Artenschutz im Rhein-Sieg-Kreis, Teil XI: Grabowskis ungeliebte Wohltaten - Der Maulwurf

Rhein-Sieg-Kreis Rhein-Sieg-Kreis (al) – Bei Artenschutz denken viele an den Regenwald und an exotische Tiere. Das ist zwar zutreffend, aber Artenschutz fängt vor der Haustür an. Fast die Hälfte der ca. 76.000 Tier- und Pflanzenarten in Deutschland sind in ihrem Bestand gefährdet. Der Rhein-Sieg-Kreis möchte in loser Folge gefährdete Arten vorstellen und einfache Maßnahmen beschreiben, die jeder umsetzen kann.

Maulwürfe

Wenn sich im Frühjahr oder Herbst kleine Erdhügel auf Rasen oder Wiese türmen, ist ein in diesem Moment nicht sehr beliebter Buddler am Werk, der Maulwurf (Talpa europaea). Zu sehen bekommt man den Baumeister nur selten, da dieser Säuger vorwiegend unter der Erde in seinen Gängen lebt. Der kleine Kerl ist 14 bis 17 cm lang und hervorragend an seinen Lebensort angepasst.

Seine Ohren sind im schwarzen Fell verborgen, welches auch die mohnkorngroßen Augen meist überdeckt. Entgegen einer weit verbreiteten Mär können diese Tiere aber sehr wohl sehen. Das Fell besteht aus gleichmäßig langen Haaren. In der sehr empfindlichen Schnauze des Maulwurfs sind hoch entwickelte Geruchssinne und Tasthaare untergebracht. Gleichzeitig dient die rüsselartige Ausbildung seiner Schnauze als "Schmutzschutz" für den Mund. Am beeindruckendsten sind die schaufelförmigen Vorderpfoten. Sie sind ideale Grabwerkzeuge und für die Arbeit des Maulwurfs auch unerlässlich: Pro Tag kann er damit, meist in Tiefen bis 40 Zentimeter, Gänge von über 20 Metern graben. Wie bei allen Tunnelarbeiten muss der Erdaushub irgendwo hin: Der Maulwurf drückt ihn mit den Grabschaufeln aus dem Gang. So entstehen dann die Maulwurfshügel. Die Erde wird also nicht „mit dem Maul geworfen“, sondern der Name kommt aus dem Althochdeutschen „Molta“, was Staub beziehungsweise Erde bedeutet. Der Maulwurf ist also ein Erdwerfer.

Der Maulwurf lebt ausschließlich von wirbellosen Tieren. Regelmäßig sitzt er im zentralen Kessel und horcht auf Tiere, die in seine Gänge fallen. Auf der Jagd erreicht er eine Geschwindigkeit von mehr al 65 Meter pro Minute! Seine Nahrung besteht dabei zu 90 Prozent aus Regenwürmern. Der Rest setzt sich aus allerlei Insektenlarven, Asseln und Schnecken zusammen. Das, was er täglich verputzt, entspricht in etwa seinem eigenen Körpergewicht, also bis zu 100 Gramm. Pro Jahr vertilgt ein einziger Maulwurf locker bis zu 37 Kilogramm Futtertiere. In Zeiten großen Nahrungsüberflusses legen Maulwürfe richtige Vorräte an. Zu diesem Zweck werden Regenwürmer zum Beispiel nicht getötet, sondern nur durch einen Biss gelähmt.

Maulwürfe sind wie die meisten Insektenfresser übrigens Einzelgänger, die außerhalb der Paarungszeit den Kontakt zu Artgenossen meiden. Einen Winterschlaf halten sie nicht. Sie werden nicht sehr alt. Ihre Hauptfeinde sind Störche, ferner Wildschweine, Füchse und Dachse in der freien Wildbahn. Aber auch Bussarde, Rabenvögel und Eulen lauern auf den Maulwurf, wenn sie ihn beim Auswerfen von Haufen beobachten.
Der Maulwurf gehört zu den besonders geschützten Tieren Demnach ist es verboten, ihn zu fangen und mit Fallen, Gift oder Abgasen zu töten.

Die Artenschutztipps der Experten des Rhein-Sieg-Kreises sollen das häufig gespannte Verhältnis zum Menschen ein wenig entkrampfen:
Maulwürfe sind exzellente Schädlingsvertilger. Wer sie im Garten hat, sollte sie einfach dort leben lassen und die interessante Lebensweise beobachten. Denn die Anwesenheit zeigt, dass der Boden gesund ist und es zahlreiche Kleinlebewesen im Boden gibt, die Nahrungsgrundlage der Maulwürfe sind. Die ausgeworfene lockere Erde kann hervorragend für ein Blumenbeet genutzt werden. Die Hügel sind daher eher ein ästhetisches Problem.

Wer es nun aber gar nicht mehr mit seinem Maulwurf aushält, kann schon etwas tun. Der Maulwurf ist ziemlich sensibel, was Gerüche und Geräusche angeht. Man kann zum Beispiel Holzpfähle in die Haufen schlagen und so oft wie möglich dagegen klopfen, dass dem Maulwurf so richtig die Ohren dröhnen. Man kann auch aus Zweigen vom Lebensbaum (Thuja), Holunder oder Knoblauch eine Brühe ansetzen und in kleineren Mengen in die Gänge schütten. Der Maulwurf soll und darf nicht ertränkt werden, sondern es geht darum, seine feine Nase ein wenig zu beleidigen. Oft muss man das aber mehrmals machen, ehe der Maulwurf weiter zieht.

Die Maulwurfshügel dienen dem Maulwurf zur lebensnotwendigen Belüftung der unterirdischen Gänge, denn wegen seines hohen Stoffwechsels und seiner intensiven Verdauung gibt der Maulwurf große Mengen Kohlendioxid ab. Es ist deshalb unsinnig, die Erdhügel flach und fest zu klopfen – innerhalb kürzester Zeit wirft der Maulwurf an anderer Stelle neue auf, um nicht an seinen eigenen Ausdünstungen zu ersticken

Wer weitere erfolgreiche Vergrämungsmethoden kennt oder Fragen zum Thema Maulwurf hat, kann sich gerne bei den Experten des Umwelttelefons in der Kreisverwaltung in Siegburg melden unter der Rufnummer 02241-13 22 00. (RSK)