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Ist das magisch oder realistisch? Besinnliche Lesung mit Günter Perkams und Ilse Fuß

Lesung: (v.l.n.r.) Musikerin Cordelia Loosen-Sarr, Autor Günter Perkams und Ilse Fuß. (Foto: GW) Wachtberg-Ließem – Gedichte, unterteilt in vier thematische Blöcke, erwarte die Zuhörer, kündigte Ilse Fuß zu Beginn der Veranstaltung an. Günter Perkams hatte gemeinsam mit ihr im Rahmen der 6. Wachtberger Kulturwochen zu einer Lesung seiner Lyrik eingeladen. Die Flötistin Cordelia Loosen-Sarr bildete mit ihrer meditativen Musik die Folie für die Gedichte.


2012 - 6. Wachtberger Kulturwochen (Banner)
 

Bürgermeister Theo Hüffel hatte zuvor die Gäste begrüßt und ihnen eine unterhaltsame Lesung gewünscht. Im gut besuchten Köllenhof in Ließem erlebten diese dann auch einen sehr besinnlichen Abend. Mit Gedanken über Dichter und Künstler, abwechselnd gelesen, begannen Perkams und Fuß die lyrische Reise.

Lesung: Günter Perkams und Ilse Fuß lasen aus seinen Gedichten. (Foto: GW)
Die Natur
Der Natur widmeten sie die nächsten Gedichte. Musikalisch stimmte von Loosen-Sarr mit dem Stück „Waldspaziergang“ und Vogelgezwitscher im Hintergrund auf das Thema ein. „Sand und Meer“ entführte die Zuhörer an einen Strand, dessen Sand vom Wind mal durchgewirbelt, mal im Meer gewaschen, dann wieder von der Sonne gebleicht und schließlich übers Land geweht einen neuen Ort der Bestimmung erfährt. Ein „Sturm“ wird bei Perkams zu einem poetischen, aber wilden Blättertanz.

Dem Genre des magischen Realismus seien die nun folgenden Gedichte zuzuordnen, erläuterte Ilse Fuß. Jener postexpressionistische Stil habe eine besondere Ausprägung in der Malerei und der Literatur erlebt. In „Mittag“ wird so eine Strandszene zur heißen Mittagszeit dichterisch eingefangen. Alles schweigt und ruht, selbst das Meer scheint sich an den Felsen zu schmiegen, so dass, gelesen von Ilse Fuß, der Ich-Erzähler, mit sich alleine, Muße erhält, den Stimmen in sich zu lauschen … und ihm so „ein Blick gegeben wird ins Ewige zurück“. Perkams wunderte sich über das ihm zugedachte Attribut des magischen Realismus. „Das höre ich zum ersten Mal, aber anscheinend habe ich so etwas geschrieben“, kommentierte er auf die für ihn typische trockene humorige Art. Nach dem dann von ihm gelesenen Gedicht, in dem er sich mit dem Schwebezustand des Menschen, eingefangen zwischen dem Hier und dem Himmel, an der Grenze zum Nichts, beschäftigte, stellte er anschließend die alle erheiternde Frage: „Ist das magisch oder realistisch?“ Die Antwort musste jeder Zuhörer selber finden.

Loosen-Sarr untermalte das zuvor Gehörte mit dem Stück „Zauber der Nacht“ auf einer chinesischen Bambusflöte.

Liebe und Leidenschaft
Der Liebe und Leidenschaft galt die folgende Lyrik. Ilse Fuß sinnierte über „Wir beide“, erinnerte sich dabei an gemeinsames Sternebetrachten und das Gefühl, mit dem anderen eine Seele zu teilen. „Ich weiß nicht“, fragte sich Perkams im nächsten Gedicht, „warum du mich liebst“, und reüssierte ernüchtert, dass das Feuer und die Kraft der Liebe sie besser nie erfasst hätte, werde doch das, was sie erhofften, niemals erfüllt werden. Der Frage eines Liebenden, wie es am Morgen danach sein werde, wie mit Sitte und Gesetz vereinbar, ging Fuß nach … mit dem Ergebnis „weil er so mit sich befasst, hat er die Chance verpasst.“

Lesung: Cordelia Loosen-Sarr begleitete die Lesung musikalisch auf verschiedenen Flöten. (Foto: GW)
Sich nicht verpasst, sondern in Leidenschaft verbunden, waren die Paare, die lyrisch folgten. Begehren und Sinneslust, die auch im Himmel und der Hölle die Liebenden nicht voneinander weichen lässt, schwor Perkams mit „Ich bin frei dich zu begehren“ herauf. In „Geben und Nehmen“ widmete sich Fuß dem Gefühl des „Reich vor Glück“. Ein Glück nur zum Anschauen, „Blicke nur allein, die zueinander führen“, beschrieb Perkams mit „Blickverhältnis“.


Ohne Gedanken keine Gedichte
… und ohne Gedichte keine Gedanken, fasste Perkams kurz und bündig die Bedeutung von Dichtung zusammen, und schloss einige Verse zum Thema Gedanken an.
Da ging es ein Mal um „die eine Hälfte“ Gedanken, die man braucht, für sich, fern denjenigen, die man der Welt offenbart. Ein anderes Mal galt es dem „Träumer“, der nicht gestört sein möchte, sondern ganz allein mit seinen Gefühlen: „Träume möchte ich sein“. Sogar der Inhalt eines leeren Raumes wurde poetisch erfasst, der, so Perkams, gleichermaßen Augenblick und Ewigkeit umfasst.

Loosen-Sarr schloss dieses lyrische Kapitel mit besinnlicher Oberton-Musik.

Den Abschluss der Lesung bildete Humoriges, unter anderem eine Persiflage auf „Faust“, und ein wenig Prosa aus Perkams Buch „Auf dem Berg“, aus dem er die spaßige Episode über das Fangen eines Marders auswählte.
Da dürften sich die Zuhörer einig gewesen sein: Das war realistisch ... aber irgendwie magisch war dieser Abend auch. (GW)