zur Twitterseite der Gemeinde Wachtberg

Ein Weltstar kommt nach Deutschland und fährt auf einer Autobahn … mit ungeahnten Folgen

Susanne Fuß Wachtberg-Berkum - Die Niederbachemer Autorin Susanne Fuß liest am Mittwoch, 25. Januar um 19.30 Uhr in der „Marktscheune“ in Berkum aus ihrem Erstlingsroman „Driving Phil Clune“ vor. Man stelle sich vor: Tom Hanks kommt nach Deutschland! Man stelle sich vor: Tom Hanks fährt eigenhändig Auto auf deutschen Autobahnen … und lernt somit das Land des unbegrenzten Tempolimits kennen! Und lieben!

Man stelle sich vor: Tom Hanks berichtet in einer Late-Show vor einem amerikanischen Millionenpublikum von dieser sensationellen Erfahrung und zufällig … nimmt eine bisher weitgehend unbekannte Autorin aus Wachtberg diese Ausgangssituation, um einen ungemein humorvollen Roman mit irrwitzigen Dialogen und mitreißender Situationskomik zu schreiben.

Denn der Gegenspieler ihres Protagonisten, der im Roman natürlich nicht - aus justitiablen Gründen - Tom Hanks heißen darf, sondern „nur“ Phil Clune, ist ein ganz gewöhnlicher, frustrierter Berliner Taxichauffeur mit Kodderschnauze, dessen sehnlichster Wunsch es ist, einmal in seinem Leben einen Weltstar vom „Adlon“ zu den Filmstudios nach Babelsberg zu kutschieren und der zu allem Überdruss noch seine demenzkranke Mutter pflegen muss, bis dann eines Tages tatsächlich nicht nur der Weltstar Phil Clune nach Berlin kommt, sondern auch sein aus der Psychiatrie entlassener Bruder. Lachsalven vorprogrammiert. Mehr soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden. Nur soweit: Weitere Informationen zur Lesung finden sich im Interview mit der Autorin, das auf der Homepage der Gemeinde Wachtberg eingestellt ist.

In den letzten Jahren lasen auf Einladung des Büchereiverbundes Wachtberg zahlreiche Autorinnen und Autoren aus Wachtberg und der Region im Ließemer „Kulturzentrum Köllenhof“ aus ihren jeweiligen Büchern vor. Sie erhielten dadurch die wunderbare Gelegenheit, mit ihrem lokalen Lesepublikum aus Wachtberg unmittelbar in Kontakt zu treten und sich „live“ auszutauschen. Hier gab es dann höchst interessante Begegnungen mit Autor und Werk und im Anschluss oftmals lebhafte Diskussionen. Im vergangenen Jahr wechselte nun diese Vorlesereihe des Büchereiverbundes von Ließem in die Marktscheune nach Berkum. Hier lasen dann im Rahmen der „Literarischen Marktscheune“ bisher der Berkumer Krimiautor und Initiator der „Wachtberger Kugel“ Herbert Reichelt, die Pecher Schriftstellerin Beate Fuhrmann und der bekannte Niederbachemer Heimatforscher Dr. Walter Töpner aus ihren aktuellen Werken.

Der Büchereiverbund Wachtberg ist sehr daran interessiert, diese Vorlesereihe fortzusetzen. Die nächsten Termine stehen an. Weitere Interessenten mögen sich bitte melden. (Büchereiverbund Wachtberg, Dieter Dresen)

Interview

Das Interview mit Frau Fuß führte Dieter Dresen, Leiter des Büchereiverbundes Wachtberg:

Dieter Dresen: Selbst bei der zweiten Lektüre Ihres Romans „Driving Phil Clune“ habe ich bei einem Krimi selten so gelacht. Wie sind Sie auf diesen ungemein gewagten, aber auch urkomischen „Plot“, den wir hier nicht verraten, gekommen?

