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Alte historische Funde - neu gefundene Historie: Ausstellung „Die Franken in Niederbachem“

Franken-Ausstellung: (v.l.n.r.) Gisela Ingenhorst (VR-Bank), Arne Schmid (Fa. AABB) und Hans Thelen (HV Niederbachem). (Foto: GW) Wachtberg-Niederbachem – Schon die Römer besiedelten bevorzugt die sonnigen Hänge Niederbachems. So war es auch nicht überraschend, dass man im Sommer 2010 im Rahmen der Baugebietserschließung „Im Olligsiefen“ bei einer archäologischen Sachstandsermittlung auf römische Funde stieß. Das Gebiet wurde damals auf mögliche vorhandene Überreste archäologischen Interesses untersucht. Teile dieser Ausgrabungen sind jetzt in der VR-Bank in Niederbachem ausgestellt.

Franken-Ausstellung: Interessante Fundstücke zeigt die Ausstellung. (Foto: GW)
 

 

2012 - 6. Wachtberger Kulturwochen (Banner)

 

 

 

 

Eine kleine Sensation allerdings war der Fund von Resten einer karolingisch-ottonischen Siedlung (9. bis 11. Jahrhundert n. Chr.) in diesem Gebiet.


Bei der Ausstellungseröffnung im Rahmen der diesjährigen Wachtberger Kulturwochen am 21. August 2012 verwies dann auch Hans Thelen, Vorsitzender des Heimatvereins Niederbachem, auf die erste urkundliche Erwähnung Niederbachems (damals Bachheim) im 8. Jahrhundert. Der schriftliche Beleg stammt aus dem Jahre 798. Mit einem großen Jubiläumsfest beging Niederbachem 1998 sein 1200-jähriges Bestehen.

Kontinuierliche Besiedlung
Die im „Olligsiefen“ entdeckten steinernen Zeugnisse deuten auf eine durchgehende Besiedlung dieses Ortes, so Hans Thelen, und können möglicherweise als baulicher Beweis für das Niederbachemer Gründungsdatum im Jahr 798 interpretiert werden.

Franken-Ausstellung: Besonderer Fund – ein römischer Ziegel. (Foto: GW)Die geborgene römische Keramik lässt sich nach einer ersten Begutachtung in das 2. Jahrhundert n. Chr. datieren. Arne Schmid von der Firma AABB, Archäologische Ausgrabungen Bau- und Bodendenkmalpflege, hat die Ausgrabungen geleitet. Zur Vernissage erläuterte er den zahlreich erschienenen Bürgerinnen und Bürgern die Funde. Die Reste der römischen Bebauung können mit den bereits früher ausgegrabenen Befunden in unmittelbarer Nachbarschaft als Teile einer größeren Villenanlage (2. bis 4. Jahrhundert n. Chr.) interpretiert werden.

Nicht nur die Relikte der Römerzeit begeisterten die Archäologen, sondern vor allem auch die Reste der karolingisch-ottonischen Siedlung, von der fünf Gebäudegrundrisse zweifelsfrei festgestellt werden konnten. Neben vier Grubenhäusern wurde auch ein Gebäude mit Steinfundamenten entdeckt – ein für das Rheinland absolut ungewöhnlicher Fund. Der Nachweis eines Brunnens, eines Ofens, mehrerer Pflanzgräben und Gruben mit Siedlungsabfall lässt auf eine einst ausgedehnte fränkische Siedlung schließen.

Franken-Ausstellung: Zur Eröffnung gesellte sich sogar ein "echter Franke" unter die Gäste. (Foto: GW)
Intensive Bewirtschaftung
Das Fundmaterial besteht größtenteils aus Ziegeln, Scherben und Steinen aus der Zeit des 9. und 10. Jahrhunderts. Die hohe Befunddichte verweist auf eine im Mittelalter intensiv genutzte Fläche, auf der vermutlich auch Weinbau betrieben wurde. Jüngere Funde konnten im Rahmen der Grabung nicht geborgen werden, so dass dieser Hang nach dem 10. Jahrhundert höchstwahrscheinlich nicht mehr als Siedlungsplatz genutzt wurde.


Die Ausstellung ist noch bis Ende September 2012 zu sehen.
VR-Bank in Niederbachem, Konrad Adenauer Strasse, Wachtberg-Niederbachem
Öffnungszeiten: montags, donnerstags – 9.00 bis 12.30 Uhr und 14.00 bis 18.00 Uhr, dienstags – 9.30 bis 12.30 Uhr und 14.00 bis 16.00 Uhr, mittwochs – 9.00 bis 12.30 Uhr, freitags – 9.00 bis 14.30 Uhr.
(GW)