Gemeinde Wachtberg

Ein Juwel pflegen

Stimmungsvolle Bistrorunde (Foto: Privat) Wachtberg-Berkum - Mit einer „Bistro-Runde“ hat der Partnerschaftsverein die Wachtberger Kulturszene um eine neue Initiative bereichert: Bei Wein und Käse wird zum Gespräch über aktuelle europäische Themen geladen. Der Auftakt fand im Wein Cabinet Briem in Berkum statt zum Thema „Deutsch-französische Freundschaft in schwierigen Zeiten – was ist draus geworden?“, inspiriert von den einschlägig profilierten Referenten, Dr. Ulrich Junker und Michael Mertes.

Rund um den stimmungsvoll gestalteten Tisch im Wein Cabinet gaben beide Redner kurze, sehr prägnante  und persönliche  Impulse, die die Gäste der Runde dann zu lebhafter Diskussion animierten. Dr. Junker, langjähriger Gesandter in Paris und den Wachtbergern überdies als vielseitiger Dozent und Freizeit-Gartenautor bekannt,   ließ mit seinen ganz persönlichen Erinnerungen die Zeit lebendig werden, in der Konrad Adenauer und Charles de Gaulle die Grundsteine für die deutsch-französische Freundschaft und den weiteren Ausbau der Europäischen Gemeinschaft legten. Von der ersten Begegnung der beiden so unterschiedlichen Persönlichkeiten auf dem privaten Sitz de Gaulles in Colombey-des-Deux-Eglises bis zum späteren  Elysée-Vertrag 1963  verband sie trotz unterschiedlicher Interessenlagen und Perspektiven der gemeinsame Wille, ein starkes Tandems im zu gestaltenden europäischen Kontext zu schaffen. „Diese gewachsene deutsch-französische Freundschaft“, so Dr. Junker, „ist ein Juwel, das es zu pflegen galt und mehr denn je gilt.“

Michael Mertes,  zu Wiedervereinigungszeite(v.l.n.r.:) Dr. Ulrich Junker, Bernadette Conraths, Vorsitzende Partnerschaftsverein, Michael Mertes, Friedrich Oettler, stellv. Vorsitzender Partnerschaftsverein (Foto: Privat)

n Chefredenschreiber von Kanzler Helmut Kohl und später NRW-Staatssekretär für Bundes –und Europaangelegenheiten, schlug eloquent den Bogen in die Gegenwart, in dem er ebenso bündig wie eindrucksvoll die zahlreichen Herausforderungen der so unterschiedlichen „Tandems“ schilderte: von Valéry Giscard d’Estaing und Helmut Schmidt über Helmut Kohl und Mitterrand zu „Merkozy“. Die größte sicherlich die deutsche Wiedervereinigung, die seinerzeit keinem europäischen Staatschef gefiel. Auch die insbesondere von Deutschland nachdrücklich betriebene große Osterweiterung der EU wäre von Frankreich wohl mit größerer Vorsicht angegangen worden. Doch trotz der unterschiedlichen politischen Systeme (dort  zentralistisches Präsidialsystem, hier parlamentarische und föderale Demokratie), trotz historisch und geographisch bedingter verschiedener Sichtweisen gelang es den handelnden Politikern gleich welcher Couleur doch, so Michael Mertes, daraus immer wieder sich ergänzende Stärken und verantwortungsvolles Handeln für Europa zu entwickeln.

Aus der Runde kamen Zweifel und Sorge, ob diese gemeinsame  Aktionsrichtung denn noch existiere und angesichts der im gesamten Westen fortschreitenden populistischen Reaktionen wieder zu erreichen sei. Auch sei trotz der so erfolgreichen Arbeit auf Graswurzelebene wie die des Partnerschaftsvereins  zwischen Gemeinden, Familien und Jugendlichen doch erkennbar, dass die jeweiligen Sprachen heute weniger gelernt würden, das Wissen um den Nachbarn immer noch relativ gering sei und die Medien nach wie vor gerne mit alten Klischees hausierten.

Für Michael Mertes – den Wachtberger übrigens ebenfalls als vielseitigen Autor und als Übersetzer der Shakespeare Sonette kennen -  ist völlig klar, und er unterstreicht es mit europäischem  Herzblut: „ Wenn Europa nicht im globalen Wettbewerb abgehängt werden soll, dann müssen wir mehr denn je zusammenarbeiten, und hier kommt der starken deutsch-französischen  Verbindung  eine  entscheidende Rolle zu.“

Das neue Format des angeregten Gesprächs in kleinerer Runde und im schönen Ambiente kam sehr gut an bei den Bistro-Gästen. Für Partnerschaftsvereinsvorsitzende Bernadette Conraths ein Ansporn, im neuen Jahr zu einer weiteren Bistro-Runde  einzuladen.

Kontakt: bernadette.conraths@t-online.de