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Blind-Date mit einem eingebildeten Kranken - Großes Interesse am ersten Niederbachemer Lesetheater

Lesetheater: Monika Clever (2.v.l.) hatte in ihren illuminierten Bildergarten zum literarischen Blind-Date geladen. (Foto: GW) Wachtberg-Niederbachem – Insgesamt zwanzig Lesewillige konnte Monika Clever am 20. August 2012 in ihrem Bildergarten willkommen heißen. Im Rahmen der 6. Wachtberger Kulturwochen hatte sie diesen wieder in einen Kulturgarten verwandelt, und nun sollte dort das erste Niederbachemer Lesetheater stattfinden. Gemeinsam, mit verteilten Rollen, sollte ein erst am Abend bekannt gegebenes Theaterstück der klassischen Weltliteratur gelesen werden.

2012 - 6. Wachtberger Kulturwochen (Banner)

 

 

Dank der sommerlichen Temperaturen konnte dieses erste literarische Blind-Date draußen im Garten stattfinden, wo sich alle um einen großen Tisch versammelten.

Lesetheater: Nicht selten mussten die Mitwirkenden über die, für heutige Ohren oft amüsant klingende Ausdrucksweise schmunzeln oder sogar herzhaft lachen. (Foto: GW)Das Geheimnis, um welches Stück es sich handelt, lüftete Clever sodann: Molières „Der eingebildete Kranke“. Insgesamt galt es, zwölf Rollen zu vergeben; Clever selbst übernahm die Regieanweisung. Texte und Personen waren schnell verteilt. Sogar einige Zuhörer blieben noch dabei.

Argan, ein Hypochonder, wie er im Buche steht, wähnt sich mit allen möglichen Krankheiten und Malessen geschlagen. Er ist für die Ärzte ein guter, weil eifrig Mittelchen und Behandlungen „benötigender“ Patient. Die Auflistung der Anwendungen, die ihm in letzter Zeit angedacht und berechnet worden sind, spricht für sich. In einem Selbstgespräch zum Auftakt des Stückes geht er die Rechnungen durch. Wen wundert es da, dass er seine Tochter Angélique mit einem Arzt verheiraten möchte? Diese liebt jedoch bereits einen anderen. Dienstmädchen Toinette weiß ihrem Herrn ob dessen aberwitzigen Heiratsansinnens so manches Mal Paroli zu bieten. Aber bis es soweit ist, und ob Argan einsichtig wird oder nicht, sind einige Seiten zu lesen.

Lesetheater: Auch ein Leser war unter den Teilnehmer – mit kräftiger Stimme sprach er einen Arzt. (Foto: GW)

 

Die Charaktere entwickeln sich
Was anfangs noch zögerlich über die Lippen kommt, nimmt im Laufe der Lesung zunehmend Gestalt an. Mehr und mehr zeichnet sich ab, welchen Charakter die einzelnen Personen im Stück haben. Peu à peu lesen die Teilnehmer nicht nur, nein, sie werden zu Argan, zu Toinette oder zum Arzt Diafoirus, der übrigens vom einzigen männlichen Gast gesprochen wurde. Gegen Ende nehmen die handelnden Personen nicht nur stimmlich mehr und mehr Gestalt an, sondern agieren auch in zunehmendem Maße selbst. Beim Pulsmessen wird der Arm vorgestreckt, ein plötzliches Aufspringen, bisher nur eine von Clevers gelesenen Regieanweisungen, wird auch tatsächlich ausgeführt. Selbst ein Lied wird munter geträllert.

Eine gelungene Veranstaltung, die Spaß gemacht hat – sowohl den Akteuren als auch den Zuschauern.
Ob es eine Fortsetzung, ein zweites Niederbachemer Lesetheater geben wird? Clever lacht und nickt. (GW)