Gemeinde Wachtberg

Prima trinationales Treffen in Bernareggio

Partnerschaft: Unterwegs nach Bernareggio – kleine Pause in den Alpen. (Foto: Privat) Wachtberg / Bernareggio - Vom 7. bis 10. Juni 2012 hatten die italienischen Freunde ihre Partnerkommunen eingeladen: Je ein Bus voller Bürger aus La Villedieu und aus Wachtberg waren angemeldet.

Partnerschaftsverein (Logo)

 

 

 

 

 

Am Donnerstag, 7. Juni, Fronleichnamstag, ging es schon früh los. Kurz vor sechs Uhr startete unser Bus in Niederbachem. Nach Halts in Berkum und in Adendorf – alle waren pünktlich vor Ort – brach die 27-köpfige Wachtberger Reisegruppe bei zweifelhaftem Wetter gen Süden auf. Die rund 850 Kilometer lange Fahrt verging wie im Fluge, zumal das Wetter im Laufe des Tages immer besser wurde: Schon die ausgiebige Mittagsrast fand bei strahlendem Sonnenschein in der Schweiz statt - mit Seeblick und Alpenpanorama. Bereits gegen halb sieben Uhr, früher als erwartet, erreichten wir unser Ziel, die Grundschule in Bernareggio, via Pertini. Dort hatten die Gastgeber einen üppigen Begrüßungsimbiss vorbereitet. Gemeinsam erwartete man die französischen Freunde, die etwa eine Stunde später ankamen. Den ersten Abend verbrachten alle in ihren Gastfamilien.

Partnerschaft: In Pavia lauscht die Gruppe der italienischen Reiseführerin. (Foto: Privat)Am Freitag, 8. Juni traf man sich schon um 8.30 Uhr am Morgen wieder an der Schule und fuhr gemeinsam mit den beiden Bussen nach Pavia. Zugegeben, am Morgen gab es auch mal einen kurze Regenschauer, aber im Laufe des Tages besserte sich das Wetter immer mehr, so dass das geplante Programm ohne Probleme stattfinden konnte. Pavia ist eine wunderschöne, alte Stadt mit großer Bedeutung für die Geschichte Europas. Die Stadt wurde von den Ligurern an den Ufern des Flusses Ticino gegründet, von den Römern 89 v. Chr. neu gegründet, später Reichshauptstadt der Ostgoten - König Theoderich ließ dort seinen Palast bauen. Schon im 9. Jahrhundert erlangte Pavia den Status einer freien Stadtrepublik und erlebte zu Beginn des zweiten Jahrtausends eine Zeit starker wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung, immer wieder aber auch politische Unruhen und kriegerische Auseinandersetzungen. Unsere Reiseleiterin, eine Italienerin, die hervorragend Deutsch und Französisch sprach, war ein wandelndes Geschichtsbuch und hatte offensichtlich so viel Freude an ihrer Aufgabe, dass sie uns ein stundenlanges und nur durch gelegentliche Atempausen unterbrochenes Feuerwerk an Zahlen, Daten, Fakten kredenzte. Wunderbar! Wir besuchten den Palast und die Basilika San Pietro in Ciel d´Oro, in der der Kirchenlehrer Hl. Augustinus begraben liegt, schlenderten durch die Altstadt, hatten ein herrliches Mittagessen im Garten des Restaurants „Gli Orti“ am Stadtrand von Pavia und besichtigten ausgiebig die Certosa di Pavia. Der gewaltige Bau begann 1396 zur Zeit der Spätgotik und wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts vollendet – mit umfangreichen und überwiegend bestens erhaltenen Ausschmückungen der Renaissancezeit. Der Gegensatz der außerordentlich prunkvoll ausgestatteten Kirche und der kargen Zellen der Mönche (heute leben dort noch acht Zisterzienser) war besonders beeindruckend. Später als geplant erreichten wir wieder die Schule in Bernareggio und verteilten uns auf unsere Gastfamilien – auch den zweiten Abend verbrachten wir privat, wobei einige Familien sich zu gemeinsamen Unternehmungen verabredet hatten.

