebhaften Interesses über Fritzdorf hinaus mittlerweile aber im Sechswochen-Turnus, sprechen Erwachsene über ihre Lektüreerfahrungen – für alle Beteiligten immer wieder ein Vergnügen.

2010 wurde zusammen mit Kurt Zimmermann erarbeitet, welchen Beitrag Bibliotheken im Rahmen des Pastoralkonzepts leisten können. Die Büchereien stellten in den Mittelpunkt, dass sie ein „Ort der Begegnung“ innerhalb der Gemeinde und der Dorfgemeinschaften sein wollen. In Fritzdorf ist dies zweifellos bereits gelungen. Die Erfahrung in Fritzdorf zeigt, dass es für die gedeihliche Entwicklung einer solchen Einrichtung vor allem drei Faktoren braucht: Die finanziellen Mittel, um Lesern attraktive Medien anbieten zu können, die „up to date“ sind, engagierte Aktive, die keine Scheu haben neue Ideen umzusetzen. Und ein Umfeld, das dieses Engagement gerne nutzt und wertschätzt.

Deshalb an dieser Stelle Dank an alle Mitstreiter, Unterstützer, Wegbegleiter und ganz besonders an all unsere Leser! (KÖB Fritzdorf, Erika Granow)