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Das Kellertheater Chateau Pech wird 20 Jahre

Kellertheater Chateau Pech: Der Revisor … mit (v.l.n.r.) Dieter Kompalik als Kellner, Gerrit Browser-Jung als Diener Ossip und Johnny H. Younès als Chlestakow. (Szenenfoto: Kellertheater Chateau Pech) Wachtberg-Pech - In dieser Zeit hat Gundula Schroeder 32 Stücke inszeniert, von denen jedes circa 15 Mal in dem mit knapp 50 Plätzen ausgestatteten gemütlichen in der Doppelgarage ihres Wohnhauses in Wachtberg-Pech untergebrachten Theaters zur Aufführung kam.

Gundula Schroeder ist ausgebildete Schauspielerin. Sie hat zunächst an den Städtischen Bühnen Flensburg und dann am Heidelberger Zimmertheater gespielt. 1970 zog sie mit ihrer Familie nach Pech, spielte an verschiedenen Theatern in Bonn und Köln und gründete 1998 zusammen mit ihrem Mann Traugott Scholz das Kellertheater Chateau Pech. Für den Physiker Traugott Scholz begann damit eine späte Schauspielerkarriere. Viele Jahre war er in großen Rollen auf der Bühne zu sehen und trägt auch weiter alle Theaterprojekte aktiv mit. Das Ensemble besteht ausnahmslos aus Laiendarstellern, die Gundula Schroeder immer wieder zu erstaunlichen Leistungen auf der kleinen Bühne befähigt.

Die Faszination dieses Theaters liegt in der unmittelbaren Nähe zu dem Geschehen auf der Bühne, in der Auswahl der Stücke, die, obwohl anspruchsvoll, ein breites Publikum ansprechen, und in den autorengerechten Inszenierungen. Regietheater findet nicht statt. Zu bewundern ist, wie sich die Laiendarsteller (das Wort soll ausdrücken, dass es sich nicht um Berufsschauspieler handelt) Rollen anverwandeln, die ihnen im wirklichen Leben meist völlig fremd sind. Vor allem aber fasziniert, wie es Gundula Schroeder immer wieder gelingt, aus Laien überzeugende Schauspieler zu machen. Es gab Inszenierungen, da hat man Mitglieder des Ensembles nicht wiedererkannt, so sehr waren sie mit ihrer Rolle eins geworden.

Man darf wohl sagen, die nun schon 20jährige Erfolgsgeschichte dieses Theaters liegt in eben jener Fähigkeit der Prinzipalin begründet. Sie ist nicht nur selbst eine ausdrucksstarke, wandlungsfähige Schauspielerin – sie ist auch eine erfolgreiche Theaterpädagogin, d.h. eine hervorragende Regisseurin. Möge dieses Theater noch lange die kulturelle Landschaft unserer Gemeinde bereichern.

Zum Jubiläum: „Der Revisor“ von Gogol

Das Stück zum Jubiläum, die Komödie „Der Revisor“ von Nikolai Gogol, entstand 1835. Der Autor sagt dazu: „Im Revisor beschloss ich, alles Schlechte, das ich nur kannte, zusammenzutragen und mit einem Schlag dem Gelächter preiszugeben.“

Wir sehen ein russisches Provinzstädtchen, in dem jeder korrupt ist. Geldgier ist der alleinige Antrieb. Geldgier verdrängt jede andere moralisch ethische Regung und lässt soziale Impulse rigoros scheitern. Die Ankündigung eines inkognito reisenden Revisors stellt eine Bedrohung für jeden einzelnen dar. Gogol zeichnet ein differenziertes Bild, wie die Protagonisten mit ihrer Gier und ihrer Angst umgehen. Die Früchte dieses Verhaltens erntet ein junger Habenichts, der sich zufällig im Ort aufhält.

Johnny H. Younès überzeugt als Chlestakow. Mit jugendlichem Charme macht er das Beste aus dem, was ihm da buchstäblich aufgedrängt wird – und gewinnt sofort alle Sympathien nicht nur auf der Bühne, sondern auch bei den Zuschauern. Sicher, auch er lügt, aber er hat nichts von der durchtriebenen Gier der anderen – er ist der amüsierte Nutznießer der Situation.

Das komische Element vertritt Ursula Rocke wandlungsfähig und überzeugend. Sie hat drei kleine aber feine Rollen - als steifer, obrigkeitshöriger russischer Polizist – als neugierige Posthalterin – und als lamentierende Schlossersfrau.

Gundula Schroeder selbst zeigt eine hübsche Studie einer exaltierten, alternden Honoratiorin, die sich nur allzu gerne von dem jungen „Revisor“ verführen ließe – nicht merkend, dass sie sich als Rivalin ihrer eigenen Tochter damit lächerlich macht.

Schön, als Tochter Sarah Möger, dieses junge Gesicht mit dem ausdrucksvollen Mienenspiel, wiederzusehen!

Den Stadthauptmann gibt in doppelbödiger Manier Peter Meurer – ein so integer wirkender Mann kann doch gar nicht korrupt sein – ODER ?

Daneben sah man fein herausgearbeitet all die vom Milieu geprägten Typen einer solchen Kleinstadt in einer beeindruckenden Ensembleleistung.

Und der Zeitbezug ist doch wohl offensichtlich! (Ilse Fuß)

 

Weitere Aufführungstermine - jeweils 19.00 Uhr:
11. / 14. / 17. / 18. / 21. / 23. / 24. / 27. / 28. November 2018.
Reservierungen erbeten unter 0228-32595102.