Am Samstag früh starteten wir wieder mit beiden Bussen und fuhren in den Vergnügungspark „Minitalia Leolandia“ – eine Mischung aus Phantasialand und Freiluft-Miniaturmuseum italienischer Bauwerke. Nach anfänglich ungläubigem Staunen bei einigen aus der Reisegruppe entwickelte sich auch dieser Tag ganz prächtig, immerhin gab es vieles zu entdecken, untereinander zu besprechen und zu teilen. Den traditionellen Mittagsimbiss nahmen wir unter einem großen Zeltdach an Tischen ein und verfolgten gemeinsam amüsiert eine Papageienshow. Sprachlich gab es längst keine großen Probleme mehr – abgesehen davon, dass in der Wachtberger Gruppe mehrere bestens Italienisch sprechende Mitreisende waren, behalf sich ein jeder mit Französisch oder Englisch. Im Vorteil waren natürlich eindeutig diejenigen, die im Vorfeld der Reise den Sprachkurs mit Helga Köhnen gemacht hatten – immerhin acht Wachtberger! Am späten Nachmittag gab es Parallelveranstaltungen: Die Vorstände der drei Partnergemeinden trafen sich zur Besprechung offener Fragen und zur Vorplanung kommender Aktivitäten. Mit Jörg Ostermann, dem Beigeordneten und ständigen Vertreter des Bürgermeisters im Vorstand des Partnerschaftsvereins, sowie Friedrich Oettler als Übersetzer und der Kassiererin Marga Lewandrowski waren wir prominent und fachlich bestens vertreten. Die trinationale Vorstandssitzung brachte dementsprechend gute Ergebnisse und vor allem die gegenseitige Bestätigung, dass wir trotz gelegentlicher mentalitätsbedingter Schwierigkeiten gute Partner sind! Die anderen Teilnehmer waren zu einem politischen Meinungsaustausch über die europäische Finanzsituation eingeladen. Über die Inhalte schweigt man am besten – aber schon die Tatsache, dass dort fast nur Deutsche teilnahmen – neben einer Französin und zwei Italienern – führte dazu, dass manch einer übliche Klischees über Deutsche, Franzosen und Italiener bestätigt fand. Aber auch solche Erfahrungen machen schließlich den Austausch so (lehr-)reich!

Der traditionelle Abschlussabend fand in diesem Jahr in der Grundschule statt – wir saßen an originellen grünen Tisch-Bank-Kombinationen, in die hinein und aus denen heraus zu steigen einiges Geschick erforderte – und wurden mit einem mehrgängigen Abendessen, Wein und Musik verwöhnt. Ursula Perkams überreichte in Vertretung des Bürgermeisters das Gastgeschenk der Gemeinde Wachtberg an die italienische Partnergemeinde: ein Werk des Kürrighovener Künstlers Alfred Arnold „Il Funambulo“ (Der Seiltänzer). Dass es später noch Life-Gesang von Vittoria Germanò gab, dass getanzt und geschwooft wurde, dass es für manche deutlich nach Mitternacht war, bis sie im Bett lagen … versteht sich von selbst. Insgesamt war es wieder einmal ein sehr gelungener Besuch. So wundert es kaum, dass man beim Abschied am nächsten Morgen in aller Frühe manches wehmütige „A la prossima volta in Wachtberg / La Villedieu“ hörte. Die Rückfahrt verlief ähnlich gut wie die Hinfahrt, außer kleineren Staus in der Pfalz gab es keine Probleme, so dass alle gegen 20 Uhr wieder wohlbehalten zu Hause waren.

Das Fazit vieler Teilnehmer war sehr positiv bis hellauf begeistert – darunter auch manche, die zum ersten Mal an einer Tour des Partnerschaftsvereins teilgenommen haben. Sehr schön war wieder die Erfahrung, dass die Partnerschaft mit unseren Freunden in Bernareggio und La Villedieu höchst lebendig ist und dass diese Partnerschaft bei uns in Wachtberg von der Gemeinde wie von den Bürgern getragen ist. (Partnerschaftsverein Wachtberg, P. Menke)