Gemeinde Wachtberg

Historischer Glücksfall - Protokolle der Villiper Schiedsmänner in Buchform erschienen

Schiedsmannbuch: (v.l.n.r.) Dr. Andrea Korte-Böger, Dr. Barbara Hausmanns und Bürgermeister Theo Hüffel bei der Buch-Präsentation der Protokolle der Villiper Schiedsmänner. (Foto: GW) Wachtberg-Villip - Im Villiper Traditionsgasthaus Görres drängten sich rund hundert Gäste, um an der Buchpräsentation der Protokolle der Villiper Schiedsmänner im Rahmen der Wachtberger Kulturwoche teilzunehmen. Gemeinsam mit Bürgermeister Theo Hüffel und der Geschäftsführerin des Geschichts- und Altertumsverein für Siegburg und den Rhein-Sieg-Kreis (GAV), Dr. Andrea Korte-Böger, stellte die Autorin Dr. Barbara Hausmanns (Gemeindearchiv Wachtberg) die Publikation der Öffentlichkeit vor.

Kulturwochen 2010 (großes Banner)

 

 

Sie ist als reich bebilderte Monografie unter dem Titel „Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben“ in der Schriftenreihe des GAV erschienen.

Schiedsmannbuch: Spielten einige Szenen nach - Akteure des Oberbachemer Laienspielkreises. (Foto: GW)
 

Nach der kurzweilig vorgetragenen Buchvorstellung hatte der Laienspielkreis Oberbachem die Lacher auf seiner Seite. Die wunderbar agierenden Schauspieler der bekannten Wachtberger Mundarttruppe trugen drei, auf dem Schiedsmannbuch basierende Sketche auf Platt vor. In der hochdeutschen Version stammen sie aus der Feder von Ulf Hausmanns aus Villiprott.

 

Historische Rarität
Es ist ein besonderer Glücksfall für Wachtberg, dass das Protokollbuch der Schiedsmänner in Villip und Pech aus den Jahren 1879 bis 1925 erhalten geblieben ist. Aus der ganzen Region ist kein weiteres Exemplar dieser Art überliefert. Das Original ist zwar in die Jahre gekommen, aber im Wesentlichen unbeschädigt. Es stammt aus dem Nachlass des Villipers Albert Kuprat. Dank der Umsicht zweier Wachtberger konnte das Buch gerettet und in den vergangenen drei Jahren von Barbara Hausmanns mit besonderer Unterstützung des GAV bearbeitet werden. In einem Vorwort zu der Publikation geht der Bonner Rechtshistoriker Professor Mathias Schmoeckel auf die besondere Bedeutung dieser Quelle ein. Klaus Burkhardt, der derzeitige Schiedsmann für Villip, Villiprott, Holzem und Ließem, erläutert in einem weiteren Vorwort die aktuellen Aufgaben der Schiedsmänner- und -frauen im Jahr 2010.

Schiedsmann – nicht immer eine einfache Aufgabe (Szene des Oberbachemer Laienspielkreises). (Foto: GW)Schiedsmann – Streit geschlichtet (Szene des Oberbachemer Laienspielkreises). (Foto: GW)

 

 

 

 

 

 

Ärger in der Kneipe
Genauso wie heute versuchten die Schiedsmänner vor mehr als hundert Jahren kleine Zwistigkeiten zwischen Nachbarn zu schlichten, ohne dass sich die verfeindeten Parteien gleich vor dem Richter wieder fanden. Dabei ging es in Villip, Villiprott, Pech und Holzem wie auch anderswo zum Beispiel um Schulden beim Wirt, Beleidigungen oder auch schon mal um eine Kneipenkeilerei. Erfolgreiche wie vergebliche Schlichtungen hielten die Schiedsmänner von Johann Bollig über Carl Werner Offergeld bis hin zu Heinrich Rennenberg unter Angabe der Beteiligten und der Schilderung des Sachverhalts in ihrem Protokollbuch fest.

Dank der Unterstützung etlicher Nachfahren der Schiedsmänner konnte Hausmanns zahlreiche historische Fotos zu dem Thema zusammentragen. Die Schiedsmänner handelten übrigens auf der Grundlage der in der Rheinprovinz 1879 eingeführten „Preußischen Schiedsmannordnung“. Heute geben diese Aufzeichnungen einen ungemein interessanten und völlig authentischen Einblick in das soziale Leben auf dem Lande zum Ende des 19. Jahrhunderts. Der Leser erfährt viel über die damaligen Berufe, Alltagsprobleme und Sorgen. Und manchmal darf auch geschmunzelt werden.

Die „gute, alte Zeit“
Zwischen 1879 und 1925, in dem Jahr endet das Protokollbuch, waren sechs Schiedsmänner in Villip und Pech tätig. 266 Streitfälle haben sie festgehalten sowie den zwischen der legendären Villiper Blumenfrau Veronika Schüffelgen und der „Ehefrau Peter Bong“. Bei dieser Auseinandersetzung hatten sich die Parteien übrigens schon im Vorfeld geeinigt.
Alle Fälle sind in der Publikation im Originalwortlaut nachzulesen, dazu gibt es ein umfassendes Namensverzeichnis aller an den Fällen beteiligter Menschen sowie einen ins Thema einführenden Aufsatz. Etliche historische Fotos aus den Wachtberger Dörfern lassen die nicht immer nur „gute, alte Zeit“ auch im Bild aufleben. (GW)

„Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben“ ist im Rheinlandia-Verlag erschienen und für 12 Euro u. a. im Berkumer Rathaus erhältlich.