Gemeinde Wachtberg

Von Lüfthildisbroten und Jodokuswallfahrten - Vortrag über die Heiligenverehrung im Bonner Raum

Heiligenverehrung: Vortrag von Dr. Alois Döring. (Foto: GW) Wachtberg-Niederbachem - Äußerlich waren es nur kleine, unscheinbare Plätzchen aus Roggenmehl, die innere Kraft der so genannten Lüfthildisbrötchen war jedoch viel größer. Für lange Zeit galten die gesegneten Brötchen aus dem unweit von Wachtberg gelegenen Lüftelberg als Heilmittel für Mensch und Tier.

 

Kulturwochen 2010 (großes Banner)

 


Für die Zweibeiner sollten sie vor allem gegen Kopf- und Ohrenschmerzen helfen, den Vierbeinern versprachen sie Befreiung von sämtlichen Krankheiten.
In dem zu Meckenheim gehörenden Dorf mit Kirche und Schloss sowie in der Umgebung wird die Heilige Lüfthildis seit Jahrhunderten angebetet. Zu der Lokalheiligen, dargestellt als junge Frau mit Spindel, Ginsterzweig oder Kirchenmodell, fehlen die historischen Quellen. Ihrer bis heute währenden Verehrung tut dies keinen Abbruch.


„Trend“ zur Spiritualität

Die Geschichte der Lüfthildis und zahlreicher, weiterer Heiliger in und um Bonn legte kürzlich Alois Döring in einem interessanten, reich bebilderten Vortrag im Niederbachemer Gemeindezentrum dar. Döring, seit Jahrzehnten als wissenschaftlicher Referent für Volkskunde beim Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) tätig, ist ausgewiesener Kenner der Materie. Sein jüngstes Buch „Heilige Helfer“ beschäftigt sich mit der rheinischen Heiligenverehrung im Jahreskreis. Referent und Gäste tauschten sich im Anschluss an den Vortrag sehr angeregt auch über die lokale Heiligenverehrung aus. Als Beispiele wurden u. a. die in Wachtberg beliebte Jodokuswallfahrt oder die Verehrung des „Firkes Tünn (Heiliger Antonius) in Arzdorf genannt. Antonius, der Einsiedler, galt im bäuerlichen Leben als Patron gegen die Schweinepest oder gegen Viehseuchen überhaupt.
Heiligenverehrung: Dr. Alois Döring (Mitte) referierte auf Einladung des Niederbachemer Heimat- und Verschönerungsvereins im Rahmen der diesjährigen Kulturwochen. (Foto: GW)

Döring bestätigte dabei einen aktuellen „Trend“ zur Wiederbelebung von Wallfahrten wie zum Beispiel der vom Swistertürmchen bei Weilerswist und der Anbetung von Heiligen bei Sorgen und Nöten.

Der gut besuchte Vortrag war eine vom Heimat- und Verschönerungsverein Niederbachem und dem Archiv der Gemeinde Wachtberg im Rahmen der Wachtberger Kulturwoche gemeinsam ausgerichtete Veranstaltung. (GW)