Weißt Du noch? - Kein Giftmüll in Adendorf … erfolgreicher Protest gegen die Sondermülldeponie

40 Jahre Gemeinde Wachtberg Am 1. August 2009 feiert die Gemeinde Wachtberg ihren 40. Geburtstag. Viel ist passiert in den zurückliegenden vier Jahrzehnten und hieran soll im Jubiläumsjahr unter anderem die kleine Serie „Weißt Du noch?“ erinnern. Wir begeben uns auf eine Zeitreise durch die letzten vierzig Jahre und greifen interessante Begebenheiten und besondere Ereignisse in unserer Gemeinde seit dem 1. August 1969 auf. Weißt Du noch?

Kein Giftmüll in Adendorf … erfolgreicher Protest gegen die Sondermülldeponie
Morgens um sieben war am 30. Januar 1986 für die Adendorfer die Welt gerade noch in Ordnung. Zu dieser frühen Stunde hatte nämlich eine Gruppe von Wachtberger Bürgern unter Führung der Adendorfer Ortsausschussvorsitzenden Ursula Perkams und des Wachtberger Bürgermeisters Joachim von Heymann einen Termin beim damaligen Minister für Umweltschutz, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Klaus Matthiesen.
Die Wachtberger waren in die Landeshauptstadt Düsseldorf gereist, um gegen eine geplante, riesige Giftmülldeponie auf der Fläche zwischen Adendorf und Fritzdorf zu protestieren. Während diese „Vorhut“ mit privaten PKWs den Weg zum Minister mühelos geschafft hatte, verfuhren sich die sechs Reisebusse mit den empörten Wachtberger Bürgern im Laufe des Vormittags und landeten am Düsseldorfer Flughafen. Unter dem Geleit freundlicher und vor allem hilfsbereiter Polizisten wurden die Demonstranten dann zum Düsseldorfer Landtag gelotst, wo schließlich knapp 400 Bürgerinnen und Bürger eindrucksvoll gegen die Deponie Stellung bezogen.

Adendorf: Fast 400 Wachtberginnen und Wachtberger protestierten am 30.01.1986 in Düsseldorf gegen die geplante Deponie. (Foto: U. Perkams)

Adendorf: Federführend für die erfolgreiche Protestaktion war die Adendorfer Ortsausschussvorsitzende Ursula Perkams. (Foto: U. Perkams)Die wohl größte Wachtberger Protestaktion und die unter der Federführung von Uschi Perkams sorgfältig, stichhaltig und überzeugend aufgebaute Argumentationslinie waren schließlich erfolgreich: die von der Kölner Bezirksregierung geplante Müllkippe wurde aufgrund der massiven Kritik und des massenhaften bürgerschaftlichen Engagements nicht gebaut.

Geplant gewesen war damals eine so genannte Hochdeponie auf einer Fläche von circa 60 Hektar. Mindestens 300.000 Tonnen Giftmüll sollten jährlich dorthin entsorgt werden; und das für eine Dauer von 20 Jahren. Den Ort Adendorf, der seit Jahrhunderten vom Töpferhandwerk lebt, hatte man ausgerechnet wegen der tonhaltigen Böden als vermeintlich idealen Standort auserkoren. Die Tonschicht sollte garantieren, dass der Giftmüll nicht ins Grundwasser durchsickern konnte.

Aus der Protestbewegung bildete sich die „Aktionsgemeinschaft für den Schutz der Landschaft in Wachtberg und Umgebung“, zu deren Gründung sich am 5.12.1985 über 600 Menschen - vorwiegend aus den betroffenen Orten Adendorf, Fritzdorf, Arzdorf und Eckendorf (Gemeinde Grafschaft) - in der Schützenhalle des Töpferortes zusammenfanden. Diese große Bürgerinitiative etablierte sich im darauf folgenden Jahr als eingetragener Verein. Er wird bis heute von Ursula Perkams, die seit 1999 auch erste stellvertretende Bürgermeisterin Wachtbergs ist, als Vorsitzende geführt und kümmert sich aktiv um den Ort, seine Natur und seine Geschichte. (GW)