Aktuelles
- Mitteilungen aus dem Rathaus
- Mitteilungen aus der Gemeinde
- Amtliche Bekanntmachungen
- Öffentliche Ausschreibungen
- Öffentliche Angebote
- Haushaltsplan
- Wachtberger Kulturwochen
- 40 Jahre Gemeinde Wachtberg
- Teilnahme am NRW-Tag
- Nachrichten-Archiv
- Pegelstände / Wetter
Termine
- Veranstaltungskalender
- Kultur-Newsletter
- Sprechstunden
- Sitzungstermine
- Öffnungszeiten
- Mülltermine
- Apothekennotdienst
- Blutspendetermine
- Fahrplan-Auskunft
- Redaktionsschlüsse Amtsblatt
Linksammlung
Bernhard Weisgerber zum Tod von Carl Cüppers
Wachtberg - Carl Cüppers ist tot. Am 24. September ist er nach einem Sturz an einer Kopfverletzung gestorben.Mit Carl Cüppers habe ich meinen besten Freund verloren, dem ich unendlich viel verdanke.
Mehr als ein halbes Jahrhundert lang habe ich mit ihm zusammengearbeitet: in der Schule, im Unterricht, bei Freizeiten mit den Schulentlassenen, in dem von ihm gegründeten Schulmuseum in Katterbach, bei Tagungen und Vorträgen und vielen anderen Gelegenheiten.
Ihm verdanke ich es, dass mir der Beruf des Dorfschulmeisters Freude und Erfolg bereitet hat, für den ich eigentlich nach nur drei Studiensemestern an der Pädagogischen Akademie denkbar schlecht vorbereitet war. Er wurde mir - dem „Junglehrer“, wie man damals (1953) sagte - als „Mentor“ zugeteilt und hat mir vieles beigebracht, was mir das Akademiestudium nicht bieten konnte. Gemeinsam haben wir Unterricht vorbereitet und gehalten, Arbeitsmittel dafür erfunden und hergestellt, eigene Lehrpläne entwickelt, uns aber auch im privaten Bereich getroffen, etwa bei Wanderungen (natürlich war Carl Cüppers die Seele des Wanderclubs der Ländchenslehrer, der bis heute existiert), bei fröhlichen
Feiern wie bei traurigen Gelegenheiten, etwa bei der Beerdigung des „Ländchensarztes“ Dr. Klein in den 50er Jahren, dem wir gemeinsam mit anderen Kollegen das Requiem gesungen haben. (Gleich darauf wurden wir schon wieder übermütig und stellten die Satzung für einen Requiemsclub auf, in der es hieß: Jeder Lehrer im Ländchen hat einen Anspruch auf ein von seinen Kollegen gesungenes Requiem.)
Auf Carl Cüppers treffen Redensarten zu, die inzwischen leider schon abgegriffen erscheinen: Er war das, was man einen „begnadeten“ Lehrer nennt, er verfügte über das, was man als „Charisma“ bezeichnet. Wenn er zu einer Versammlung kam, hatte er den Saal gleich in der Hand, füllte ihn mit seiner „Ausstrahlung“ bis auf den letzten Platz und machte auch den müdesten Zuhörer wieder munter, nicht zuletzt dank seines Humors, mit dem er viele Situationen zu bewältigen verstand. Zu den Regeln, die er mir - dem Junglehrer - beigebracht hat, gehörte auch diese: „ In einer guten Unterrichtsstunde müssen mindestens zweimal alle Tafeln vollgeschrieben und einmal herzlich gelacht werden.“
Deshalb tue ich jetzt etwas, was man in der Textsorte „Nachruf“ eigentlich nicht tun darf … ich erzähle eine fröhliche Geschichte:
Zu seinem 80. Geburtstag wurde Carl Cüppers als Ehrenbürger der Stadt Bergisch Gladbach in einer großen Feier mit vielen Reden gewürdigt. Allmählich begannen die Zuhörer einzuschlafen. Als Carl das bemerkte, ging er selbst ans Rednerpult und sagte: „Ihr habt mich mit vielen Worten geehrt. Ich danke euch und möchte jetzt nur eine kurze Geschichte erzählen: Bei der Suche nach neuen Schätzen für mein Schulmuseum kam ich kürzlich zu einer Frau, die mir ein paar alte Wandbilder aus der (inzwischen aufgelösten) Dorfschule ihres Mannes versprochen hatte. Ich war über diese schönen Bilder so begeistert, dass ich zu der Frau sagte: ‘Ich könnte Sie umarmen!’ Da antwortete die Frau: ‘Minge Mann is im Keller!’ “ Der ganze Saal lachte, auch der letzte Zuhörer wachte wieder auf, und die Feierstimmung war gerettet.
