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Historische Genüsse in Wachtberg

Tag des Offenen Denkmals 2009: Margit Euler führte über den Töpferpfad. (Foto: Privat) Wachtberg - Zum Tag des Offenen Denkmals am 13. September bot die Gemeinde vier unterhaltsame Führungen an, bei denen die menschlichen Sinne in vielfältiger Weise in historischen, Wachtberg spezifischen Zusammenhängen angesprochen wurden.

 

Tag des Offenen Denkmals: Töpferei Corzelius. (Foto: GW)

 

 

 

 

 

Der Adendorfer Apfelsaft aus einem typischen Steinzeugbecher schmeckte allen vorzüglich. Gerne nahmen die Gäste zum Ausklang einer Führung über den Adendorfer Töpferpfad anlässlich des Tages des Offenen Denkmals die kleine Erfrischung aus der Hand des Töpfermeisters Norbert Corzelius entgegen.
 

Margit Euler, die den erst in diesem Frühjahr eröffneten Rundweg mit konzipiert hatte, hatte zuvor während eines Spaziergangs in und um Adendorf über die Geschichte der Töpferei informiert. Die Kunsthistorikerin erläuterte zum Beispiel die Verwendung des blau-grauen Steinzeugs im Haushalt und bei der Vorratshaltung. Fasziniert waren die Teilnehmer des Rundgangs vom Blick in die „Grube Erhard“, wo heute noch Ton gewonnen wird. Die riesige Lagestätte ist vor rund 20 Millionen Jahren entstanden. Schon seit 1743 ist das Töpferhandwerk in Adendorf lebendig, wie Euler erklärte. Heute gibt es dort noch eine Handvoll Töpfereien sowie eine Keramikfabrikation und einen Betrieb, der Lautsprecher aus Ton herstellt.

Tag des Offenen Denkmals: Burg Münchhausen. (Foto: GW)

 

Nur einen Katzensprung entfernt vom südlichen Ortsrand Adendorfs entfernt liegt Burg Münchhausen. Dort erzählte der Lokalhistoriker Frank Hüllen Wahres und Sagenhaftes aus der Geschichte der Burg, die nach den Mönchen des Klosters Prüm benannt worden ist. Die an der alten Krönungsstraße Frankfurt-Aachen gelegene Feste war nur für sehr kurze Zeit Adelssitz, ansonsten hatte die strategische Anlage im Mittelalter immer wechselnde anonyme Besatzungen.


Burg Münchhausen gehört seit längerem schon der Familie Nettekoven, die sich dort der Reiterei und der Pferdezucht verschrieben hat. Katharina Nettekoven stärkte die Besucher zum Ende der Führung noch mit einem Kräuterschnaps.

Burg Münchhausen war einer der bundesweit rund 7.500 Bauten, Parks und archäologischen Stätten, die unter dem Motto „Historische Orte des Genusses“ am diesjährigen Tag des Offenen Denkmals zu besichtigen waren. Die Gemeinde Wachtberg hatte als Untere Denkmalbehörde die vier Führungen in der Kommune organisiert. Tag des Offenen Denkmals: Glocke in der Fritzdorfer Kirche. (Foto: GW)

So hatte der Treppenbauerort Fritzdorf folglich nicht nur zur traditionellen Kleinkirmes, sondern auch zum historischen „Glockenbeiern“ eingeladen. Johannes Mombauer führte diese alte und nur noch selten betriebene Kunst in der Kirche St. Georg vor.

Tag des Offenen Denkmals: Beiern in der Fritzdorfer Kirche (01). (Foto: GW)

 

 

Zum Beiern werden die Kirchenglocken erst einmal in ihren Achsen arretiert. Die Klöppel zieht man ganz nah an den Glockenrand. Dort werden sie mit einem Seil festgebunden, dessen anderes Ende straff am Gebälk des Glockenstuhls befestigt wird. Tag des Offenen Denkmals: Beiern in der Fritzdorfer Kirche (02). (Foto: GW)

 

Durch Ziehen und Schlagen auf die Seile können nun die Glocken in schnellem Wechsel angeschlagen werden. So kann auch eine einfache Melodie gespielt werden.

Zuvor hatte Frank Hüllen noch die Geschichte des Beierns sowie die Technik dieses besonderen Hörgenusses erläutert, der früher zu den kirchlichen Hochfesten erklang.


 

 
Tag des Offenen Denkmals: Barbara Hausmanns wußte Interessantes über das Lnadhaus Kremmel in Villiprott zu erzählen. (Foto: GW)

 

Glockenspielartige Töne waren in Villiprott zum Abschluss des Denkmaltages nicht mehr zu hören. Eher spielten Motorengeräusche und Autos eine Rolle.

Barbara Hausmanns (Archiv der Gemeinde Wachtberg) stellte dort den interessierten Besuchern das heutige Speiselokal „Landhaus Kremmel“ vor, das vor rund 70 Jahren als Autobahnraststätte erbaut worden war.

Heute kaum noch vorstellbar, führte zu dieser Zeit die unfertige Trasse der unter Adolf Hitler geplanten Verbindung Köln-Trier durch die kleine Rodungssiedlung am Rande des Kottenforstes. Da seine Gastwirtschaft „Zur schlanken Eiche“ der Straße weichen sollte, entschloss sich deren Besitzer, Josef Schmitz, 1939 zum Bau einer Raststätte mit angeschlossener Schreinerwerkstatt. Schmitz brachte sein Projekt zu Ende, die Nationalsozialisten mussten ihre Autobahnpläne im Zweiten Weltkrieg aufgeben. Der heute 86-jährige Josef Schmitz junior so wie Gertrud Koch, beide aus Villiprott, steuerten äußerst lebendig eigene Erinnerungen zu Hausmanns` informativen Ausführungen bei. (GW)