Weißt Du noch? Wachtberger Gemeindewappen, Siegel und Fahne

40 Jahre Wachtberg - Das Gemeindewappen Am 1. August 2009 feiert die Gemeinde Wachtberg ihren 40. Geburtstag. Viel ist passiert in den zurückliegenden vier Jahrzehnten und hieran soll im Jubiläumsjahr unter anderem die kleine Serie „Weißt Du noch?“ erinnern. Wir begeben uns auf eine Zeitreise durch die letzten vierzig Jahre und greifen interessante Begebenheiten und besondere Ereignisse in unserer Gemeinde seit dem 1. August 1969 auf. Weißt Du noch?

Wachtberger Gemeindewappen, Siegel und Fahne

Feuer speiend und ein wenig wild kommt er daher – der Wachtberger Drache. Soweit erfüllt er alle Lindwurmklischees, die man eben kennt. Eher untypisch für das Fabelwesen ist allerdings die Farbe Weiß, die ihn ziert. Selten sieht man Drachen auch vor blauem Hintergrund. Doch genau in dieser Form kennen und schätzen die Wachtberger seit nun fast vierzig Jahren ihr Gemeindewappen.

Als die neue Gemeinde Wachtberg am 1. August 1969 aus der Taufe gehoben wurde, fehlte ihr anfangs vieles – u. a. auch ein eigenes Gemeindesiegel bzw. Wappen. Doch ohne ein Siegel – dem Hoheitszeichen - war und ist ein „Ambt“ nicht denkbar. So ist das Siegel Bestätigung und Bekräftigung der Unterschrift auf Urkunden und Schreiben der Siegel führenden Behörde. Paragraph 14 der Nordrhein-Westfälischen Gemeindeordnung in der Fassung vom 17.10.1994 legt denn auch fest, dass Siegel, Wappen und Flaggen Hoheitszeichen sind. Zum Führen eines Siegels sind Gemeinden im Übrigen verpflichtet, die beiden anderen können sie sich „leisten“ – mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde (in unserem Falle des Regierungspräsidenten Köln).

Im jungen Wachtberg fand man zu Beginn einen Kompromiss, indem man in abgeänderter Form als Dienstsiegel das kleine Landessiegel Nordrhein-Westfalens führte. Doch diese Lösung war nur vorübergehend. Schon in der Gemeinderatssitzung vom 20. März 1970 in der Gaststätte „Zur Schwalbe“ in Wachtberg- Fritzdorf kam unter Punkt 28 der Tagesordnung ein einstimmiger Beschluss zur Einführung eines Wappens und einer Flagge sowie die Änderung des Siegels der Gemeinde Wachtberg zustande. „Die Verwaltung wird beauftragt, im Benehmen mit dem Staatsarchiv des Landes Nordrhein-Westfalen geeignete Vorschläge ausarbeiten zu lassen. Dabei sollen die historischen Wappen des „Drachenfelser Ländchens“ berücksichtigt werden.“
Der Eifeler Kunstmaler und Heraldiker Konrad Schaefer erhielt schließlich am 13. Oktober 1970 nach einem weiteren einstimmigen Ratsbeschluss (Sitzung in der Adendorfer Schützenhalle) den Auftrag, unterschiedliche Wappenvorschläge mit folgenden Motiven auszuarbeiten:

  • Drachen der Drachenburg, kombiniert mit den Farben der Familie von der Leyen aus Adendorf
  • Villiper Gerichtssiegel (gekrönter Doppeladler)
  • Kombination des Drachenkopfes mit dem kurkölnischen Kreuz

Erkennbar war in diesem Beschluss das Bemühen, in den Motiven die historischen Wurzeln Wachtbergs wieder zu erkennen. Allerdings griff nur der erste Vorschlag wirklich die Geschichte beider Gemeindeteile – also des ehemaligen Drachenfelser Ländchens und der Dörfer Arzdorf, Adendorf und Fritzdorf – auf.

Knapp ein Jahr später, am 2. März 1971, schließlich kam der Gemeinderat zu einer salomonischen Lösung. In seiner 12. Sitzung der 1. Legislaturperiode in der Pecher Gaststätte Küpper wurde die Einführung eines Wappens, Siegels und Flagge der Gemeinde Wachtberg bei einer Stimmenthaltung und drei Gegenstimmen folgendermaßen festgelegt: „Der Gemeinderat beschließt die Führung eines Wappens und eines Siegels nach dem Entwurf Nr. 2 des Heraldikers Schaefer, Bad Münstereifel, (Drache der Drachenburg, kombiniert mit den Farben der Familie von der Leye[n]) sowie die Führung einer Flagge mit den Farben blau-weiß. Die Flagge ist dreigeteilt; die beiden Farben sind zu gleichen Anteilen verteilt. Die mittlere Bahn ist weiß.“ Das Siegel führt seitdem die Unterschrift Gemeinde Wachtberg, Rhein-Sieg-Kreis. Das Siegelbild zeigt in schwarz einen Flammen speienden weißen Lindwurm. Dieser zweite März war übrigens ohnehin ein Tag der wichtigen Entscheidungen: zuvor nämlich fassten die Ratsherren den Beschluss zum Neubau des Rathauses in Berkum, das dann 1975 bezogen werden konnte.

Mit der Abstimmung über das neue Wappen hatte der Rat nun auch einen symbolträchtigen optischen Ausdruck der „Raumordnungsehe“ gefunden.
Der Drachen symbolisiert das historische Drachenfelser Ländchen, aus dem ja das Amt Villip als Gebietskörperschaft deckungsgleich hervorgegangen war. Die Farben blau-weiß (silber) stehen für die Familie von der Leyen, die über Jahrhunderte von Burg Adendorf aus die Geschicke der umliegenden Dörfer lenkte. Diese Hommage an die von der Leyens würdigte somit nicht nur Adendorf, Arzdorf und Fritzdorf, sondern verwies auch stolz auf das prominente Adelsgeschlecht, das immerhin Kurfürsten von Mainz und Trier hervorgebracht hatte. Und die waren in Adendorf geboren worden.
Mit einer Urkunde vom 13. April 1971 segnet auch der Kölner Regierungspräsident die neuen Wachtberger Hoheitszeichen ab.

Die ersten Wachtberger Nachrichten (Amtsblatt der Gemeinde Wachtberg) mit dem neuen Wappen erschienen dann am 8. Juni 1971. Vorher zeigte das Titelblatt ein Logo mit einer Zeichnung der Burg Adendorf und dem Radom. Vorgestellt wurde das neue Wappen erstmals in den Wachtberger Nachrichten vom 9. März 1971 auf der Titelseite, natürlich in schwarz-weiß. Dabei unterlief dem Autor in der Bildzeile ein Fehler: „Silberner Löwe auf blauem Grund“ hieß es damals. Aber der Wachtberger Drache nahm diese tierische Verwechslung vermutlich nicht übel – zumal ihm zuvor schon „Schlimmeres“ widerfahren war. Da verlieh ihm nämlich ein Ratsmitglied aus Berkum den wenig schmeichelhaften Titel eines „Schlammdackels“. (GW)