Dabei hatte es Carl Cüppers in seinem Leben ganz und gar nicht leicht. Geboren ist er in Embken in der Eifel als Sohn eines Dorfschullehrers. Als man ihm nach dem Krieg die Führung einer einklassigen Dorfschule in Gimmersdorf nicht zutrauen wollte, sagte er zum Regierungsrat Antz: „Mein Vater war einklassiger Lehrer, mein Großvater war einklassiger Lehrer (das war allerdings geschwindelt), und ich will auch einklassiger Lehrer werden.“ Die Ausbildung dazu hatte er im (hoffentlich) letzten Krieg in der Lehrerbildungsanstalt Dortmund erhalten, auch eine Stelle in Gimmersdorf hatte man ihm schon zugeteilt, aber dann musste er in den Krieg: Als Stuka-Flieger (Funker) hat er in Russland ein Auge verloren. Nach Kriegsende konnte er sich zu seiner Familie nach Thüringen durchschlagen, wohin seine Eltern und Geschwister aus Stockheim bei Düren evakuiert worden waren. Sobald es möglich war, machte er sich auf den Weg zu der Schule im Ländchen, die ihm früher versprochen worden war. Dabei hatte er eine Begegnung, von der er später gern erzählte: Er war mit dem Fahrrad aus Thüringen gekommen und hatte nach etlichen Tagen mit großen Anstrengungen endlich sein Ziel fast erreicht. „Kurz vor Niederbachem“, so schreibt er selbst, „begegnete mir eine Frau, die ihren Handwagen mit Spankörbchen voller Himbeeren beladen hatte. Sie hielt und schaute mich eine Weile an. Es war unschwer zu erkennen, dass ich zu den Soldaten gehörte, die jetzt schon vereinzelt aus der Gefangenschaft zurückkehrten. Sicher sah sie auch, dass ich vollkommen abgemagert und schwach auf den Beinen war. Ich sagte: „Ich bin der neue Lehrer von Gimmersdorf.“ Sie fuhr mit ihrem Wagen an die Seite und kam mit einem gefüllten Körbchen auf mich zu und sagte: „Herzlich willkommen!“. Ich hatte einen Kloß im Hals und dicke Tränen in den Augen und sie auch. „Hoffentlich lebt mein Mann auch noch, er war zuletzt in Russland.“ Die Frau sah noch eine Weile belustigt zu, wie ich im Graben saß und mit meinem „Schanzzeug“ (aufklappbares Essbesteck) in die duftenden Früchte fuhr.“
So kam Carl Cüppers ins Ländchen nach Gimmersdorf. „Seine“ Schule war durch einen Bombenangriff stark beschädigt. Mit Hilfe von Handwerkern aus Gimmersdorf und den Nachbardörfern baute er sie in eigener Regie wieder auf und holte dann auch seine Eltern und Geschwister in seine neue Dienstwohnung.
Schon 1949 veranstaltete er dann in Gimmersdorf ein legendäres Fest, das den Leuten neuen Lebensmut gab und zu einem Symbol für den Neubeginn im Ländchen geworden ist: das Lindenfest zu Ehren der hundertjährigen Dorflinde. Dazu brachte er auch eine Festschrift heraus, die sein Bruder Walter illustrierte. Sie ist ein kostbares Dokument der Nachkriegszeit.
Von Gimmersdorf kam Carl Cüppers 1952 als Hauptlehrer nach Berkum, von dort als Rektor nach Rheinbach und von dort als Schulrat nach Bergisch Gladbach. Von dieser Zeit wäre viel zu erzählen, aber das ist mir in diesem Rahmen nicht möglich.
Als in die Schulen - die Nachfolger der inzwischen aufgelösten „Zwergschulen“ - dann statt der Erziehung immer stärker die Verwaltung Einzug hielt, beendete Carl Cüppers vorzeitig seine Tätigkeit als Schulrat (die er sich ganz anders gedacht und durchgeführt hatte), ließ sich pensionieren und fand seine neue Lebensaufgabe: die Gründung des Schulmuseums in Bergisch Gladbach-Katterbach. Mehr als zwei Jahrzehnte lang hat er hier trotz schwerer Krankheit mit seinen Mitarbeitern, den „zwölf Aposteln“, gesammelt und gewirkt, auch Schule gehalten im Stil des Kaiserreichs, und konnte sich vor Andrang kaum retten.
Der Tod hat ihn, den 88jährigen, unerwartet aus dieser Arbeit herausgerissen, aber er war gnädig: Er hat ihn geholt, bevor Carl Cüppers nicht mehr hätte wirken können.
Der Heimatverein Niederbachem hat ihm und seinem Bruder Walter im Jahre 1999 ein eigenes Heimatheft gewidmet: Carl und Walter Cüppers und ihr Wirken im Drachenfelser Ländchen in den Jahren nach 1945.
Letzte Änderung: 14. November 2008 - © 2008 Gemeinde Wachtberg