Artenschutz im Rhein-Sieg-Kreis, Teil XIV: Katzengeschrei aus luftiger Höhe - Der Mäusebussard

Rhein-Sieg-Kreis Rhein-Sieg-Kreis (al) – Bei Artenschutz denken viele an den Regenwald und an exotische Tiere. Das ist zwar zutreffend, aber Artenschutz fängt vor der Haustür an. Fast die Hälfte der ca. 76.000 Tier- und Pflanzenarten in Deutschland sind in ihrem Bestand gefährdet. Der Rhein-Sieg-Kreis möchte in loser Folge gefährdete Arten vorstellen und einfache Maßnahmen beschreiben, die jeder umsetzen kann.

Der Mäusebussard
Der Mäusebussard ist der in hiesigen Gefilden am häufigsten vorkommende mitteleuropäische Greifvogel. Mit seinen 51 bis 57 Zentimetern ist er mittelgroß. Die Gefiederfärbung ist – ungewöhnlich für europäische Greifvögel – individuell sehr variabel, im Allgemeinen jedoch ist der Rücken dunkelbraun und die Unterseite gestreift und gefleckt. Die Flügelspitzen sind dabei immer deutlich dunkler gefärbt als das restliche Gefieder. Im Flugbild fallen seine breiten, stark abgerundeten Flügel und der relativ kurze, oft breit gefächerte Schwanz auf. Da der Mäusebussard gerne segelt und dabei auch sein lang gezogenes, fast miauendes „hiiää” erschallen lässt, gehört er optisch und akustisch zu den bekanntesten Greifvögeln.

Nicht ganz klar ist die Herkunft seines Namens: Manche leiten ihn nämlich von den mittelhochdeutschen Wörtern Buse (= Katze) und Aar (= Adler) ab, also "Katzenadler", was sich auf sein charakteristisches Rufen bezieht. Andere jedoch verweisen gerne auf den alten Namen „Mauser“, der sich ebenfalls aus dem Mittelhochdeutschen ableitet, ‚mus-ar’ also dem „Mäuse fressenden Aar“.

Mäusebussarde nisten im Wald und in Feldgehölzen. Ihre Beute suchen sie sich aber meist über offenem Gelände. Erspähen sie dort mit ihren scharfen Augen eine Maus oder einen Käfer, sieht man sie zu Boden stürzen. Seltener rütteln sie auch und bleiben, mit den Flügeln schlagend oder diese gegen den Wind stellend, genau wie der Turmfalke, unverrückt am selben Punkt. Es kommt hingegen häufig vor, dass sie sich zur Nahrungssuche direkt auf dem Boden aufhalten. Aber noch lieber sitzen Mäusebussarde gern offen auf Pfosten oder Ästen, so zum Beispiel an Straßenböschungen, wo sie nach Beute ausschauen. Gerade jetzt im Winter ist dies gut zu beobachten. Wichtigstes Beutetier ist die Feldmaus, doch fressen Mäusebussarde auch Jungvögel, Reptilien, Amphibien, Insekten und sonstige Wirbellose wie Regenwürmer sowie Aas.

Die aus Reisig erbauten Horste werden meist in 15 bis 25 Meter Höhe auf Bäumen im Wald oder in größeren Feldgehölzen errichtet und jedes Jahr aufs Neue aufgesucht und ausgebessert. Mäusebussarde leben in Einehe. Diese Ehe hält meist über mehrere Jahre, wenn nicht sogar bis zum Lebensende. Häufig sieht man die Paare auch gemeinsam jagen. Mäusebussarde können übrigens bis zu 20 Jahre alt werden. Das Gelege besteht meist aus zwei bis vier braun gefleckten Eiern.

Der Mäusebussard ist ein Teilzieher, das bedeutet, dass manche unserer einheimischen Greifvögel im Mittelmeergebiet überwintern, andererseits überwintern aber bei uns Bussarde aus Nordosteuropa. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es aufgrund direkter Verfolgung gravierende Bestandsrückgänge, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte jedoch eine Bestandserholung ein, so dass der streng geschützte Mäusebussard heute nirgendwo in Europa als gefährdet gilt. In unserer Region gibt es etwa 800 Brutpaare.

Die Experten des Rhein-Sieg-Kreises geben für den Mäusebussard folgende Artenschutztipps:
Naturfreunde unterstützen den Mäusebussard, indem sie ihm Nahrungsflächen wie Hecken, Säume, Feldraine oder Brachland schaffen, erhalten oder weiter entwickeln. Natürlich sollte man es vermeiden, die Tiere an den Horsten in der Brutzeit von April bis Juli in welcher Form auch immer zu stören. Gerade der Mäusebussard gehört neben dem Habicht zu den Arten, die illegalen Greifvogelverfolgungen am ehesten ausgesetzt sind. Obwohl Mäusebussarde das ganze Jahr unter Jagd- und Naturschutz steht, werden sie immer noch manchmal illegal geschossen, vergiftet, in Fallen gefangen, oder es werden ihre Nester zerstört.

Weitere Auskünfte zum Thema Mäusebussard erteilen gerne die Fachleute am Umwelttelefon des Rhein-Sieg-Kreises – Der Landrat - 02241/13-22 00. Alle Artikel der Serie Artenschutz sind überdies zusammen mit weiteren Informationen auf der Homepage des Rhein-Sieg-Kreises unter www.rhein-sieg-kreis.de  abrufbar. (RSK)