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Artenschutz im Rhein-Sieg-Kreis, Teil XII: Ein lachender Ameisenfresser - Der Grünspecht
Rhein-Sieg-Kreis (hei) – Bei Artenschutz denken viele an den Regenwald und an exotische Tiere. Das ist zutreffend, aber Artenschutz fängt vor der Haustür an. Fast die Hälfte der ca. 76.000 Tier- und Pflanzenarten in Deutschland sind in ihrem Bestand gefährdet. Der Rhein-Sieg-Kreis möchte in loser Folge gefährdete Arten vorstellen und einfache Maßnahmen beschreiben, die jeder umsetzen kann.
Der Grünspecht
Er ist zwar ganzjährig anzutreffen, aber im Herbst besonders gut auf den Rasenflächen zu beobachten: Der Grünspecht. Mit seinem grüngelb gefärbten Gefieder, seiner roten Haube und dem schwarzen Gesicht gehört das bis zu 30 cm große Tier zu den farbenprächtigsten einheimischen Vögeln. Aber was macht ein Specht auf dem Boden? Er sucht nach seiner Nahrung: Ameisen. Der Grünspecht ist auf diese Insekten spezialisiert, anderes interessiert ihn kaum. Während des Sommers bevorzugt er laubholzreiche, offene Wälder und Obstwiesen, vorzugsweise im Tiefland bis 250 Meter über NN. Aber wenn es jetzt kälter wird, sind die Insekten nur noch auf den Wärmeinseln der Gärten und Städte anzutreffen. Der Grünspecht hackt mit seinem Schnabel in die Baue der Wiesenameisen und der Roten Waldameise und schleckt die Beute mit der langen, klebrigen Zunge auf. Der besonders geschützte Vogel ist einerseits anpassungsfähig, andererseits wegen seiner einseitigen Nahrung sehr von gemäßigten Wintern abhängig. Nach den strengen und schneereichen Wintern in den Jahren 1962/63 und 1978/79 starben zahlreiche Grünspecht-Bestände aus. Derzeit befindet sich die Vogelart aber wieder im Aufwind: im Rhein-Sieg-Kreis sind zurzeit 350 – 400 Brutpaare aktiv. Auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten wird der Vogel jedoch nicht zu Unrecht noch als „gefährdet“ eingestuft: so fehlt er im Rhein-Sieg-Kreis in Teilen der Zülpicher Börde und in der Agrarfläche zwischen Niederkassel und Troisdorf.
Charakteristisch für den Grünspecht sind seine Rufe zur Balzzeit im Frühjahr, die häufig als „Lachen“ bezeichnet werden. Das für viele Spechte typische Trommeln ist beim Grünspecht nur selten zu hören. Von Ende April bis Mitte Mai werden die Eier bebrütet. Die geschlüpften Jungvögel werden überwiegend vom Männchen gefüttert. Dieses unterscheidet sich vom Weibchen lediglich durch einen schwarz eingefassten Bartstreif.
Unsere Artenschutztipps:
• Zur Erhaltung der Hauptnahrung des Grünspechtes, der Ameisen, sollten die Wiesenameisennester im Rasen erhalten werden. Auch der Gifteinsatz gegen die Insekten ist für den Grünspecht bedrohend.
• Waldsäume sowie extensiv genutzte oder gepflegte Grünlandbereiche locken Ameisen an und erhöhen das Nahrungsangebot.
• Metallgeflechthauben über den Bauten der Roten Waldameise sollten nicht im Winter errichtet werden.
• Seine Höhle zimmert der Grünspecht in toten Stammabschnitten von Buchen und anderen Laubhölzern. Daher ist stehendes Totholz in Wäldern, Parks und Gärten für den Grünspecht existentiell wichtig.
Für Informationen, Hinweise und weitere Fragen können sich interessierte Bürgerinnen und Bürger gerne an die Mitarbeiter des Umwelttelefons, 02241/13 22 00, der Kreisverwaltung in Siegburg wenden. (RSK)
Letzte Änderung: 27. November 2008 - © 2008 Gemeinde Wachtberg