Gebeine, Gemäuer und Gestein

Tag des Offenen Denkmals 2008: Baronin von Loe erklärt den interessierten Besuchern das Bauwerk der Burg Adendorf. (Foto: GW) Wachtberg - Außerordentlich groß war das Interesse am diesjährigen Tag des „Offenen Denkmals“ in Wachtberg. Das Gruftgewölbe der Burggrafen von Drachenfels unter der Villiper Kirche, Burg Adendorf sowie der Domsteinbruch in Berkum konnten zu diesem Anlass besichtigt werden. Organisiert wurde dieser bundesweit von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unter dem Motto „Vergangenheit aufgedeckt – Archäologie und Bauforschung“ ausgerufene Tag durch die Gemeinde Wachtberg als Untere Denkmalbehörde.

In der Villiper Pfarrkirche St. Simon und Judas Thaddäus trafen sich Frank Hüllen und Wilfried Breuer mit vielen Zuhörern, die mehr über das Gotteshaus wissen wollten. In der voll besetzten Kirche, die sich heute im Innenraum in barocker Gestaltung zeigt, berichtete Hüllen von ihrer über tausend jährigen Vergangenheit. Kenntnisreich erläuterte er die Baugeschichte, deren ältestes sichtbares Zeugnis heute der spätgotische Chor des 15. Jahrhunderts ist.
Tag des Offenen Denkmals 2008: Frank Hüllen und Wilfried Breuer konnten in der voll besetzten Kirche vieles über die Geschichte der Villiper Kirche erzählen. (Foto: GW)

 

 

Mit wohligem Grausen folgten die Gäste anschließend dem Vortrag des Holzemers Wilfried Breuer. Der war mit mehreren jungen Leuten und dem damaligen Pfarrer Leonhard Bleikerz 1968 an den Ausschachtungsarbeiten für die Einrichtung einer Heizungsanlage in der Kirche beteiligt gewesen. Dabei wurde er Zeuge, wie die Gruft der Familien Waldbott-Bassenheim und von der Vorst-Lombeck (ehemalige Herren der Burg Gudenau) freigelegt wurde. Eindrucksvoll schilderte Breuer den Anblick der verfallenen Särge mit den sterblichen Überresten der Gudenauer Grafen aus der Zeit vor 1802. Da die Grablege seitdem nicht mehr zugänglich ist und nur einige schwarz-weiß Fotos gezeigt werden konnten, waren die Schilderungen des Zeitzeugen besonders spannend.


Etliche Besucher auf Burg Adendorf nutzten die Gelegenheit, von der Burgherrin persönlich Interessantes über ihr Anwesen zu erfahren. Gabriela Baronin von Loё führte die Gäste durch die Geschichte des 1337 erstmals urkundlich erwähnten Wasserschlosses. Anschaulich erklärte sie die großen Umbauten des 16. Jahrhunderts und beschrieb die bis heute fast unveränderte äußere Gestalt von Burg Adendorf. Vieles wusste sie auch über die Familie von der Leyen zu berichten, die über Jahrhunderte die Geschicke des Schlosses bestimmte. So gingen aus diesem Geschlecht zum Beispiel Erzbischöfe von Mainz und Trier hervor. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts besitzt Familie von Loё Burg Adendorf mit dem wunderschönen Renaissance-Innenhof. Sie bemüht sich seitdem um die authentische Erhaltung des Schlosses, das im vergangenen Jahr aufwendig restauriert und gestrichen wurde. Über die Renovierungsarbeiten mit umfangreichen Farbproben wusste Baronin von Loё ausführlich zu berichten, so dass viele Fragen der anwesenden Besucher beantwortet werden konnten.

Tag des Offenen Denkmals 2008: Zahlreiche Besucher lauschen den Geschichten von Dr. Barbara Hausmanns rund um den Domsteinbruch. (Foto: GW)Abgeschlossen wurde das Wachtberger Programm zum Tag des Offenen Denkmals mit einer Besichtigung des so genannten Domsteinbruchs am Hohenberg in Berkum. Gemeinsam mit dem Eigentümer Edmund Jung führte die Historikerin Dr. Barbara Hausmanns (Gemeindearchiv Wachtberg) rund 130 Menschen über das historische Gelände. Während Hausmanns die Nutzung des Bruchs im 19. Jahrhunderts für den Weiterbau des Kölner Doms erläuterte, berichtete Jung von der Renovierung des historischen Steinmetzhauses aus dem 17. Jahrhundert. Anschließend traf sich die große Besuchergruppe im Rund des wild-romantischen Steinbruchs. Hier erzählte die Historikerin launig von ruhelosen Geistern verstorbener Steinmetze sowie den schweren Arbeitsbedingungen der Steinbrucharbeiter. Sie entwarf ein anschauliches Bild von 2000 Jahren Handwerks- und Technikgeschichte. Schon die Römer hatten am Hohenberg Trachyt abgebaut und ihn zum Straßen- und Hausbau verwendet. Über die Jahrhunderte wurde bis in die 1920er Jahre Berkumer Trachyt an den Kirchen, Kreuzen und Häusern der Umgebung verbaut. (GW)