Emma: Finsternis

Lokales - Mitteilung aus der Gemeinde Es war ein merkwürdiges Gefühl für Emma, als sie nachts aufstand, und nichts ging mehr. Sie hatte es bemerkt, weil die Digitalanzeige ihres Weckers, die an die Zimmerdecke gerichtet war, nicht leuchtete.

Auffällig war auch, dass der Bewegungsmelder der Nachbarn, als ein Auto vorbei fuhr, nicht anging, der sonst bei der kleinsten Bewegung funktionierte. War es wetterabhängig, dass sie jetzt mit ihrem Mann im Dunkeln stand? Keinem Lichtschalter war ein Strahl zu entlocken. Es war fünf Uhr morgens! An Schlafen war nicht mehr zu denken. Der logische erste Schritt ging mit Taschenlampe zum Sicherungskasten. Und siehe da, das Licht in diesem kleinen Raum funktionierte, die Heizung lief auch, und keine Sicherung war rausgesprungen! Überraschend und merkwürdig! Emmas Mann legte schnell ein langes Kabel aus dem Sicherungsraum, so dass sie in der Wohnung Licht hatten, erst einmal frühstücken und das Telefon anschließen konnten. So früh wie möglich, aber nicht allzu früh rief sie ihren Elektroinstallateur an, der versprach zu kommen, aber nicht vor zehn Uhr. Kurz nach sieben Uhr rief der Nachbar, der mit dem Bewegungsmelder, an und erklärte, er habe zwar Licht, aber die Heizung lief nicht, und er habe den gleichen Elektromeister angerufen, der sich über die Stromprobleme beider Häuser in der selben Straße wunderte und schlussfolgerte, dass es ein Fall für das RWE sei, das auch bald anrückte. Am Stromkasten an der Ecke berichtete der Fachmann vom RWE, er habe einige Sicherungen erneuert; das war der Grund, warum jetzt in einzelnen Zimmern Strom war. Aber leider, so sagte er, fielen andere immer wieder aus; deshalb müssten sie jetzt die Fehlerquelle lokalisieren, vielleicht in allen Häusern messen oder sogar die Straße aufreißen. Es vergingen spannende Stunden, in denen der Strom kam und ging, dann ganz ausfiel und sich viele Nachbarn trafen und diskutierten.
Emma war nie bewusst gewesen, dass in ihrem Haus nicht nur die einzelnen abgesicherten Stromkreise ausfallen konnten sondern völlig andere. Außerdem empfand es Emma eigentlich lächerlich, dass durch eine im Grunde kleine Störung der ganze Tagesablauf ins Stocken kam, der Rhythmus völlig aus dem Takt geriet. Diese Abhängigkeit machte sie konfus: Die Dunkelheit verschwindet zwar mit dem Tageslicht, aber das Telefon bleibt stumm, das Handy geht nur, solange es aufgeladen ist, die Heizung wärmt nicht mehr, die Kühl- und Eisschränke halten noch eine Weile die Kälte, aber dann? Der Computer zeigt keine Regung, Staubsaugen fällt aus, die Haustürklingel ist außer Betrieb und die Küche bleibt kalt. War das ein Wink von oben, einmal gar nichts zu tun? Kopflos vertiefte sich Emma einfach in die Tageszeitung in einem Sessel am Fenster mit Tageslicht.
Nach einigen Stunden war der Spuk vorbei. Die Leute vom RWE hatten tatsächlich die Straße aufreißen müssen, nachdem sie mit ihren technischen Möglichkeiten die Fehlerquelle genau eingrenzen konnten und erneuerten ein durch Wassereinbruch defekt gewordenes Verbindungsstück. Glücklicherweise schneite es an diesem Tag nur wenig; und im Nu war das Loch zugeschüttet, dann liefen alle Geräte, und die Steckdosen hatten wieder „Saft“. Ein Lob an die Fachleute vom RWE, die bei dieser Kälte schnell arbeiteten und bereitwillig und freundlich jedem Einzelnen Auskunft gaben, der sie mit Fragen löcherte.
„Danke“ sagt Emma. (C.v.D.)