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"Weißt Du noch?" - Folge 2
Am 1. August 2009 feiert die Gemeinde Wachtberg ihren 40. Geburtstag. Viel ist passiert in den zurückliegenden vier Jahrzehnten und hieran soll im Jubiläumsjahr unter anderem die kleine Serie „Weißt Du noch?“ erinnern. Monatlich begeben wir uns auf eine Zeitreise durch die letzten vierzig Jahre und greifen interessante Begebenheiten und besondere Ereignisse in unserer Gemeinde seit dem 1. August 1969 auf. Weißt Du noch?Ein Wintermärchen in Wachtberg
Wie auf einem Gemälde von Pieter Bruegel tummelten sich die Schlittschuhläufer im Januar und Februar 1982 auf dem tief zugefrorenen Weiher um Burg Gudenau. Vor der malerischen Kulisse des Villiper Wasserschlosses herrschte Volksfeststimmung, als sich an den Wochenenden hunderte Menschen auf Kufen über die Eisfläche gleiten ließen. Besonderen Spaß machte es vielen, die Burg zu umrunden und dabei unter den niedrigen Brücken durchzusausen.
Eine auch für die damalige Zeit ungewöhnlich heftige und anhaltende Frostperiode hatte diese Winterfreuden möglich gemacht. Vom Dreikönigstag an herrschten bis Ende Januar fast durchgehend Minusgrade im Rheinland. Am Mittwoch, den 13. Januar 1982, sank das Thermometer gar auf sibirische – 22° C. Und auch im Februar blieb es weitgehend frostig kalt.
Selbst von Bonn und sogar Köln kamen damals begeisterte Schlittschuhläufer, um die besondere Atmosphäre der winterlichen Villiper Burg zu genießen. Mitgebrachter heißer Kakao und andere, wärmende Getränke hoben die Laune der Zuschauer am Rande des Weihers. Für die alteingesessenen Villiper, Villiprotter und Holzemer Bürger war dieser Winterspaß ein lange vertrauter Brauch; genauso wie die Rodelpartie den „Prummeberg“ unterhalb der Windmühle hinunter, sobald nur genug Schnee lag. Natürlich luden auch andere zugefrorene Wasserflächen in Wachtberg zum Schlittschuhvergnügen ein, und mancher Weiher im Kottenforst lockte zum Schliddern und Rutschen. Beliebter Treffpunkt zum Eislaufen war bis in die 1960er Jahre beispielsweise der kleine und deshalb besonders schnell zufrierende Tümpel am Forsthaus Schönwaldhaus in Villiprott.
An der Faszination des Eises hat sich bis heute nichts geändert. Doch längst verbietet der Naturschutz Schlittschuhlaufen auf den Tümpeln und Maaren des Kottenforstes. Und auch der Weiher der Burg Gudenau ist schon lange nicht mehr öffentlich zugänglich: zum einen hatte 1982 der Massenansturm zu erheblichen Schäden an der Uferbefestigung geführt. Überdies stellen sich Haftungsfragen, die aus der Verkehrssicherungspflicht der Eigentümer erwachsen, heute wesentlich schärfer als noch vor Jahrzehnten. Und so fällt wohl der alte Brauch des Schlittschuhlaufens auf den Wachtberger Gewässern nach einem unverhofften Intermezzo in diesem Januar künftig nicht nur dem sich abzeichnenden Klimawandel zum Opfer, sondern auch dem Naturschutz sowie den Verkehrssicherungsanforderungen an die Eigentümer.
Da mischt sich ein wenig Wehmut in die Erinnerung an frostige Winter auf dem Eis wie im Januar und Februar 1982. (GW)
Letzte Änderung: 20. Februar 2009 - © 2009 Gemeinde Wachtberg