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Liebling oder auch ein Kosewort kann eine Stolperfalle sein - Offene Probe im Kellertheater Chateau Pech

Kellertheater Chateau Pech: Probenszene mit (v.l.n.r.) Sarah Möger, Raika Nicolai, Peter Meurer und Ingrid Borgrefe. (Foto: GW) Wachtberg-Pech – Dass das zwischen Liebenden so gerne ausgetauschte Kosewort „Liebling!“ auch ein Stolperstein sein kann, erlebten die Besucher der offenen Probe, zu dem das Kellertheater Chateau Pech im Rahmen der 6. Wachtberger Kulturwochen am 21. August 2012 eingeladen hatte.

 

 

2012 - 6. Wachtberger Kulturwochen (Banner)

 

 


Arthur Millers
1991 uraufgeführtes Stück „Talfahrt“ (original „The Ride Down Mount Morgan“) stand auf dem Programm. Die Hauptfigur aus Millers Stück, Lyman Felt, gespielt von Peter Meurer, wacht nach einem schweren Autounfall im Krankenhaus auf. Ein Unfall, der sein Leben verändern wird. Während Lyman gedanklich noch bei seiner Arbeit ist und nur schleppend begreift, was passiert ist und wo er sich befindet, wartet seine Familie, gespielt von Gundula Schroeder und Sarah Möger, um ihn bangend vor seinem Krankenzimmer. Selten nur bietet sich die Möglichkeit, einmal mitzuerleben, wie eine Szene so ausgestaltet wird, dass sie auf der Bühne überzeugend wirkt. Wie soll sich der kranke, einbandagierte Lyman im Bett drehen? Wie laut soll er reden, wenn er phantasiert und mit nicht vorhandenen Geschäftpartnern spricht? Nicht nur Mimik, Körperbeherrschung und Textsicherheit gehören dazu, sondern – und das zeigte sich in dem kleinen Theater besonders anschaulich – jede Kleinigkeit ist wichtig. Wo steht die Krankenschwester, gespielt von Ingrid Borgrefe, am besten? Wie nah soll die Schwesternschülerin, verkörpert von Raika Nicolai, seinem Gesicht kommen, wenn sie ihm an die Stirn fasst?

Ensemblearbeit
Gemeinsam erarbeitet das Ensemble die einzelnen Szenen, probiert, verwirft und versucht wieder Neues. Mal ist es eine Drehung, eine besondere Haltung, mal ist es die Lautstärke der Stimme und ein anderes Mal einfach nur das Wort “Liebling“, das dem Schauspieler angesichts der Häufigkeit nicht ganz so locker von den Lippen geht, wie es die Regie, geführt von Gundula Schroeder, vorsieht. In einer Rückblende versucht Lyman, seine Liebe Lea, dargestellt von Ursula Rocke, von einer folgenreichen Entscheidung abzuhalten. Dabei beendet er jeden Satz mit „Liebling“ … „Liebling“ … „Liebling“. Schließlich verliert Peter Meurer als Lyman selbst die Geduld, lacht, verdreht die Augen und stöhnt: „Immer nur Liebling, Liebling, Liebling!“

Neugierig geworden
Gelacht wurde viel, nicht nur auf Seiten der Darsteller, sondern auch auf der der zahlreich erschienenen Zuschauer. Neugierig waren die Besucher gekommen, wollten einen Einblick in den Werdegang eines Theaterstücks bekommen … und neugierig gingen sie nach Hause. Neugierig, weil sich neue Fragen stellten wie: Weshalb wird das im Ankündigungstext über das Stück genannte Leben des Lyman Felt sich nach dem Autounfall verändern, und in welches Lügengeflecht hat er sich derart verstrickt, dass nun alles droht zusammenzubrechen? Es bleibt spannend.

Im Oktober hat Arthur Millers Stück im Kellertheater Chateau Pech Premiere. (GW)