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Emma: „Schöne“ Bescherung
Eigentlich dürfte Emma gar nicht erzählen, was ihr kurz vor Weihnachten passiert ist. Aber sie hat einfach das Bedürfnis, es mitzuteilen; auch wenn es ein negatives Licht auf sie wirft. Aber da jetzt Weihnachten ist, hofft sie, dass ihr dieses furchtbare Missgeschick verziehen wird:
Noch einmal versuchte Emma die restlichen Kleinigkeiten zum Fest zu kaufen, während der große Enkel in der Musikschule war; die beiden kleinen Mädchen gingen mit ihr und erfreuten sich an den weihnachtlich geschmückten Straßen. In dem noch verbliebenen einzigen, winzigen Kaufhaus in Bad Godesberg war die Warteschlange an der Kasse gar nicht so lang, als sie sich anstellte. Die beiden Enkelinnen warteten einige Meter von ihr entfernt; die kleinere, zweijährige saß im Kinderwagen, die größere dreieinhalbjährige stand daneben. Immer wieder drehte Emma sich um und schaute zu ihren Enkelinnen, um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung war. Vor ihr ging es nicht weiter; die Kasse streikte, die Papierrolle für die Kassenzettel ging zu Ende, und ein Umtausch stand an. Die Schlange hinter ihr aber wuchs und wuchs. Nun hatte Emma Schwierigkeiten durch die vielen Menschen, wenigstens einen kleinen Teil von ihren Enkelinnen zu sehen; sie reckte und streckte sich, um an den Köpfen, Hälsen und Armen vorbei immer wieder einen Blick auf die größere der beiden Mädchen zu ergattern; den Kinderwagen konnte sie nicht mehr sehen. Plötzlich stand diese Ältere neben ihr. „Oma, mir ist langweilig!“ Emma erschrak zutiefst, ihr blieb fast das Herz stehen. „Wo ist denn Deine Schwester?“ “Weiß ich nicht!“ „Waaaaas?“ Emma schubste alle Leute zur Seite und raste zum Kinderwagen! Leer!! Schweiß trat nicht nur auf ihre Stirn; das Herz raste. Sie ließ die Einkäufe liegen, nahm das Mädchen an die Hand, damit sie nicht auch noch verloren ging, und suchte hastig alle Gänge ab, schaute verzweifelt hinter jede Auslage. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor! Danach blieb sie fassungslos mit weit aufgerissenen Augen stehen. Nichts!!
In Emmas Kopf schwirrte es: zur Kasse gehen und den Verlust der Kleinen ausrufen lassen! Wenn sie nicht gefunden wird, zur Polizei gehen! Und was geschieht dann? Nicht auszudenken! Aber der Große wartet doch an der Musikschule! Diese Gedanken kreisten wie irr und wirr und wurden immer unklarer und verschwommener. Die Herzfrequenz steigerte sich noch um etliche Schläge. Ihr wurde es ganz schwindlig! Was sollte sie machen? Sie fasste das ältere Kleine noch fester an die Hand und wollte gerade zur Kasse gehen, als ihr kleiner blonder Engel fröhlich lachend auf dem Arm einer fremden Frau, einer Mutter mit einem Mädchen an der Hand, ihr zurief: „Oma!“ Vor Freude wurde es Emma noch schwindliger, zugleich aber auch leichter, denn der größte Stein ihres Lebens war gerade vom Herzen gefallen. Sie konnte die Tränen nicht mehr zurück halten und schloss beide Enkelinnen in ihre Arme. „Nun beruhigen Sie sich doch!“ sagte die fremde Mutter tröstend und klopfte ihr auf die Schulter, „das ist mir auch schon passiert!“; dabei fasste sie ihre Tochter und ging. „Danke!“ hauchte Emma „danke, danke!“
Emma wünscht Ihnen allen ein sorgenfreies, friedliches, gemütliches und fröhliches Weihnachtsfest! (C.v.D.)
Letzte Änderung: 23. Dezember 2009 - © 2009 Gemeinde Wachtberg