zur Twitterseite der Gemeinde Wachtberg

Weißt Du noch? Wachtberger Politprominenz

40 Jahre Wachtberg: Pech in den 80er Jahren: Michail Gorbatschow in Begleitung seiner Ehefrau Raissa bei einem seiner Besuche ganz privat bei Hans-Dietrich Genscher in Pech. (Foto: Privat) Am 1. August 2009 feiert die Gemeinde Wachtberg ihren 40. Geburtstag. Viel ist passiert in den zurückliegenden vier Jahrzehnten und hieran soll im Jubiläumsjahr unter anderem die kleine Serie „Weißt Du noch?“ erinnern.

Wir begeben uns auf eine Zeitreise durch die letzten vierzig Jahre und greifen interessante Begebenheiten und besondere Ereignisse in unserer Gemeinde seit dem 1. August 1969 auf. Weißt Du noch?

Zum Glück gibt`s Pech
Vor mehr als dreißig Jahren erhielten die Pecher prominenten „Zuwachs“. Hans-Dietrich Genscher, damaliger Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, und seine Ehefrau Barbara zogen im Frühjahr 1977 nach Wachtberg an den Rand des Kottenforstes.

Mit ihnen kamen die Rund-um-die-Uhr-Bewacher des Bundesgrenzschutzes, da Hans-Dietrich Genscher zu dem Kreis der durch Terroristen am meisten gefährdeten Politiker gehörte. Viele Pecher erinnern sich noch an die besonderen Sicherheitsmaßnahmen wie den Wachtturm im Garten, der bald aber zum gewohnten Bild gehörte.

Der Umgang mit Bonner Politprominenz wurde zur Routine für die Einheimischen. Von 1977 bis 1983 wohnte zum Beispiel Helmut Kohl in Pech. Der spätere Bundeskanzler schätzte vermutlich wie Familie Genscher unter anderem den Standortvorteil des Wachtberger Dorfes. Die damalige Bundeshauptstadt Bonn war mit dem Wagen in wenigen Minuten zu erreichen. Andererseits war man in Pech weit genug weg vom politischen „Treibhaus“ am Rhein und konnte noch ein wenig dörfliche Idylle genießen. Die gefiel wohl auch Josef Ertl, dem Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, der für einige Jahre einen Pecher Wohnsitz hatte. Und auch mancher hoher Soldat fand den Weg nach Pech wie beispielsweise Johannes Steinhoff, der als Inspekteur der Luftwaffe und hoch dekorierter Flieger des Zweiten Weltkrieges zu seiner Zeit einer der bekanntesten Bundeswehroffiziere war. Steinhoff wohnte von 1974 an zwanzig Jahre lang in Pech.

40 Jahre Wachtberg: Pech in den 70er Jahren: Die St. Michael Kapelle in der Dorfmitte mit der Bäckerei Bohlen, die es heute als „Charlies Backstube“ immer noch gibt. (Foto: K. Hilberath)Wie in viele Dörfer der späteren Gemeinde Wachtberg waren bereits in den 50er und besonders 60er Jahren zahlreiche der in „BundesBonn“ beschäftigten Menschen auch nach Pech gezogen. Allerdings erlebte das kleine Straßendorf – es wurde später durch den Bau der L158 zerschnitten - einen besonders rasanten Zuzug. Während es 1950 nur 480 Pecher gab, waren es 1961 schon 1099. Kurz nach der Gemeindegründung im Jahr 1969 stieg die Zahl noch einmal um die Hälfte. Heute fühlen sich rund 2850 Menschen dort wohl.

Dies tun auch Barbara und Hans-Dietrich Genscher immer noch. Sie sind Pech und Wachtberg bis heute treu geblieben und vielfältig im Gemeindeleben präsent. So ist die Teilnahme am Pecher Karnevalszug Ehrensache genauso wie seit eh und je die Unterstützung der örtlichen Liberalen. 40 Jahre Wachtberg: Pech in den 70er Jahren: Eine Postkarte zeigt den EDEKA-Laden und daneben die Raiffeisenbank an der Pecher Hauptstraße mit (damals noch) wenigen Häusern. Und den Pechern haben sie ein Stück der großen politischen Welt beschert: welches Wachtberg-Dorf kann sich schon des Besuchs von Michail Gorbatschow oder James Baker rühmen, die ihrerseits zumindest einen kleinen Eindruck von einem charmanten Dorf in Deutschland mit seiner gelungenen Mischung von Einheimischen und Zugezogenen bekommen haben: mit hübschen Fachwerkhäusern und Kapelle an der Hauptstraße, einer evangelischen und einer katholischen Kirche in Blickweite an der selben Straße gelegen, einer idyllischen Hanglage mit Wiesen und den Ausläufern des Kottenforstes und einer kleinen, aber feinen Infrastruktur, zu der heute ein Bäcker, ein Metzger, ein Fischgeschäft, die Kneipe und manche andere Anbieter von Dienstleistungen und Produkten gehören. Zum Glück gibt´s eben Pech. (GW)