Susanne Fuß: Ausgangspunkt war ein Interview mit Tom Hanks in der Late-Show von David Letterman, das ich als Clip auf YouTube gesehen hatte. Tom Hanks erzählte dabei von seinen Erfahrungen auf der „German Autobahn“ überzogen ironisch, aber auch treffend. Er wäre sogar selbst mit unglaublichen 130 km/h über die Autobahn gerast. In den Kommentaren zu dem Videoclip äußerten sich meist Deutsche, die sich über Hanks Geschwindigkeitsempfinden lächerlich machten. Aus so manchem Kommentar spürte man die Genugtuung darüber, einem US-Weltstar  etwas voraus zu haben, und sei es nur die Möglichkeit schneller Auto fahren zu können. Ich konnte mir durchaus vorstellen, wie der eine oder andere Kommentator davon träumte, den Star mal in seinem Wagen zu fahren, um ihn zu zeigen, wo hier tempomäßig der Hammer hängt. Der Schritt hin zu dem gehemmten Taxifahrer, der davon träumt, einmal etwas Glanz und Glamour in sein Leben zu bringen, indem er einen Prominenten chauffiert, war dann nicht mehr weit.

D.D.: Kann man Ihren Roman überhaupt einen „Krimi“ nennen? Ich tu mich da schwer. Wie würden Sie selbst ihn denn bezeichnen?

S.F.: Komödie, Krimi passt nicht wirklich, es gibt ja noch nicht einmal eine Leiche. Krimis sind auch nicht mein Genre. Seltsamerweise ist die Komödie als Literaturgattung eigentlich nur im Bereich des Dramas/Films etabliert. Die Abteilung „Komischer Roman“ sucht man in den Buchhandlungen vergebens. Es gibt da höchstens eine Rubrik „Humor“. Darunter findet man dann ein Sammelsurium unterschiedlichster Textsorten, nicht unbedingt Romane. Schade eigentlich.

D.D.: Die schnellen Orts- und Zeitsprünge, die ungemein witzigen Dialoge lassen auch eher an ein Drehbuch für eine Krimi-Komödie denken. Haben Sie beim Schreiben auch an eine spätere Verfilmung gedacht? Mit Heiner Lauterbach und Bully Herbig in den Hauptrollen vielleicht?

S.F.: Es war ja zuerst ein Drehbuch, mit dem Titel „Driving Tom Hanks“. Allerdings ist es im Augenblick auf dem deutschen Markt sehr schwierig, ein Drehbuch unterzubringen. Der Trend geht immer mehr zu Literaturverfilmungen. Originaldrehbücher haben es schwer, da man lieber auf bereits bekannte Stoffe setzt, die mehr Zuschauer versprechen. Zudem bekam ich immer wieder zu hören: Den Tom Hanks kriegen wir nicht, den können wir nicht bezahlen. Ich wollte die Ausgangsidee aber nicht aufgeben. Und so habe ich das Drehbuch zu einem Roman umgeschrieben. Dabei musste ich aus rechtlichen Gründen Tom Hanks durch die fiktive Figur Phil Clune ersetzen.

D.D.: Ist es nicht ungemein schwierig, eigentlich harte Arbeit, sich solch witzige Dialoge, solch abenteuerliche Situationskomik am Schreibtisch auszudenken?

S.F.: Das stimmt schon. Nicht von ungefähr gilt für Drehbuchautoren die Komödie als Königsdisziplin. Es reicht nicht, eine gute Geschichte mit interessanten Charakteren zu erzählen. Man muss immer überlegen, wo und wie man Komik in der Szene erzeugen kann. Ständig witzig sein zu müssen, stellt schon eine große Herausforderung dar. Nicht immer hat man überzeugende Einfälle, das hängt oft auch von der Tagesform ab. Wenn es denn aber läuft, kann die Arbeit an einer Komödie auch viel Spaß machen.

D.D.: Und woher weiß man dann, dass dieser oder jener Witz letztendlich „funktioniert“? Indem man die Dialoge in Auszügen anderen vorliest? Noch mal umschreibt? Oder haben Sie das Buch ausschließlich im „stillen Kämmerlein“ geschrieben und dann erst einem privaten Lektor präsentiert?

S.F.: In der Tat, ich schreibe weitgehend im „stillen Kämmerlein“, aber ich lese mir in mindestens einem Korrekturvorgang  den Text laut vor, vor allem die Dialoge. Ich versuche mich dann auch in einen Schauspieler hineinzuversetzen, der die Figur spielen muss. Da spürt man schnell, wo etwas holprig ist oder nicht funktioniert.

D.D.: Wie haben Sie die Figuren, die Charaktere Ihrer Protagonisten, entworfen? Vorbilder im Freundes- und Bekanntenkreis?

