Emma: Stolz

Lokales - Mitteilung aus der Gemeinde Ein deutsches Sprichwort sagt: „Dummheit und Stolz wachsen auf dem gleichen Holz.“ Ist Emma denn dumm, wenn sie stolz auf ihre Enkel ist? Dann müssten ja fast alle Großeltern dumm sein!

Das scheint Emma ein bisschen hoch gegriffen. Denn Stolz ist kein so negatives Gefühl, wie manche Menschen meinen. Jedoch nannte Dante Alighieri (13./14. Jahrhundert) den Stolz „die tödlichste der sieben Todsünden“. Auch viele antike Griechen ließen am Stolz kein gutes Haar. Auch das klingt nicht positiv. Was soll Emma nun denken?
Zweifellos hat Stolz seine dunklen Seiten. Doch wenn man einen berechtigten Grund zum Stolz hat, sollte man sein Licht nicht unter den Scheffel stellen, denn Stolz ist nicht universell negativ. Andere betrachten ihn als weniger schlimm, z. B. Georg Ch. Lichtenberg (Physiker und Schriftsteller im 18. Jahrhundert), der schrieb: „Der Stolz, eine edle Leidenschaft, ist nicht blind gegen eigene Fehler, aber der Hochmut ist es.“ Das hört sich doch schon sanfter an, findet Emma.
Stolz zählt also zu den komplexen Emotionen; und Wissenschaftler kommen erst zaghaft diesen Gefühlen auf die Spur. Durch Experimente urteilen moderne Psychologen nüchterner über stolze Menschen, die zunehmend sympathischer empfunden werden, denn sie übernehmen oft eine positive Führungsrolle, die zu Lösungen von Problemen beitragen. Dabei werden die „Stolzen“ nicht als arrogant oder aufdringlich empfunden. Ihnen wir eher Respekt entgegen gebracht, weil sie etwas besonders gut können.
Die schlechte Variante des Stolzes geht aus der günstigen hervor. Stolz ist demnach so lange vorteilhaft, wie er auf den Bereich beschränkt bleibt, aus dem er herrührt. Sobald man ihn grundlos auf andere Lebensbereiche ausweitet, fängt er an übel zu werden. Also macht bescheidener Stolz den Menschen stärker.
Nun kann Emma nicht sagen, dass sie nur alleine stolz auf die Taten und Leistungen (Zuhören, Liebe, Zuneigung, Lachen, Toleranz) bezüglich der Enkel sein darf, denn es ist ja nur indirekt ihr Verdienst. Aber ein bisschen – so denkt sie – hat sie auch mit dazu beigetragen, dass sie so sind wie sie sind, und eben darauf ist sie stolz.

„Worauf sind Sie denn stolz?“ fragt Emma, „Sie wissen doch jetzt, dass Stolz durchaus positive Seiten hat!“ (C.v.D.)