Weißt Du noch? - Folge 4

Ping-Pong-Diplomatie: 1973 spielten die Fritzdorfer Tischtennisspieler gegen eine chinesische Botschaftsmannschaft. (Foto: Archiv GW) Am 1. August 2009 feiert die Gemeinde Wachtberg ihren 40. Geburtstag. Viel ist passiert in den zurückliegenden vier Jahrzehnten und hieran soll im Jubiläumsjahr unter anderem die kleine Serie „Weißt Du noch?“ erinnern. Wir begeben uns auf eine Zeitreise durch die letzten vierzig Jahre und greifen interessante Begebenheiten und besondere Ereignisse in unserer Gemeinde seit dem 1. August 1969 auf. Weißt Du noch?

Ping-Pong-Diplomatie in Fritzdorf

Wachtberg ist eine sportliche Gemeinde, und fast jede Ortschaft pflegt neben dem allseits beliebten Fußball „ihre“ Sportart. So sind die Fritzdorfer beispielsweise bekannt für ihre Fertigkeiten, auf dem Schachfeld ihre Gegner mattzusetzen und mehr noch sogar für ihren virtuosen Umgang mit dem kleinen weißen Ball auf der Tischtennisplatte.
Als nun Anfang der 70er Jahre die diplomatischen Vertreter der weltweit erfolgreichsten Tischtennisnation China ihr Niederbachemer Botschaftsgebäude bezogen, gab es bald Einladungen und Empfänge, Kontakte auf den unterschiedlichsten Ebenen mit den Wachtberger Bürgern, Ratsvertretern und auch den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung. Auf sportlicher Ebene allerdings tat sich nichts, und erst der Pioniergeist des Fritzdorfers Rudi Sonntag brachte einen Durchbruch. Der Mitbegründer des Tischtennisclubs Fritzdorf hatte nämlich die nahe liegende Idee, die Vertreter der Pingpong-Nation überhaupt zu einem Turnier einzuladen.

Ping-Pong-Diplomatie: Zweihundert begeisterte Zuschauer verfolgten das Spiel. (Foto: Archiv GW)Ein beherzter Anruf in der Botschaft führte zu einer Verabredung mit dem chinesischen Kulturattaché. Sonntag erinnert sich an das deutsch-chinesische Sportrendezvous: „In einer strengen Atmosphäre besprachen wir die Details meiner Wünsche und waren uns am Ende einig, zur gegebenen Zeit in der Schwalbenhalle Fritzdorf ein Treffen zu veranstalten. Durch sieben Türe und Gänge, Flure und Kontrollen wurde ich lächelnd in die Freiheit entlassen“. Und so kam es, dass an Allerheiligen 1973 ab 15.00 Uhr in der Fritzdorfer Schwalbenhalle ein Freundschaftsspiel zwischen einer chinesischen Botschaftsmannschaft und dem TTC Fritzdorf stattfand. Begleitet von zweihundert begeisterten Zuschauern und einem ZDF-Kamerateam gelang den Fritzdorfern nach harten Kämpfen letztlich ein 9:5 Sieg gegen die Chinesen. Die asiatischen Gäste zeigten sich beim anschließenden gemeinsamen Abendessen als faire Verlierer und durchaus feierfreudige Vertreter einer pingpongbegeisterten Nation.

Der TTC Fritzdorf schrieb sich mit diesem Turnier in die Annalen der deutsch-chinesischen Freundschaft ein. Ihm war es als erster Gruppierung in der Bundesrepublik Deutschland gelungen, Chinesen zu einer solchen Veranstaltung zu überreden. In der Folge wurde auch der Kulturaustausch nicht vernachlässigt: kurze Zeit später wurden einige chinesische Gäste in Ausfüllung der neu geknüpften Bande zum Sauerbratenessen nach Fritzdorf eingeladen. Überliefert ist, dass sie sich begeistert von dieser rheinischen Delikatesse zeigten. (GW)


40 Jahre Gemeinde Wachtberg