Gemeinde Wachtberg

Schulentwicklungsplanung - Chancen an der Hans-Dietrich-Genscher-Schule

Hans-Dietrich-Genscher-Schule (Foto: Gemeinde Wachtberg/mm) Wachtberg-Berkum - Quer durch alle Fraktionen wird momentan der Schulentwicklungsplan diskutiert. Wir als Schule möchten auch gerne Stellung beziehen und zwar aus der Sicht unserer Schülerinnen und Schüler und unserer Kolleginnen und Kollegen.

Was mögen die Schülerinnen und Schüler, wie lassen sie sich am besten motivieren, wo können sie ihre Stärken entdecken? Meist dort, wo sie sich bewegen können, wo sie singen und tanzen können, wo sie echtes Essen kochen können, wo sie experimentieren und bauen können, wo ein fertiges Produkt entsteht. Hier haben wir gute Grundlagen, die wir ausbauen sollten. Hier können Kinder ihre Fähigkeiten entdecken und Fertigkeiten weiterentwickeln.

Die Möglichkeiten der Individualisierung von Lernprozessen in kleinen Lerngruppen, die natürlich nie homogen, aber dennoch homogener als in einer großen Klasse mit vielen unterschiedlichen Leistungsstufen sind, sollten wir uns bewahren. So gelingt es, den Unterrichtsinhalt an die unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten anzupassen und die Schülerinnen und Schüler in einer Art und Weise anzusprechen, die ihrem persönlichen Fortschritt und ihren Leistungen entspricht. Eine äußere Differenzierung in unseren Profilklassen ermöglicht das.

Mehr denn je braucht unsere Gesellschaft erfolgreiche Handwerker. Im vorangegangenen Jahr meldete die IHK Bonn/Rhein-Sieg „3.511 offene Ausbildungsplätze. Davon konnten nur 2.931 besetzt werden“ (Jetzt Personal entwickeln! Fachkräfte sichern, http://www.ihk-bonn.de ). Vielleicht sind es Prestigegründe, die dazu führen, dass sich sehr viele junge Erwachsene für ein Studium und gegen eine Berufsausbildung entscheiden - trotz teilweise wesentlich schlechterer Jobaussichten. Dieser Trend wiederholt sich jährlich im Kampf um die Schulformempfehlungen. Seit Jahren erleben wir einen stetigen „Run“ auf die Gymnasien oder Gesamtschulen. Andere Schulformen sind nicht „en vogue“ oder entsprechen nicht dem politischen Zeitgeist. Dennoch gibt es sie noch. Und dennoch leisten einige hervorragende Arbeit. Für die Kinder in den Basisklassen bedeutet dies ausgezeichnete Aussichten auf einen Ausbildungsvertrag. Die Kinder in unseren Erweiterungsklassen haben alle Chancen, den Weg bis zur Fachhochschulreife oder Hochschulreife zu gehen. Auch die externe Qualitätsanalyse (QA) des Landes NRW zeigt, dass wir uns nicht hinter Gesamtschulsystemen verstecken müssen.

Wir sollten uns auf unsere Stärken besinnen und diese ausbauen. Hierbei wird insbesondere die „Qualität von Unterricht und die äußere Differenzierung (Profilklassen) mit einer Durchlässigkeit nach oben“ hervorgehoben. Weitere Säulen unserer Schule sind darüber hinaus „die hohe Identifikation mit dieser Schule, das soziale Klima und die gemeinsame Verantwortung für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler sowie die vorbildliche Berufswahlorientierung“ (siehe Bericht der Qualitätsanalyse auf: www.hdg-schule.de ). Wenn wir alle parteipolitischen Erwägungen einmal auf Seite lassen und uns anschauen, was viele Schülerinnen und Schüler brauchen und was von den Eltern geschätzt wird, dann sehen wir hier ein kleines System mit klaren Strukturen, mit der langen Bindung an einen Klassenlehrer, mit erfahrenen und motivierten Kolleginnen und Kollegen. Dies bestätigt auch die Außensicht von erfahrenen Qualitätsprüfern, die täglich Schulen analysieren: „Die vielen positiven Wertungen im Qualitätsprofil zeigen, dass es in Zukunft für die Schule nicht um das Begehen neuer Wege geht, sondern darum, die vorhandenen pädagogischen Ansätze zu halten, weiter qualitativ auszubauen und zu sichern. (...) Die vorhandenen fachlichen Kompetenzen vieler Lehrkräfte bilden eine stabile Grundlage zur Weiterentwicklung der Schule.“

Wir müssen diese Stärken bewahren und ausbauen, das ist unser Auftrag. Wir bitten darum, dass alle diejenigen, die an unserer Gemeinde interessiert sind, diesen Auftrag ernst nehmen und uns unterstützen. Wenn uns unflexible und eingeschränkte Möglichkeiten vorgeworfen werden, fragen wir uns, insbesondere im Blick auf unsere gut funktionierenden und leistungsstarken Erweiterungsklassen, in denen ab der fünften Klasse auf Realschulniveau unterrichtet wird, welche Einschränkungen gemeint sind? Ist es nicht besser, wenn die Kinder sechs Jahre ihrer Schulzeit hier verbringen können und ihnen anschließend mit einem Realschulabschluss mit Qualifikation alle Türen offen stehen? Was wären die Alternativen? Benötigen wir wirklich noch eine Gesamtschule bzw. die Außenstelle einer bestehenden Gesamtschule – mit Pendelverkehr zwischen zwei Schulen? Eine eigenständige Gesamtschule ist jedenfalls nur ein Scheinweg. Entsprechende Anmeldezahlen werden selbst nach einem Bürgerbegehren und dem ausdrücklichen Wunsch der Elternschaft selten erreicht. Die Folge: Schließung der einzigen weiterführenden Schule in Wachtberg und eine Verschlechterung der Standortfaktoren für unsere Gemeinde. Lassen Sie das nicht zu. Lassen Sie uns gemeinsam die Möglichkeiten unseres Systems bewahren und ausbauen. (Hans-Dietrich-Genscher-Schule)