Herbstwandern im Drachenfelser Ländchen - Einmal rund um den Wachtberg

Blick vom Stumpeberg auf's Siebengebirge (Foto: W. Töpner) Wachtberg - Vom Wachtberg, der im Mittelpunkt dieses Wandervorschlages steht, hat die Gemeinde Wachtberg ihren Namen erhalten, als sie 1969 im Zuge der Gebietsneugliederung entstand. Um diesen „Hausberg“, der geologisch gesehen ein sog. Härtling vulkanischen Ursprungs ist, dreht sich eine kleine Herbsttour durch unsere Heimatgemeinde, die uns mit einer Barockkapelle, einer Barockkirche, einer Windmühle und einer Wasserburg bekannt macht. Dazu gibt’s jede Menge Natur, Kunst und viele Landschaftsblicke.

Rundwanderung von Berkum über Holzem nach Villip

In Berkum beginnen wir am Schwimmbad und folgen dem Wanderweg Nr. 2, der uns hinauf bis zum Wachtberg bringt. Ein Stück weiter oben sehen wir links Wasserburg Odenhausen aus der Zeit der Renaissance liegen; ein Menhirstein aus vorchristlicher Zeit steht vor dem Eingang. Die Höhenlage der Wasserburg auf einer bewaldeten Bergkuppe ist eine topographische Besonderheit. Der Name Odenhausen taucht erstmals 1174 aus dem Dunkel der Geschichte auf. Damals Stand hier eine Motte, die im Besitz eines Gunterus de Bercheim war.
Wir bleiben auf der kleinen Landstraße, überqueren vorsichtig den sogenannten Wachtberg-Ring und machen einen kurzen Abstecher nach rechts zum Ehrenmal, das am Rande des Wäldchens liegt. Es wurde 1921 mit Ringmauer und Kapelle mit Kreuzwegstationen als Kriegergedächtnisstätte errichtet. Hierher findet alljährlich an Christi Himmelfahrt aus den Nachbarorten eine Prozession mit Pferdesegnung statt. Die Steine links und rechts der Stufen zur Kapelle tragen Bibelsprüche, die übrigen 10 dazwischen liegenden Steine die Namen der Gefallenen der Wachtberger Gemeinden. Dann kehren wir wieder zum Wanderweg Nr. 6, 7 zurück, der uns rechts am sonnigen Waldrand unter alten Eichen auf eine kleine Ansiedelung von Häusern zuführt (Haus Graffemberg). Links taucht das anmutige Panorama von Holzem mit der kleinen malerischen Kapelle auf. Durch die Holzemer Allee geht es weiter bis zu einer Bank, wo der Wanderweg Nr. 1 nach links abbiegt, auf dem wir in Holzem die St. Nepomuk-Kapelle erreichen, die der Startenor des 18. Jahrhunderts, Anton Raaff, erbauen ließ. Jetzt folgen wir dem schmalen asphaltierten Weg Nr. 6 in Richtung Klein-Villip, der sich am Kinderspielplatz und vorbei zu einem kleinen Bachlauf schlängelt.
Wir gehen rechts auf dem Hauptwanderweg Nr.1 des Eifelvereins (Jakobsweg) weiter, der uns durch ausgedehnte, von Wäldern umkränzte Ackerfluren hinunter ins Tal bringt, wo uns ein Wäldchen aufnimmt. An der nächsten Weggabelung halten wir uns rechts und gehen bergauf, beim Wegekreuz von 1696 biegen wir links in den schmalen Wanderweg Nr. 7, 17 ein, der uns einen schönen Blick in das Tal mit der Burg Gudenau beschert. An der Villiper Windmühle kommen wir schließlich heraus. Neben der Burg Gudenau und der Kirche ist sie ein besonderes Wahrzeichen des Dorfes. Sie wurde vermutlich 1780 erbaut. Von hier gehen wir bergab nach Villip, wo vermutlich schon die die Kelten gesiedelt haben, denn der Name Villip setzt sich aus "vil", dem keltischen Begriff (Siedlung am Bach) und "apa", die fränkische Bezeichnung für Wasser, zusammen. In den 70er Jahren wurden bei Villip auch Reste eines römischen Brunnens gefunden. Dies deutet darauf hin, dass in der Nähe einst eine Siedlung der Römer gelegen hat. 873 wird Villip erstmals als „Philuppa“ urkundlich erwähnt, weil das Kloster Reichskloster Stablo-Malmedy Landbesitz sowie einen Fronhof besaß. Die reich ausgestattete Pfarrkirche St. Simon und Judas Thaddäus (Eingang beim Turm meist geöffnet) lohnt einen Besuch. Hier erhob sich eine der ältesten Kirchen des Wachtberger Raumes. Es war eine Holzkirche, die dem fränkischen Reichsheiligen St. Martin geweiht war. Ihre exponierte Lage auf dem Höhenrücken war offenbar auf Sichtwirkung berechnet. Der spätgotische Chor der heutigen Kirche gehört noch dem 15. Jh. an, das kreuzrippengewölbte Langhaus wurde 1713, der Turm 1749 angefügt. In Villip fühlten sich nicht nur die Römer wohl, auch Kaiserliche Hoheiten machten hier später gern mal Station. Der noch erhaltene Gerichtsbogen aus der Zeit der Reichsunmittelbarkeit dokumentiert die einstige Bedeutung dieses Ortes. Im Ort rechts bergauf in die Holzemerstraße, am Ortsrand die zweite Straße nach der Straße „Auf dem Äckerchen“ links einbiegen. Auf einem asphaltiertem Feldweg geht es immer geradeaus auf halber Höhe in Richtung Berkum. Links von uns liegt das Gewerbegebiet von Villip. Am Horizont grüßt die Kette des Siebengebirges mit dem Drachenfels, der Drachenburg und der Löwenburg. Nach der Überquerung des Wachtberg-Rings gehen wir auf einem Feldweg geradeaus bis zur Weggabelung, dann rechts Weg Nr. 8 bergauf, bis wir an der Burg Odenhausen wieder herauskommen. Beim Tennisplatz links abbiegen, um den eingezäunten Platz herum an einer Kuhwiese vorbei zu unserem nächsten Ziel, den im Wald versteckten Stumpeberg. Er ist einer der für Wachtberg landschaftstypischen Vulkane. Sein Alter wird auf 25 Millionen Jahre geschätzt. Wie der Dächelsberg bei Niederbachem oder der Hohenberg bei Berkum wurde auch der Stumpeberg als Steinbruch genutzt. Die grauen Trachytsteine der Kölner Kirche St. Andreas, die dieser Kirche eine optische Auflockerung durch ein besonderes graues Färbungsmuster verleihen, wurden hier gebrochen. Der ehemalige Steinbruch wird heute als Freizeitanlage genutzt. Am Waldrand erwartet uns zum Abschluss ein majestätischer Blick auf das Drachenfelser Ländchen und das Siebengebirge. Wir biegen rechts in den Stumpebergweg ein und kommen zu unserem Ausgangspunkt zurück.
Aus : Walter Töpner, Wunderbares Wachtberg – Anleitungen zum Verlieben in das Drachenfelser Ländchen, Paulinus Verlag Trier, 236 Seiten mit zahlreichen großformatigen Abbildungen.