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Frauenbilder eröffnen die 4. Wachtberger Kulturwochen

Frauenbilder: (v.l.n.r.) Staatssekretär a. D. Michael Mertes, Bürgermeister Theo Hüffel, Ellen Dornhaus (3.v.r.) mit zwei von ihr interviewten Zeitzeuginnen und Büchereiverbundleiter Kurt Zimmermann (re.). (Foto: GW) Wachtberg-Ließem – Zu einer Lesung mit Ellen Dornhaus aus ihrem Buch „Frauenbilder – Erlebnisse aus der Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit“ hatte der Büchereiverbund Wachtberg am ersten Sonntag der diesjährigen Wachtberger Kulturwochen in den Köllenhof nach Ließem eingeladen.

 

Kulturwochen 2010 (großes Banner)


 

Eine Fotoausstellung mit Porträts der von Dornhaus interviewten Frauen gab den in Ausschnitten vorgetragenen Schicksalen zusätzlich ein Gesicht.

Bürgermeister Theo Hüffel, der zu Beginn der Lesung die diesjährigen Wachtberger Kulturwochen offiziell eröffnete, erinnerte dabei noch einmal daran, wie die Kulturwochen vor drei Jahren begonnen haben. Nicht große Künstler nach Wachtberg zu holen sondern die Kulturtreibenden vor Ort zu unterstützen und zu fördern, ihnen Ausstellungs- und Präsentationsmöglichkeiten zu bieten, bei der Organisation zu helfen und vieles mehr, dies seinen die Eckpunkte der nun schon zum vierten Mal durchgeführten Wachtberger Kulturwochen, so Hüffel. Alle Akteure seien Wachtberger oder hätten zumindest eine besondere Affinität zu Wachtberg. „Kultur trägt zu dem bei, was unsere Gemeinde lebenswert macht“, resümierte Hüffel.

Kurt Zimmermann, Leiter des Wachtberger Büchereiverbundes, freute sich, die Lesung im Rahmen der Kulturwochen zu veranstalten und darüber, dass hierfür als Moderator Staatssekretär a. D. Michael Mertes gewonnen werden konnte. Ellen Dornhaus, selbst Jahrgang 1944, sei, stellte Mertes anschließend die Autorin vor, „eine von uns“. Dabei richtete er den Blick auf die Frauenschicksale, die Dornhaus niedergeschrieben hat - Jahrgänge von 1912 bis 1947, schwerpunktmäßig 20er-Geburtsjahrgänge.

Ellen Dornhaus sei über eigene Ahnenforschung auf die Idee zu diesem Buch gekommen, erzählte sie. 22 „Erzählungen“ von Frauen, die bereit waren, ihr ihre Geschichten zu „erzählen“, hat sie aufgeschrieben und durch eine eigene Fotoserie mit Bildern dieser Frauen in ihrer heutigen Lebenssituation komplettiert.

Frauenbilder: Ellen Dornhaus hatte von ihren Protagonistinnen Porträtaufnahmen gemacht und in einer Ausstellung zusammengestellt. (Foto: GW)Exemplarisch für viele andere Frauenschicksale las sie Teile der Erinnerungen von Elisabeth, die als junges Mädchen die Schrecken des Krieges in Regensburg miterlebte, und von Lina, die in Ostpreußen aufwuchs und nach langen Jahren der Flucht und tragischer Verluste in Villip ein neues Zuhause gefunden hat. Aus den Erzählungen von Gertrud zitierte Dornhaus eine Passage, in der es um die Hausfrauenrolle der Frauen in der Zeit des Krieges geht. Das Schicksal Alisas, deren Eltern mit ihr nach Israel ausreisten, um später nach Deutschland zurückzukehren, berührte ebenso wie das von Maria, das von Enteignung und Vertreibung gezeichnet war. Fast alle diese Frauen haben einen Verlust erlitten, fasste Dornhaus ihre umfangreichen Recherchen zusammen, sei es die Heimat, ihre gewohnte Umgebung oder sogar geliebte Menschen, Eltern, Kinder. Sie haben überlebt, doch tragen diese Verluste in sich.

Ellen Dornhaus wünscht sich, dass ihr Buch auch als eine Art Orden in Anerkennung der Leistung hunderttausend anonym gebliebener Frauen im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit verstanden wird.
Frauenbilder: Musikalisch begleiteten Sarah Batti (Gitarre) und Friederike Gaedke (Gesang) die Veranstaltung. (Foto: GW)


Musikalisch begleitete Sarah Batti auf der Gitarre, gesanglich ergänzt von Friederike Gaedke, die Veranstaltung. (GW)


Ellen R. Dornhaus „Frauenbilder – Erlebnisse aus der Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit“, Books on Demand GmbH, Norderstedt, ISBN 978-3-8391-5310-9.