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Eine etwas andere „Deutschstunde“

Vorlesetag in der Kita Fritzdorf: Neugier weckten bei den kleinen Zuhörerinnen und Zuhörer auch die diversen Mitbringsel der Vorlesepatin. (Foto: Privat) Wachtberg - Nicht jeden Tag gibt es am Ende einer Unterrichtsstunde Applaus von den Schülerinnen und Schülern in Wachtbergs Schulen.

Nicht nach jeder Stunde gibt es dazu dann auch noch ein kleines Präsent für die nette, unbekannte „Lehrkraft“. Aber auch nicht jeden Tag kommen über 30 Wachtberger Bürgerinnen und Bürger in einen Klassenraum oder eine Kita, um aus ihren Lieblingsbüchern vorzulesen.

Nein, all das geschieht nur einmal im Jahr, nämlich nur am „Wachtberger Vorlesetag“, der diesmal auf Wunsch von einigen Einrichtungen sogar an zwei Tagen in der ersten Maiwoche stattfand. Denn dann machen sich jung gebliebene Erwachsene und älter gewordene Kinder auf den Weg in Kitas und Schulen, um dem Wachtberger Nachwuchs Freude am Lesen und gleichzeitig auch am Vorlesen näher zu bringen, um ihrem jungen Publikum dabei nicht nur sich selbst und ihren Werdegang, sondern auch Bücher und Autoren vorzustellen und noch so manch anderes Wissenswerte zu vermitteln.

Vorlesetag in der Grundschule Adendorf: Vorlesepate und Alt-Bürgermeister Hans-Jürgen Döring … umringt von den jungen Zuhörerinnen und Zuhörern. (Foto: Privat)

Wachtberger Vorlesetag – eine Institution

Dieser Wachtberger Vorlesetag ist inzwischen schon zu einer beliebten Institution geworden, fest verankert im Jahresrhythmus vieler Wachtberger Einrichtungen. Denn da kann es zur Überraschung aller sein, dass auf einmal die leibhaftige Bürgermeisterin vor der Klasse steht und ein spannendes Buch vorliest, um dann mit den Jugendlichen darüber ins Gespräch zu kommen. Oder der Parteivorsitzende, den man bestenfalls von Wahlplakaten oder Zeitungsfotos kennt, offenbart seine Vorliebe für Pippi Langstrumpf. Oder die noch unbekannte Jugendbuchautorin stellt ihre eigenen Bücher vor und erzählt, wie und wann und weshalb sie überhaupt zum Schreiben gekommen ist, und bringt dann noch interessantes und ungewöhnliches Anschauungsmaterial wie Kokosnüsse und Meißel und ausgestopfte Vögel mit. Oder ein echter unechter Clown liest nicht nur vor, sondern lässt die Kinder in der Folge die Geschichte selbstständig weiterentwickeln. Oder im Gepäck einer Vorlesepatin stecken über hundert Jahre alte Bücher, zum Staunen und Anfassen, und zu allem Überfluss beschenkt sie die Kitakinder dann noch mit Illustrationen und lässt ihr selbstgeschriebenes Kinderbuch über einen modernen, vorzeitlichen Drachen als Geschenk zurück.

Pure Begeisterung allerseits
Begeistert waren aber nicht nur die Kinder und Jugendlichen, begeistert waren vor allem auch die VorlesepatInnen, von denen einige in diesem Jahr zum ersten Male zum Zuge kamen und ihr Lampenfieber bei der Premiere überwinden mussten. Es machte ihnen einfach Spaß, vor gespannt und aufmerksam lauschenden Kindern aufzutreten, ihnen über diese Lesung auch mitzuteilen, was sie damals im selben Alter gelesen haben, um dann festzustellen: Ups! Die Kinder von heute lesen ja immer noch Erich Kästners „Pünktchen und Anton“ oder Astrid Lindgrens „Der Drache mit den roten Augen“ oder den „Herr der Diebe“ von Cornelia Funke. Aber es wurden vielleicht auch unbekanntere Bücher von bekannten Autoren vorgestellt wie „Der Tag, an dem Tante Marga verschwand“ von niemand Geringerem als Paul Maar, der ja im vorletzten Jahr - im Rahmen von Käpt’n Book - den neuesten Sams-Roman in dem vollbesetzten Saal der Burg Adendorf „live“ gelesen hatte.Vorlesetag in der Kita „Drachenhöhle“  in Niederbachem: Rainer Kreuz verzauberte nicht nur als Vorlespate sondern auch als Clown die Kids. (Foto: Privat)

Und dann sitzen sie anschließend zusammen mit den Erzieherinnen in der Kita oder im Lehrerzimmer mit den Lehrerinnen, bei Kaffee und leckeren Plätzchen, die zahlreichen VorlesepatInnen, und tauschen sich aus über „ihre etwas andere Unterrichtsstunde“ von eben und sind begeistert über die begeisterten Kinder, sind zudem einfach stolz und froh, an diesem wunderbaren Projekttag teilgenommen, somit einen kleinen, aber nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Leseförderung geleistet zu haben. Und da macht es überhaupt nichts aus, wenn man sich mal versprochen oder vielleicht eine Passage zu schnell gelesen oder nicht die Pausen lange genug gesetzt hatte. Die Geste ist entscheidend! Und genau das spüren die Kinder!

Dank an alle Beteiligten
Und der Büchereiverbund Wachtberg dankt auch an dieser Stelle nochmals den teilnehmenden Einrichtungen, aber vor allem den VorlesepatInnen für ihren so wichtigen Einsatz. Diese zeigen damit den Kindern und Jugendlichen, dass man sich hier in Wachtberg für sie interessiert und engagiert, sich um sie kümmert, dass es einfach eine wahre Freude war und ist und immer wieder sein kann, sich einfach ein Buch zu nehmen … und zu lesen … und auch vorzulesen! Ach so, und genaues Zuhören lernt man dabei übrigens auch! Und vielleicht lesen dann die Kinder abends einmal selbst ihren Eltern oder Geschwistern, die dann auch bitte genau zuhören, aus einem Buch vor, das ihnen der Vorlesepate am „Wachtberger Vorlesetag“ mitgebracht hatte. Sie wissen ja jetzt, wie es geht! (Büchereiverbund Wachtberg, Dieter Dresen)