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500 Jahre St. Margaretha in Adendorf

Kaum verändert im Laufe der Jahrhunderte: St. Margaretha um 1910 (Foto. privat) Wachtberg-Adendorf - Fürstenherrlichkeit und Bürgerstolz – in keinem anderen Gebäude der Gemeinde Wachtberg spiegelt sich dieser Kontrast so deutlich wie in der Adendorfer St.-Margaretha-Kirche.

Noch heute befindet sich rechts am Chor die Loge, die sich die Herren der Burg Adendorf einst für ihre Gottesdienstbesuche vorbehielten. „Fürstenloch“ – so despektierlich wurde dieser Anbau von den Adendorfern genannt, die nichtsdestotrotz über Jahrhunderte hinweg in wirtschaftlicher Abhängigkeit von der Burgherrschaft standen. Als die Dorfbewohner endlich selbst zu Wohlstand gelangten, nutzten sie den neuerworbenen Reichtum, um ihre Kirche mit prächtigen Fenstern zu schmücken und setzten damit den wichtigsten Gewerben des Dorfes ein Denkmal. An diesem Wochenende können die Adendorfer das 500jährige Jubiläum ihres Gotteshauses feiern.

Die hl. Margaretha, der die Kirche geweiht ist, wurde um 305 nach Christus wegen ihres Glaubens hingerichtet. Der Name Margaretha stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Perle“. Der Margarethatag am 13. Juli war früher der Tag, an dem die Bauern mit der Ernte begannen.

Wann die erste Kirche in Adendorf gebaut wurde, ist nicht bekannt. Die älteste Erwähnung der Pfarre findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1215. Wahrscheinlich reichen die Ursprünge des Gotteshauses jedoch deutlich weiter zurück. Das heutige Gebäude stammt im wesentlichen aus dem Jahr 1515. In einer Beschreibung der Kirche aus dem Jahr 1833 heißt es: „Die Kirche selbst wurde auf muthmaßliche Angabe im Jahre 1515 erbaut. Sie liegt in der Mitte des Dorfes, in der Richtung von Westen nach Osten. Durch den Abbruch eines massiven, dem Einsturz drohenden Thurmes, der an der Westseite stand, sollen mehrere Wölbungen der Kirche Risse bekommen haben, wie noch zu sehen ist. An die Stelle des abgebrochenen wurde ein neuer, auf die Kirche nicht passender Thurm in den siebenziger Jahren der vorigen Jahrhunderts erbaut, der, an der Ostseite derselben angebracht, wie ein Anhängsel da steht. … Die Kirche, aus einem Schiffe mit steinernen Gewölben bestehend, 70 Fuß lang, 30 breit, ist luftig gebaut, und, ohne besondere Bauart, in baulicher Beziehung in einem ziemlich guten Zustande. Es finden sich darin zwei Beichtstühle zu beiden Seiten, sich gegenüber stehend, und eine Kanzel, die einfach geschnitzt, und von geringem Geschmacke, doch auf den Bau der Kirche passend sind, und drei Altäre, die zwar kunstlos sind, aber doch auf das Ganze ebenfalls passen.“

Historische Innenansicht der Kirche um 1950 (Foto:privat)

Der Hochaltar trug ehemals das Wappen der Fürsten von der Leyen, seit Beginn des 16. Jahrhunderts Eigentümer der Burg Adendorf. Als Patronatsherr der Kirche stand ihnen das Recht zu, den jeweiligen Pfarrer zu bestimmen. Aber auch als Wohltäter spielten sie für die Kirche eine wichtige Rolle. Das zeigte sich beispielsweise im Jahr 1790, als Kirchengebäude und Altäre bei einem Unwetter stark mitgenommen wurden. Der Pfarrer setzte sich daraufhin mit der fürstlichen Familie in Verbindung, die für die Renovierung der Altäre 20 Reichstaler stiftete. Die Arbeiten wurden von Meister Jakob Werres aus Ahrweiler durchgeführt. Dieser besorgte auch die heute noch vorhandene Bartholomäus-Statue an Stelle der durch Blitz zerstörten Vorgängerfigur.

Ungeachtet solcher Spendenfreudigkeit wurde die Burgherrschaft von den Pfarrern durchaus kritisch gesehen. So notierte Pfarrer van Gils 1924: „Die Adendorfer sind an sich gute Leute, sind aber zu schwach und voreinander zu bang. Die jahrhundertelange Abhängigkeit von der Burg, die auch heute noch besteht, hat den Leuten die Charakterfestigkeit genommen.“

Aber auch die Dorfbevölkerung gab Grund zur Klage. Die Töpferei hatte aus Adendorf einen kleinen Industrieort gemacht, und sorgenvoll musste der Pfarrer zu Beginn des 20. Jahrhunderts vermerken, dass es bei der Reichstagswahl auch acht Stimmen für die Sozialdemokraten gegeben habe: „Keine Gemeinde in der Umgegend hatte so viele aufzuweisen.“ Das reichte damals aus, um den Adendorfern den Ruf einzutragen, sie seien „radikal“.

Um 1900 wurde die Kirche um zwei Joche nach Westen verlängert. Bis dahin schloss das Gebäude mit einer abgewalmten Giebelmauer mit großem rechteckigen Fenster, einem kleinen Rundfensterchen im Giebel darüber sowie einer vorgelagerten kleinen viereckigen Vorhalle ab. Das rundbogige Portal, durch das man das Innere der Kirche betrat, wurde von zwei Pilastern umrahmt und trug im Schlussstein das Wort „Deo“.

Eine Stiftung der Adendorfer Töpfer ist das Fenster aus dem Jahr 1907 (Foto: privat)Im Anschluss an die Erweiterung begann man, das Gebäude mit neuen Fenstern auszustatten. Geschaffen wurden sie von der Firma Wilhelm Derix aus Goch am Niederrhein. Zwei dieser Fenster fallen besonders ins Auge: Das dritte Fenster auf der rechten Seite zeigt das Gleichnis vom Sämann, wobei im Hintergrund die Burg Münchhausen erscheint. Wie die Inschrift sagt, wurde es 1913 von den Adendorfer Landwirten gestiftet. Das fünfte Fenster zeigt das seltene Motiv des Propheten Jeremiah in der Töpferwerkstatt. Es erinnert an die Adendorfer Töpfer, die das Fenster der Kirche 1907 zum Geschenk machten.

Vermutlich sollte auch die linke Seite der Kirche ähnlich prächtige Glasgemälde erhalten. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Als letztes Fenster wurde die Darstellung der Marienkrönung über dem rechten Seiteneingang eingesetzt. Mit dem darunter abgebildeten Soldatenfriedhof erinnert es an die Schrecken des I. Weltkriegs. 

Nach vielen Jahren steht nun die wichtige und lohnende Renovierung von Kirche und Fenstern an. Zunächst jedoch feiern die Adendorfer das 500jährige Bestehen ihres Gotteshauses. Dazu findet am Kirmessonntag, den 12. Juli um 10 Uhr ein Festhochamt mit Weihbischof Puff statt. Abschluss des Kirmestreibens ist am Dienstag um 18 Uhr die traditionelle Paiasverbrennung. (Frank Hüllen)