Energetische Sanierung von Fachwerkhäusern

ILEK - Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept (Logo) Wachtberg - Am 29.05.2010 führten die ILEK-Projektgruppe „Erneuerbare Energien und Energieeffizienz“ und der Verein Adendorfer Gewerbetreibender (VAG) in Wachtberg-Adendorf eine Informationsveranstaltung zur energetischen Sanierung von Fachwerkhäusern durch.

Trotz des schönen Sommerwetters waren knapp 50 Besucher gekommen, die mit großem Interesse den drei Vorträgen zuhörten. Der Besuch der Veranstaltung war kostenlos.

Diplom-Restaurator Michnia vom KalkKontor in Siegburg machte grundsätzliche Ausführungen zur Wärmedämmung in Fachwerkhäusern, erläuterte die Vorteile eines Kalkanstrichs und stellte ein neues Produkt aus Lehm zur Innendämmung vor.
Ulrich Röhlen, Geschäftsführer der Firma Claytec und Vorstandsmitglied im Dachverband Lehm, präsentierte die derzeit am Markt verfügbaren Produkte für eine Sanierung von Fachwerkhäusern. Das Schwergewicht seiner Ausführungen lag dabei bei den Materialien und Möglichkeiten einer Innendämmung, angefangen bei Holzweichfaserplatten und endend bei Wandheizungen. Um Bauschäden zu vermeiden empfahl er dringend, einen fachwerkkundigen Architekten vor Beginn der Arbeiten um Rat zu befragen. Nach Röhlen ist eine fachgerechte Sanierung eines Fachwerkhauses nur unwesentlich teurer als eine Sanierung mit heute gebräuchlichen Materialien, die in der Regel später zu Bauschäden führt.
Frau Dr. Lang vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege zeigte anhand von Bildern gelungene Beispiele denkmalgerechter Sanierungen. Dabei wies sie darauf hin, dass abgesehen von speziellen Einzelfällen, z.B. alte Wandbemalungen, das Denkmalamt einer fachgerechten energetischen Sanierung nicht im Wege steht. Abschließend machte sie auf die steuerlichen Vergünstigungen bei Sanierung denkmalgeschützter Gebäude aufmerksam.
Professor Dr. Schlagheck, der Leiter der ILEK-Projektgruppe, moderierte die anschließende lebhafte Diskussionsrunde. Dabei wurden noch offene Fragen geklärt und eigene Erfahrungen der Besucher erzählt. Herr Decker von der Energie Agentur NRW machte bei dieser Gelegenheit kurze Ausführungen zu den bestehenden günstigen Finanzierungsmöglichkeiten bei energetischen Sanierungen. Wenn es nach den Besuchern gegangen wäre, hätte um 19.00 Uhr noch nicht Schluss sein müssen. In kleinen Gruppen wurde noch längere Zeit weiter diskutiert.

Die ausgelegten Informationsmaterialen wurden lebhaft nachgefragt. Auf besonderes Interesse stieß ein Infoblatt mit Anschriften der in der Region tätigen, fachwerkkundigen Architekten und Fachfirmen. Erfahrungsgemäß ist es schwierig, die wenigen Betriebe, die sich mit der Sanierung von Fachwerkhäusern auskennen, zu finden.

Warum diese Veranstaltung?
Wärmedämmung und Energieeffizienz sind in aller Munde. Auf dem Kreditmarkt werden viele Sonderfinanzierungen dafür angeboten. Bei den hohen Energiepreisen, die in Zukunft weiter steigen werden, ist eine Wärmedämmung auch für Eigentümer von Fachwerkhäusern interessant. Vor allem wenn man sich vor Augen hält, dass bei Fachwerkhäusern die Außenwände durchaus nur 15 Zentimeter dick sein können.

Viele moderne Baustoffe sind für Fachwerkhäuser nicht geeignet. Sowohl eine Außen- als auch eine Innendämmung mit diesen Baustoffen führt regelmäßig über kurz oder lang zu Bauschäden und kann unter Umständen zum Verlust des Hauses führen. Im Baugewerbe sind Kenntnisse der Besonderheiten von Fachwerkhäusern kaum noch vorhanden, so dass es häufig an einer fachkundigen Beratung fehlt.
Ziel der Veranstaltung war es daher, die Eigentümer von Fachwerkhäusern auf die Problematik aufmerksam zu machen und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Die Veranstaltung sollte helfen, den stillen und häufig unbemerkten Schwund an Fachwerkhäusern zu stoppen. Noch gibt es in unserer Region, insbesondere im ländlichen Raum, viele schöne und zum Teil ortsprägende Fachwerkhäuser. Gute Beispiele hierfür finden sich in allen Gemeinden der ILEK-Region Rhein-Voreifel. Selbst Städte wie Bonn haben ganze Stadtviertel, die ihren Reiz den Fachwerkhäusern verdanken, wie z.B. Muffendorf. Jeder Verlust eines Fachwerkhauses bedeutet ein Stück Verlust der regionalen Besonderheit.

Alle mit der Veranstaltung verbundenen Arbeiten wurden ehrenamtlich erbracht. Auch die Referenten sind ohne Entgelt tätig geworden. Die notwendigen Sachausgaben wurden gesponsert.

Das Infoblatt ist im Internetauftritt von Adendorf (www.toepferort-adendorf.de) veröffentlicht und ist auch bei der Gemeinde Wachtberg im Fachbereich III (Hannelore Vogel, Tel. 0228/ 9544 153, oder Dieter Müller, Tel. 0228/ 9544 164) erhältlich. (Eberhard Tschentke)