S.F.: Nein, ich habe dafür keine konkreten Vorbilder. Den einen oder anderen Charakterzug habe ich vielleicht in meinem Umfeld an jemandem beobachtet. Es braucht aber niemand in meinem Bekanntenkreis Angst haben, dass er sich beim Lesen plötzlich in einer fiktiven Figur wiederfindet...

D.D.: Wie sind Sie nur auf diese merkwürdigen Namen gekommen? Harry und Herbert Maletzke. Bei Phil Clune dachte ich immer an George Clooney.

S.F.: Die Namensgebung reflektiert im Fall meiner Protagonisten den jeweiligen Charakter: Herbert der bodenständige Langweiler, Harry der Filou. Der Name Phil Clune ergab sich, da ich ihn gut für ein Wortspiel einsetzen konnte. Männlich-markant und nach Hollywood-Größe sollte der Name außerdem klingen. Dabei passt mir die Assoziation zu Clooney durchaus ins Konzept.

D.D.: Zu Beginn des Show-Downs fragt sich der geneigte Leser: Wie will sie denn jetzt alle irren Handlungsstränge „ohne Unfall“ wieder zusammen bekommen? Und siehe da: Es klappte! Hatten Sie den gesamten Handlungsverlauf, besonders das irrwitzige Ende von Anfang an im Kopf konzipiert?

S.F.: Ja. Anders geht das gar nicht. Ich schreibe immer vom Ende aus. Bevor ich auch nur den ersten Satz schreibe, muss ich genau wissen, wo die Reise hingeht. Gerade in einer Komödie, in der sich verschiedene Handlungsstränge immer wieder (für den Leser) neu und unerwartet überschneiden, muss man akribisch die Kontrolle über den Plot behalten, sonst hat man am Ende lauter lose Enden.

D.D.: Mussten Sie für den Roman lange recherchieren? Wieviel Zeit nahm das Schreiben überhaupt in Anspruch?

S.F.: 1. Nein! 2. Das Drehbuch zu schreiben, dauerte circa 4-5 Monate, das Umschreiben zum Roman dann vielleicht noch ein halbes Jahr. Ich kann wegen meiner Kinder nur vormittags schreiben.

D.D.: Es ist Ihr erster Roman. Was war das für ein Gefühl, ihn zum allerallerersten Mal in der Hand zu halten?

S.F.: Der denkwürdigste Moment für mich war, als ich den Umschlagentwurf zum ersten Mal gesehen habe. Ich habe eine halbe Stunde lang nur fasziniert auf das Cover gestarrt. Fast wie eine Mutter, die nach neun Monaten zum ersten Mal ihr Kind zu Gesicht bekommt. Ein schönes Gefühl.

D.D.: Letzte Frage: Ist noch ein weiteres Buch, eine Fortsetzung gar, in Planung? Und wenn ja, worum geht es?

S.F.: Ja, das nächste Buch ist schon fertig, es liegt in der Schublade, wird  aber nicht wieder im Selbstverlag erscheinen. Da ich für beide Romane einen neuen Verlag finden muss, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, wann der neue Roman erscheinen wird. Inhaltlich schließt er an „Driving Phil Clune“ an, mit demselben Personal. Die Handlung wird wieder Fahrt aufnehmen und einige Blüten (des Bösen) treiben. Es wird schwarzhumorig.

D.D.: Liebe Frau Fuß, ich danke Ihnen für dieses Interview, wir freuen uns - vor hoffentlich „ausverkauftem Haus“ - auf eine humorvolle, witzige, aber auch spannende Lesung am 25. Januar 2017 um 19.30 Uhr in der Marktscheune zu Berkum.

 

Zur Person: Susanne Fuß

  • Susanne Fuß (Foto: Ian Umlauff)

    geboren 1968
  • Studium der Anglistik, Amerikanistik und Komparatistik
  • Wissenschaftliche Dokumentarin im Rundfunk und beim Deutschen Musikrat
  • seit 2012 schreibt sie Drehbücher
  • ist freiberufliche Lektorin und Übersetzerin
  • "Driving Phil Clune" ist ihr Roman-Debüt
  • hat drei Kinder
  • lebt mit ihrer Familie in Wachtberg-Niederbachem