"Weißt Du noch?" - Folge 1

40 Jahre Gemeinde Wachtberg Am 1. August 2009 feiert die Gemeinde Wachtberg ihren 40. Geburtstag. Viel ist passiert in den zurückliegenden vier Jahrzehnten und hieran soll im Jubiläumsjahr unter anderem die kleine Serie "Weißt Du noch?" erinnern. Monatlich begeben wir uns auf eine Zeitreise durch die letzten vierzig Jahre und greifen interessante Begebenheiten und besondere Ereignisse in unserer Gemeinde seit dem 1. August 1969 auf. "Weißt Du noch?"

Preußische Klinker und der Chic der 70er in Berkum - das Rathaus

Mit Wehmut wird mancher Wachtberger am 10. Juli 1978 Bagger und Abrissbirne beobachtet haben, die das alte Rathaus in Berkum in Schutt und Staub legten. Preußisch, praktisch, schlicht – so kannten die Bewohner der ehemaligen Bürgermeisterei Villip seit langem ihr „Ambt“ in Berkum.

40 Jahre Wachtberg: Abriss des alten Rathauses 1978. (Foto: Archiv GW)Das Rathaus war 1873 zwei Jahre nach der Gründung des Deutschen Reichs entstanden: im damals für viele offiziellen Gebäude typischen „Outfit“ der preußischen Staatsverwaltung als geklinkerter Zweckbau. Als erster Chef der Bürgermeisterei Villip hatte der aus Berkum stammende Carl Wilhelm Steinhauer seinen Amtssitz – noch ohne ein offizielles Verwaltungsgebäude - in seinen Geburtsort verlegt. Sein Nachfolger Peter Joseph Kurth, der aus Poppelsdorf kam, tat es ihm nach und zog nach Berkum. Kurth war ein Macher und schaffte es gegen den Widerstand der Ortshonoratioren der Bürgermeisterei Villip als einer der ersten überhaupt ein eigenes Rathaus mit Dienstwohnung zu bauen. Tatkräftig unterstützt wurde er übrigens von seinem ersten Beigeordneten, dem Berkumer Gutsbesitzer Heinrich Joseph Limbach. Der spätere Gründer der Limbachstiftung stellte nämlich ein preisgünstiges Grundstück zur Verfügung und kämpfte mit Kurth gegen seine Kritiker. Schließlich wurde im Sommer 1871 der Poppelsdorfer Mauermeister Johann Natter mit dem Rathausbau an der Essig-Mehlemer Bezirkstraße in Berkums bester Citylage betraut. Zwei Jahre später schon stand den Bewohnern des Ländchens werktags von 8-12 bzw. 14-19 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 9-11 Uhr das neue Gebäude offen.
So wie damals wird Bürgerfreundlichkeit auch 2009 im Berkumer Rathaus immer noch groß geschrieben, auch wenn an Sonn- und Feiertagen inzwischen geschlossen ist.
Wacker überstand der preußische Zweckbau dann den Ersten und den Zweiten Weltkrieg sowie auch noch die Kommunalreform von 1969. Doch mit dem personellen Zuwachs als Folge der neu gebildeten Gemeinde Wachtberg platzte er aus allen Nähten. Schon in den 60er Jahren hatte man im gegenüberliegenden Pastorat eine Dependance des Rathauses eingerichtet, 1970 wurden weitere Räume für die Verwaltung in der Limbachstraße 5 angemietet. Aber schon bald hatte der junge Wachtberger Gemeinderat ein Einsehen und beschloss den Bau eines neuen Rathauses mit mehr Platz.

Am 2. Mai 1975 schließlich konnte Gemeindedirektor Josef Schmidt mit seiner Mannschaft in den modernen Zweckbau gegenüber dem alten Rathaus einziehen. 40 Jahre Wachtberg: Weißt Du noch? Altes und neues Rathaus – eine Zeit lang standen sie sich gegenüber. (Foto: Archiv GW) Und die Arbeit ging an diesem Freitag reibungslos weiter – gleich am Morgen gab es schon zwei Trauungen. Ohne Kreditaufnahme finanziert war der Berkumer Verwaltungssitz übrigens das preiswerteste unter allen neuen Rathäusern in Nordrhein-Westfalen. Heute erinnert nur noch das preußische Wappen von der Fassade im neuen Rathaus an das alte preußische Amtsgebäude. Und nach mehr als dreißig Jahren ist auch das neue „Ambt“ eigentlich auch schon wieder zu klein für die wachsenden Aufgaben einer modernen Kommunalverwaltung. (GW)