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Emma: Sprachverzerrung
Emma liebt ihre Muttersprache und mag gar nicht hören, wenn sie verzerrt wird, zum Beispiel durch Anglizismen oder ordinäre Ausdrücke. Aber damit hat sie sich inzwischen abgefunden, denn dieser Kampf ist nicht zu gewinnen. Natürlich weiß Emma, dass einige Wörter nicht zu übersetzen und daher also notwendig sind.
Auch gibt es viele Wörter, die schon die Franzosen speziell im Rheinland hinterlassen haben, das weiß Emma ebenso. Und um „in“ zu bleiben, benutzt sie manchmal sogar auch solche modernen Ausdrücke. Manchmal ist es eben nicht zu vermeiden.
Emma hat aber festgestellt, dass die deutsche Sprache an sich schon manches verzerrt und findet sie sogar in einigen Ausdrücken frauenfeindlich. (Durch den Gebrauch des Wortteils „innen“ ist es schon besser geworden.)
Aber das meint Emma jetzt nicht, sondern nehmen Sie das Wort „Dame“. Beschrieben wird die Dame als gebildete, gepflegte Frau. Dann schaut sich Emma das Wort „Herr“ an, definiert als feiner Mann. Herr und Dame passen perfekt zueinander. Nun aber betrachten Sie die passenden Adjektive! Schon graut es Emma: „dämlich“ und „herrlich“ – welch krasser Unterschied! Jeder kennt die Definitionen: abwertend dumm und ganz besonders schön!
Fehlen einem da nicht die Worte?!
Emma schaut weiter „Frau und Mann“ – erwachsene weibliche und erwachsene männliche Person; soweit scheint das in Ordnung. Doch „fraulich“ bedeutet die „Art einer (gereiften) Frau entsprechend“; „männlich“ hingegen „zum Geschlecht gehörend, das Nachkommen zeugen kann“; dazu passend wäre ja eigentlich „fraulich“; aber„weiblich“ wird definiert mit „dem Geschlecht angehörig, das Nachkommen gebären kann“. Das große Aber kommt: „Weib“ wird jedoch abwertend für Frau benutzt; und zum Weib würde „Kerl“ passen, was abwertend für den Mann gilt.
Emma findet solche Sprachverzerrungen verwirrend. Eines ist ihr aber dabei klar geworden: der Mann kommt in dieser Sprache besser weg. Die völlige (sowieso nicht zu verwirklichende) Emanzipation bleibt mal wieder auf der Strecke. „Empfinden Sie das auch als ungerecht?“ fragt Emma. (C.v.D.)
Letzte Änderung: 7. August 2009 - © 2009 Gemeinde Wachtberg